Sorgsam setzen Ellyn und Melina einen Baustein auf den anderen. Hochkant, damit der Turm möglichst hoch wird. Ab dem fünften Stein ist das eine richtig wacklige Angelegenheit. Noch ein Stein. "Vorsicht", brüllt Melina, und der Turm stürzt in sich zusammen. Ein Riesenspaß, Ellyn und Melina lachen aus vollem Halse. "Bauen mag ich am liebsten", verkündet Ellyn dann auch bestimmt, "und Puzzlen."

Selbst gestalten macht am meisten Spaß

"Kinder brauchen gar kein technisch raffiniertes Spielzeug, um Spaß zu haben", bestätigt Bea Engelmann. Als Diplom-Pädagogin betreut sie Ellyn, Melina und die anderen Jungen und Mädchen der "Gelben Gruppe" im Montessori-Kindergarten in Röttenbach. Sie weiß genau, was ihre Schützlinge am liebsten spielen. "Lego ist nach wie vor unglaublich beliebt, bei Mädchen wie bei Jungen. Überhaupt alles, womit sie selbst etwas bauen und gestalten können. Ihre Fantasie ist immer wieder faszinierend." Besonders deutlich zeige sich das bei Ausflügen in die Natur. "Wenn wir mit den Kindern im Wald unterwegs sind, ist ihnen keine Sekunde langweilig. Da gibt es so viel zum Entdecken und Ausprobieren."

Nintendo und Co. sind im Kindergarten tabu. "Ich selbst bin kein großer Fan von solchen Videospielgeräten", sagt Bea Engelmann. Natürlich sei ihr klar, dass viele Kinder so etwas zu Hause haben und auch nutzen. "Wichtig ist denke ich, dass die Eltern da ein Auge drauf haben und die Zeit begrenzen, in der damit gespielt wird."
So wie bei Emelie: Die Fünfjährige hat einen eigenen Nintendo DS. Spielen darf sie damit aber immer nur kurz. "Höchstens fünf Minuten oder so", erzählt sie. Doof findet sie das aber nicht, denn ihr macht auch vieles andere Spaß: "Ich spiel gern auf der Hochburg hier im Kindergarten und in die Turnhalle geh ich auch gern." An ihrem Handgelenk trägt sie vier quietschbunte Armbänder aus geflochtenen Gummiringen. "Selbstgemacht", erzählt sie stolz.

Jungs basteln auch gern

"Ja, diese Armbänder sind gerade total beliebt bei den Kindern", erklärt Bea Engelmann. "Wir haben hier im Kindergarten gefühlt eine Million davon gebastelt." An den Armband-Basteleien finden übrigens nicht nur Mädchen Gefallen. "Die Jungs wollen da auch mitmachen. Es dürfen dann halt keine pinken Gummibänder sein, sondern welche in Jungsfarben." Auch schwer angesagt, vor allem bei den Mädchen: "Einhörner. Ob Bilder oder Plüschfiguren, Einhörner gehen immer." Einmal im Monat ist Spielzeugtag. "Da können die Kinder ihr Lieblingsspielzeug von zu Hause mitbringen. Oft sind das etwa Feuerwehrautos, Legosteine oder Kuscheltiere."

In andere Rollen schlüpfen

Was auch von daheim mitgebracht werden darf sind Verkleidungen. "Manche Kinder kommen einfach mal als Polizist oder Prinzessin." Rollenspiele seien bei den Kindern sowieso sehr beliebt und werden auch gefördert. "Ich hatte hier einmal eine Theatergruppe. Es ist eine sehr wertvolle Erfahrung für Kinder, in eine andere Rolle zu schlüpfen, am besten verknüpft mit Bewegung. So lernen sie, sie sich selbst zu spüren und auch das Gegenüber kennen zu lernen und zu spüren."

An der Motorik und Bewegungsfähigkeiten der Kinder zeige sich durchaus eine Veränderung zu früher. "Eltern schicken ihre Kinder heute nicht mehr einfach so nach draußen, wie das der Fall war, als ich selbst Kind war." Das mache sich durchaus bemerkbar. "Die Kinder sind draußen oft unsicher. Man merkt, dass das nicht ihr gewohntes Terrain ist. Balancieren oder Hampelmann, was uns selbstverständlich war, da müssen sich die Kinder heute oft erst rantasten." Spaß macht es ihnen trotzdem. "Wir gehen bei jedem Wetter mit den Kindern raus. Mit Matschhose und Gummistiefeln macht ihnen auch Regen nichts aus und sie haben jede Menge Spaß."