Die Arbeit in Pflegeheimen ist gerade zu Zeiten von Corona eine große Herausforderung. Sandra Lutz arbeitet nicht nur in einem Pflegeheim, dem Vitanas Seniorenzentrum in Höchstadt, sondern sie hat auch erst kürzlich ihre zweite Ausbildung zur examinierten Fachkraft absolviert. Und das sogar mit einer Anerkennung der Regierung von Oberfranken. Warum die 46-Jährige manchmal auch als Hausmeister tätig ist und wie sie sich gerade in dieser herausfordernden Zeit zum Lernen motivierte, erzählte sie dem FT im Interview.

Frau Lutz, was haben Sie vor ihrem Neustart in der Pflege gearbeitet?

Sandra Lutz: Ich habe fünf Jahre als Arzthelferin gearbeitet. Ich habe dann in Fürth bei der AWO ein Praktikum gemacht und gemerkt, dass mir die Arbeit Spaß macht. Da es damals mit meiner Ausbildung nicht möglich war, in einem Seniorenheim zu arbeiten, fing ich bei dem am-

bulanten Pflegedienst der Caritas an. Vor drei Jahren fing ich dann bei Vitanas an. Das sind nun auch schon wieder 17 Jahre, in denen ich in der Pflege tätig bin.

Wie kam es, dass Sie die Weiterbildung zur examinierten Pflegekraft machen?

Frau Eismann (die Pflegedienstleiterin) hat mich schon sehr früh darin bestärkt, dass ich noch die Weiterbildung machen könnte. Damit hab ich dann im August 2018 angefangen. Neben der Freude am Beruf war ich schon immer jemand, der gerne Verantwortung übernimmt, und in der Pflege fehlt uns ja gerade so sehr das Personal. Und es ist einfach etwas Besonderes, mit den Leuten so intensiv Zeit zu verbringen: Sie erzählen uns Sachen, die sonst keiner weiß. Au-

ßerdem gibt es keinen anderen Beruf, bei dem die Leute so dankbar sind.

Welche Eigenschaften muss man in diesem Beruf mitbringen?

Die Pflege ist gewissermaßen ein Allround-Job: Vom Seelsorger bis zum Hausmeister. (lacht) Daher muss man zum einen Selbstbewusstsein haben, Nerven wie Drahtseile, aber auch ganz viel Herz für die Menschen. Wichtig ist auch, dass man nach der Arbeit abschalten kann. Wobei ich auch manche Sorgen mit nach Hause nehme. Wichtig ist aber im Privatleben und der Freizeit ein Ausgleich. Ich habe da zum Beispiel mein Pferd: Könnte es sprechen, dann könnte es jetzt ebenfalls sein Examen machen.

Wie hat sich das Coronavirus auf Ihre Weiterausbildung und die Arbeit ausgewirkt?

Als ich daheim war und das Wetter so schön war, war es besonders mit der Motivation zu lernen schwierig. Aber aufgrund meiner Arzthelferinnen-Ausbildung musste ich nicht so intensiv lernen, weil mir vieles schon bekannt war und ich das Wissen nur auffrischen musste.

Bei mir gab es aber keine zusätzlichen Herausforderungen wie Homeschooling und Kinderbetreuung zu organisieren. Viele meiner Kurskollegen haben kleine Kinder, und für die war das dann natürlich richtig hart. Dafür verdienen sie allerhöchsten Respekt. Für die Lehrer war es sicherlich ebenfalls herausfordernd. Unsere Lehrerin war super, wir konnten sie 24 Stunden am Tag erreichen. Ich denke, wir hatten aufgrund von Corona einen besseren Zusammenhalt in der Klasse. Wir hatten einige Kollegen aus Etzelskirchen, wo es ja Coronafälle gab. Wir waren füreinander da und haben ihnen dann auch Kleinigkeiten wie Desinfektionstücher zukommen lassen.

In der Arbeit hat sich bis auf das Tragen des Mundschutzes nicht viel verändert. Die Bewohner, die bereits dement sind, haben von Corona nichts mitbekommen. Am schlimmsten hat es wirklich unsere fitten Bewohner getroffen, die viel Besuch bekamen oder Freundschaften im Haus hatten, die sie nicht mehr so pflegen konnten.

Gibt es in Ihrer bisherigen Berufslaufbahn ein besonders schönes Erlebnis?

Oh... (lacht), Tausende. Es gibt jeden Tag so viele schöne und lustige Momente. Sei es nun mit den Bewohnern oder mit meinen Kollegen. Wir lachen wirklich viel. Bei Bewohnern, die zum Beispiel nicht mehr reden können, ist es auch einfach mal nur ein kleines Lächeln oder ein Streicheln über die Hand.

Was würden Sie sich noch für die Zukunft verstärkt in der Pflege wünschen?

Ich bekam von meinen Kollegen im Vitanas immer eine sehr gute Praxisanleitung. Das Glück hatten wohl einige andere nicht. In unserem Kurs waren einige aus anderen Ländern und im Alter von 18 bis 58. Ich würde mir wünschen, dass sich für die praktische Einarbeitung mehr Zeit genommen wird. Man könnte alles so einfach erklären und dadurch alle in ein Boot holen. Und klar, die Bezahlung könnte besser sein, aber die ist in den meisten sozialen Berufen nicht so, wie sie sein sollte. Außerdem finde ich es schade, dass viel zu oft eher negativ über die Pflege gesprochen wird. Es ist nämlich trotz aller Herausforderungen und Belastungen ein wirklich erfüllender Beruf.

Das Interview führte Theresa Schiffl.