Spix und Martius sorgten am Hafen von Belém für ein kleines Spektakel, als sie ihre Sammlungen für die Schiffsreise verpackten. Sogar die Einheimischen staunten über den Reichtum an Naturschätzen, den ihr eigenes Land zu bieten hatte. Mit einem Konvoi aus vier Handelsschiffen verließen die Wissenschaftler am 13. Juni 1820, nach drei Jahren, das brasilianische Festland in Richtung Lissabon.


Schwierige Fracht

Von günstigen Wetterbedingungen gesegnet, hätte die Schiffsreise ruhig und ohne größere Schwierigkeiten verlaufen können, wäre nicht der tyrannische Kapitän gewesen, der nicht zuließ, dass Spix und Martius die lebenden Pflanzen und Tiere ihrer Sammlung versorgten. Doch nicht nur die lebendigen Sammlungsstücke litten während der Überfahrt, auch die beiden Forscher fühlten sich krank und unwohl.
Als das Schiff am 23. August Lissabon erreichte, herrschte dort Revolution, so dass keine Zeit für Erholung blieb. Stattdessen mussten es die beiden Rückkehrer schaffen, in all dem Chaos ihre Fracht aus dem Zoll zu bekommen und sie nach Österreich zu verschiffen, was ihnen nach vielen Schwierigkeiten schließlich gelang. Sie selbst reisten auf dem Landweg über Madrid, Barcelona, Lyon und Straßburg nach München. Die Anstrengungen einer solchen Reise zur damaligen Zeit vermag man sich heute kaum noch vorzustellen, einen Eindruck bekommt man jedoch, wenn man sich vor Augen führt, dass die beiden Wissenschaftler ihr Ziel erst am 10. Dezember erreichten.


Zurück in München

Spix und Martius erholten sich nur langsam von der langen Rückreise. Erschwerend kam hinzu, dass sie in der kalten Jahreszeit in München ankamen und den ganzen Winter über kränkelten. In dieser Zeit wohnten sie zusammen mit den beiden Indianerkindern Miranha und Juri, einer Haushälterin, einem Bedienten und zwei Mägden kostenlos in der Maxburg. Spix, der Erzählungen zufolge wenig gesellig war, zog bald darauf in eine eigene Wohnung zwischen Josephs- und Sendlingertor, die er mit Erinnerungsstücken aus Brasilien - Pflanzen, ausgestopften Tieren und Abbildungen - schmückte.
Schon unterwegs hatte Spix die Nachricht ereilt, dass der König ihn für seinen Einsatz für das Vaterland zum Ritter ernennen wolle. Er wurde außerdem zum Hofrat ernannt, und sowohl er als auch Martius wurden in verschiedenste wissenschaftliche Akademien und Gesellschaften aufgenommen.
Auch seine Heimatstadt Höchstadt besuchte Spix nach seiner Rückreise und wurde dort mit einem Musikchor empfangen. Trotz allem wurde den beiden nach ihrer Rückkehr jedoch nicht nur Ruhm und Ehre entgegengebracht, sondern auch Neid und Missgunst. Ihre gesammelten Schätze, die nach dem Winter aus Triest in München eintrafen, sorgten für großes Staunen, und der König war so begeistert, dass er den beiden Forschern eine jährliche Leibrente von 1000 Gulden gewährte. Nicht nur das brachte ihnen die Missgunst der Kollegen in der Akademie ein, sondern auch die Tatsache, dass die Sammlungsstücke sehr viel Platz benötigten, weshalb einige Akademiemitglieder ihre Zimmer räumen mussten. Zudem glaubten viele Münchner, dass die brasilianische Hitze den Gehirnen der Wissenschaftler nicht gutgetan hätte, wenn diese von ihren Erlebnissen in der fremden Welt erzählten. So glaubte man ihnen zum Beispiel nicht, dass sie dort Bäume gesehen hätten, die so groß und breit waren wie die Frauentürme.


Eifrig bis zuletzt

Obwohl Spix und Martius auf Geheiß des Königs die gesamte Brasilienreise aufschreiben und dabei die vollste Unterstützung der Akademie bekommen sollten, wurden die Mittel für die Veröffentlichung der "Reise in Brasilien" von Seiten der Akademie immer wieder beschnitten. Das aus drei Bänden bestehende Werk, in dem die Erlebnisse der beiden Wissenschaftler nachzulesen sind und das sowohl von Goethe als auch von Alexander von Humboldt gelobt wurde, wurde von Spix und Martius gemeinsam verfasst. Am Ende musste das Projekt jedoch von Martius allein weitergeführt werden, da Spix zuvor starb.
Schon seit der Rückkehr kränkelte dieser durchgehend und musste in den Jahren 1823 bis 1825 immer wieder um längere Urlaube bitten, die er für Erholungsreisen nutzte. Danach kaufte er sich ein kleines Schlösschen bei Lindau am Bodensee, da ihm das Klima dort guttat. Spix arbeitete trotz starker gesundheitlicher Probleme weiterhin tatkräftig an der Aufbereitung seiner Sammlung und nahm zwei Wochen vor seinem Tod noch an einer Versteigerung teil, bei der er zahlreiche Vögel für die Münchner Sammlung erstand. Am 13. Mai 1826 erlag Johann Baptist Ritter von Spix mit 45 Jahren seinem Leiden. Er wurde auf dem alten Münchner Südfriedhof begraben.

Info: Johann Baptist Ritter von Spix, am 9. Februar 1781 in Höchstadt an der Aisch geboren, war angesehener Zoologe in München. Er ist vor allem bekannt für seinen Beitrag zum Aufbau der zoologischen Sammlung in München. Für die Erforschung der Flora und Fauna Brasiliens wird von Spix ebenfalls unvergessen bleiben. In Höchstadt erinnern eine Statue, ein Museum und ein Verein an von Spix, der am 13. Mai 1826 an einer Tropenkrankheit starb.