Es wird nicht die letzte Infoveranstaltung der Stadt Herzogenaurach zur Südumfahrung von Niederndorf und Neuses gewesen sein, kündigte Bürgermeister German Hacker im vollbesetzten Sitzungssaal des Rathauses an. Hacker begründete, warum die Südumfahrung gebraucht werde und dass das Verfahren mit größtmöglicher Transparenz durchgeführt werde.

Das Raumordnungsverfahren dient dazu, im Vorfeld Konflikte zu identifizieren und Lösungen vorzuschlagen. Neben den Verkehrsuntersuchungen und der Trassenplanung wurde auch eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt. Technische Detailfragen sowie Enteignungs- und Entschädigungsfragen seien nicht Gegenstand des Raumordnungsverfahrens.


Hier solle grundsätzlich geklärt werden, ob das Projekt den Erfordernissen der Raumordnung entspricht und wie es mit anderen Vorhaben abgestimmt werden kann.


Informationen sind zugänglich

Es gab bereits Infoveranstaltungen, die Gutachten und der Stand des Verfahrens seien auf der städtischen Homepage einsehbar. Daher könne er, so Hacker, den Vorwurf nicht nachvollziehen: "Ich habe keine Ahnung was da geplant werden soll."

Hacker erinnerte an den Grundsatzbeschluss vom Juli 2012 und wies auf die zähen Prozesse hin. Nach dem Vortrag des Bürgermeisters und der Präsentation blieben die gestellten Fragen allerdings überschaubar.



Nie wirklich gelöst

Das Verkehrsproblem Niederndorf sei nie vernünftig gelöst worden und auch die Nordumgehung habe keine wirkungsvolle Entlastung für den Ortsteil gebracht. Die vor Jahren erstellten Prognosen zur Verkehrsbelastung seien schon lange von der Wirklichkeit eingeholt worden und die Zahlen würden weiter steigen.

"Die teuren Gutachten hättet ihr euch sparen können, das hätte ich euch auch sagen können", meinte der Niederndorfer Kunstschmiede- und Metallbaumeister Bernhard Belzer, an dessen Anwesen der immer mehr zunehmende Verkehr rund um die Uhr vorbeirollt.

Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens wurden mehrere Varianten untersucht. Bei der Frage nach der Talvariante - also entlang der Bahnlinie - antwortete der Bürgermeister, dass diese selbstverständlich untersucht worden sei, aber gegen diese Straße sprächen sehr viele Gründe: Die Straße müsse nicht nur hochwasserfrei gebaut werden, sondern der Aurachgrund würde auch weitgehend zerstört werden. Außerdem habe es nie eine reine Talvariante ohne Ostspange gegeben, denn neben dem Ost-West-Verhältnis müsse auch das Nord-Süd-Problem gelöst werden.

Damit in der Planung kein formaler Widerspruch entstehen könne, werde die ursprüngliche Ostspange bei den derzeitigen Änderungen aus dem Flächennutzungsplan genommen.

Manche Teilnehmer der Infoveranstaltung mochten das nicht so recht glauben und hätten sich mit einer reinen Ostspange anfreunden können. Die reine Talvariante entlaste nur das Ost-West-Problem und werde von der Stadt Erlangen abgelehnt.


Bestandteil der Gutachten

Die Vorhaltungen, dass die StUB und der öffentliche Nahverkehr sowie Radweg nicht berücksichtigt würden, konnte der Bürgermeister entkräften: Sie flossen und fließen in die Gutachten ein. Auch der Hinweis zum Abbau von Arbeitsplätzen bei der Firma Schaeffler oder Arbeitsplatzverlagerungen ließen nicht weniger Verkehr erwarten, denn die Plätze würden wieder aufgefüllt und bei den Firmen in Herzogenaurach zeige der Daumen nach oben. Daran würde auch eine Reaktivierung der Bahntrasse wenig ändern, denn am Ende zähle die Langzeitprognose der Verkehrsentwicklung.

In der Diskussion verhehlte Bürgermeister Hacker aber auch nicht, dass der Eingriff in die Natur und Umwelt schmerzlich sei, deswegen habe es auch eine umfangreiche naturschutzfachliche Untersuchung gegeben und wegen eines Widerspruchs des Bund Naturschutz gebe es eine Änderung bei Bauwerken geben.
Den Planern sei auch bewusst, dass landwirtschaftliche Flächen durchschnitten werden. Daher unterstütze die Stadt die Grundstückseigentümer beim Flächentausch und kaufe auch Flächen, damit auch wieder bearbeitbare landwirtschaftliche Flächen geschaffen werden könnten. Soweit wie möglich sollen die erforderlichen Ausgleichsflächen in benachbarten Landkreisen geschaffen werden, damit den Bauern nicht noch mehr Flächen entzogen werden.


Unattraktive Ortsdurchfahrt

Ziel soll sein, dass Niederndorf von rund 10 000 Fahrzeugen entlastet wird. "Das muss gelingen", erklärte Hacker. Deshalb werden nach Fertigstellung der Südumfahrung die Ortsdurchfahrten in Niederndorf - und wenn Erlangen mitmacht auch in Neuses - so unattraktiv gestaltet und für Lkw gesperrt, dass den Autofahrern die Lust vergehe, diese Abkürzung zu nehmen.

Zu Beginn des Jahres erwartet die Stadt die Ergebniss einer Verkehrsuntersuchung, dann werde es wieder eine Informationsveranstaltung geben. Danach erfolgt die Planfeststellung. Bürgermeister Hacker forderte einige Fragesteller auf, ihre Fragen dann zu stellen, auch Einwände könnten vorgebracht werden. Denn erst nach Abarbeitung der Einwände kann der Planfeststellungsbeschluss erfolgen und erst damit erfolgt das Baurecht.