Kennen Sie das Gefühl von einem Walker überholt zu werden? Nein, nicht als Spaziergänger - sondern, wenn sie eigener Meinung nach sprintend durch den Wald unterwegs sind? Ich kann Ihnen eines sagen: Es ist kein schönes Gefühl. Und noch weniger ist es ein gutes Gefühl im Vorbeimarsch dieser bestockten Schnellwanderer zu hören: "Na, hat der junge Mann wohl die falschen Schuhe an." Ja, hat er - die Schuhe sind zu langsam für mich - ich brauche unbedingt Schnellere (Alter Marathonwitz, der mir noch nicht zusteht - ich weiß!).

Die Füße wachsen noch


In Erlangen scheint mir der Intersport Eisert eine gute Adresse zu sein. Dort wird mir als Berater der Fachmann für Running-Angelegenheiten, Daniel Leisgang, zugeteilt. Selber sei er schon Halbmarathon gelaufen, das ist eine Qualifikation, die ich gelten lassen kann. Er erklärt mir, dass meine Volleyballschuhe zwar wunderschön seien, aber eben nur zum Volleyball spielen. "Die sind speziell für diese Sportart ausgerichtet. Schnelle Drehungen und Seitwärtsschritte werden unterstützt." Der "Running-Schuh", also das, was ich brauche, zeichnet sich durch seine Dämpfung und die Stabilität für den Fuß auf. Er soll die Abrollbewegung unterstützen.

Bei dem Wort "Dämpfung" bleibt für meinen Geschmack der Blick des Experten für einen Bruchteil einer Sekunde zu lang auf meinem bauchvorderen Muskelaufbau hängen. Wer die erste Folge gelesen hat, weiß, dass ich da etwas empfindlich bin. Direkt angesprochen darauf erklärt er mir, dass das Gewicht natürlich eine Rolle spielt. "Ganz leichte Schuhe sind für Sie gar nicht so gut", versucht er mir zu erklären.

Nicht an den Schuhen sparen


Zwischen 130 und 200 Euro sollte man in die Schuhe investieren. "Sie merken einen enormen Unterschied zu billigen Discounter-Schuhen. Und wenn Sie 42 Kilometer laufen wollen, sollten sie daran nicht sparen." Denn der falsche Schuh führt ganz schnell zu orthopädischen Schäden - und damit ist keine Fehlstellung des Bierbauches gemeint.

Und noch etwas bringt er mir bei: Der Laufschuh sollte eine Nummer größer sein als gewohnt. Denn zum einen braucht der Fuß vorne ein wenig Platz und zum anderen wird der größer während der langen Läufe. Das wiederum erschrickt mich deutlich, da ich mit der Größe 47 bereits am oberen Limit arbeite. Egal: Der Schuh ist gefunden. Grün und mit dem Namen Ghost.

450 Euro später


Meine Einstellung, dass ich einfach aufhöre zu laufen, wenn ich nicht mehr kann, unterstützt der Fachmann nicht ganz. Eine Uhr, die die Herzfrequenz misst, sollte her. "Sie können damit effektiver trainieren und Fortschritte erzielen." Es geht nicht um das einfache Schnelllaufen, sondern um das kontrollierte Laufen. Er warnt mich: "Sie verlieren sonst auch schnell den Spaß!" Welcher Spaß? Der hat sich bis jetzt noch nicht eingestellt. Oder meint er die Walker, die mich da überholt haben? Die hatten ihren Spaß!

Egal, die Uhr macht Sinn. Dann noch ein Funktionsshirt und eine Funktionshose, dazu Kompressionsstrümpfe - kein Muss, aber es sei zur Regeneration äußerst hilfreich. "Das einfache Baumwollshirt ist nichts, da reiben Sie sich bei langen Läufen ganz schnell auf." Achsel, Brustwarzen und Oberschenkel sind da gefährdet - und wieder gab es den Hinweis auf den Spaß beim Laufen.

Das Ziel Marathon in Frankfurt rückt irgendwie in immer weitere Ferne. Nach einer Woche gut 30 Kilometer absolviert, 450 Euro ausgegeben und irgendwie noch keinen Schritt weiter. Die letzte Hoffnung wird vom Eisert-Mitarbeiter Leisgang auch noch zerstört. Denn ich äußerte beim Zahlen die Hoffnung: "Na, jetzt bin ich aber so schnell wie der Bolt." Er antwortete nur sehr nüchtern: "Mit all den Sachen werden sie keine Sekunde schneller - trainieren müssen Sie schon selbst." Verdammt!