Man stelle sich folgende Situation vor: Unterwegs auf der Autobahn, der Reifen platzt und muss gewechselt werden. Damit man das in Ruhe machen kann, sperrt man sämtliche Spuren. Statt jedoch den Wagenheber unter das Auto zu schieben, den Wagen mit etwas Kurbelarbeit anzuheben und den Reifen zügig zu wechseln, reißt man die Radaufhängung raus und lässt sich eine komplett neue Achse samt Rad einbauen. Das Ganze wäre ziemlich umständlich und teuer - ganz zu schweigen vom Ärger der nachfolgenden Autofahrer.

Das klingt absurd, vor allem weil es eine halbe Ewigkeit dauern würde, bis man selbst seine Reise fortsetzen könnte. Was für den Autofahrer selbstverständlich geworden ist, hat der Metallbaumeister Manfred Weber aus Röttenbach im Landkreis Erlangen-Höchstadt nun auch für Schilderbrücken auf der Autobahn entwickelt und dafür europäisches Patent angemeldet.

Rückbau von Schilderbrücken: Vollsperrung und viel Geld

Denn nicht anders wird bisher auf Autobahnen mit Schilderbrücken verfahren. Muss eine solche ausgebaut werden, ist ein erheblicher Aufwand notwendig. "Für jede Brücke müssen zwei Vollsperrungen gemacht werden", meint Weber, der in den letzten zehn Jahren, wie er sagt, an die 120 Schilderbrücken abgebaut hat. Was das an Verkehrsbehinderung bedeutet, kann man sich ausrechnen, denkt man an den Ausbau der A 3. Nicht nur das.

Weil die Brücken rechts und links neben der Fahrbahn in schwere Fundamente eingelassen und insgesamt ziemlich schwer sind, kann man sie nicht einfach herausheben. Sie wird in drei Teile zerlegt, zuerst der Riegel oben entfernt, um dann die Stile aus den Fundamenten zu reißen. Wiederzuverwenden waren die Brücken danach auch nicht mehr. Das war gängige Praxis bisher.

Bis jetzt. Denn Weber, der, bevor er sich vor dreißig Jahren selbstständig gemacht hat, als Straßenwärter auf der Autobahn gearbeitet hat, ist nicht nur vom Fach, was Autobahnen angeht, sondern genauso, was Metallbau betrifft. So hat er die letzten anderthalb Jahre nach einer Lösung für das Problem gesucht. Mit Erfolg, wie er jetzt nicht ohne Stolz berichtet. Denn am 20. August hat Weber schon einmal drei Schilderbrücken abgebaut. Die dafür notwendige Vollsperrung betrug nur 35 Minuten - bisher brauchte man solange, um eine Brücke abzubauen.

Die Erfindung von Manfred Weber spart viel Zeit

Was hat er also genau erfunden? Beim europäischen Patentamt, wo Weber seine Erfindung im März angemeldet hat und das jetzt weltweit prüft, ob es noch ähnliche Vorrichtungen gibt, heißt die Erfindung "Hubvorrichtung und Verfahren zum Herausziehen eines in einem Fundament verankerten Masts oder einer Stütze". Der Erfinder selbst spricht lieber kurz und knackig vom "Weberheber".

Wie funktioniert er also, dieser Weberheber? "Das Kernstück ist die Klaue, die eingreift zum Hochheben", sagt der Erfinder. Das Gerät selbst ist kaum größer als ein üblicher Wagenheber und passt in jeden Kofferraum. Die Klaue greift unter die herauszuhebende Stütze, der Rest wird fixiert und dann kann die Klaue per Muskelkraft eines einzelnen Mannes durch Handhydraulik angehoben werden. Eine Leistung von 100 Tonnen hat das Gerät - notwendig nicht wegen des Gewichts der Brücke, das bei etwa zehn Tonnen liegt, sondern wegen des Fundaments, aus dem der Pfeiler herausgehoben werden muss. Weber stellt ein Gedankenspiel an.

50 Mann heben den Eiffelturm : Erfindung ist einzige auf der Welt, die das kann

Der Eiffelturm wiegt etwa 10 000 Tonnen. Mit 50 Mann, die je zwei Weberheber bedienen, könnte man alleine durch die übertragene Muskelkraft den Eiffelturm anheben. Kein Wunder also, dass der Erfinder neben der Arbeit im Geheimen getüftelt hat. Denn an einem solchen Gerät sind viele interessiert. "Der Anlass war die Autobahndirektion Nordbayern, ob man nicht kürzere Sperrzeiten machen könnte", erläutert Weber. Andere Firmen hätten es schon vergeblich versucht.

Vier solcher Weberheber gibt es momentan und deren Kraft ist auch notwendig, um eine Schilderbrücke zu heben. Einmal während laufendem Verkehr hochgehoben, macht den Rest der Arbeit zügig ein Kran bei kurzer Sperrung. Der legt die Brücke im Gesamten zur weiteren Verwendung und sicher zur Seite. Im Grunde lässt sich sehr vereinfacht sagen, der Weberheber ist also nichts anderes als ein besserer Wagenheber für sehr schwere Stützen und Maste.

Die Offenlegung des Patentes läuft noch bis zum Frühling nächsten Jahres. Erhebt niemand Einspruch, will Weber in die Vermarktung gehen. An Aufträgen für ihn selbst, sagt er, werde es nicht mangeln. Schließlich wird die A 3 noch einige Jahre ausgebaut werden. Da gibt es einige Brücken zu versetzen und manchen Stau zu vermeiden.