Diesen Satz bekommen die Kunden der Reinigungsfirma Möhrenschlager in diesen Tagen öfters zu hören: "Tut uns leid, wir ziehen um und können nichts mehr annehmen." Manchmal rutscht der Seniorchefin Adelheid auch heraus: "Wir schließen." Das allerdings konnte abgewendet werden, nach monatelanger Suche wurde ein neues Domizil gefunden. So kann es in kleinerem Rahmen weitergehen mit dem Familienbetrieb, der seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten in Herzogenaurach besteht.

Aus dem Haus in der Würzburger Straße 36 muss die Reinigung aber ausziehen. Das Areal ist verkauft worden, das Gebäude wird abgerissen, es entsteht dort ein neues Geschäftshaus. Die Möhrenschlager spielen in den Überlegungen aber keine Rolle mehr. Nach langer Suche wurde die Familie in der gleichen Straße fündig. Der Betrieb zieht in den ehemaligen Getränkemarkt Telorack ein, der zuletzt einen Radsportladen beherbergt hatte.
Der neue kleinere Standort liegt an der gleichen Straße, nur 137 Meter entfernt, wie Christian Möhrenschlager ausgerechnet hat. Da es ein Eckhaus ist, lautet die Adresse nicht Würzburger Straße, sondern Schürrstraße. Doch es ist fast in Sichtweite gelegen, was die Erklärung an die Kunden erleichtert.

"Eigentlich hätten wir schon zum 20. ausziehen müssen", sagt Marion Möhrenschlager, die Mutter von Christian und Tochter von Adelheid, gegenüber unserer Redaktion. In drei Generationen führt die Familie den Betrieb, der in ihrem Besitz ist, seit sich die Seniorchefin vor 36 Jahren selbstständig gemacht hat. Das war damals in der Hauptstraße. Seit 21 Jahren ist die Reinigungsfirma in der Würzburger Straße beherbergt, zuvor war man zehn Jahre in der Flughafenstraße, neben dem Grauen Kater, wo jetzt ein Friseur ist.

Einzige Reinigung in Herzogenaurach

Der Betrieb ist in Herzogenaurach bekannt und geschätzt. Und als die Nachricht laut wurde, dass man ausziehen muss, ging das wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Zumal es sich hier um den einzigen Reinigungsbetrieb handelt.

"Wo ist denn die nächste Reinigung?", fragen die Kunden. Wie beispielsweise Petra Pokorny. "Wir müssen sie dann nach Erlangen schicken oder um Geduld bitten", sagt Adelheid Möhrenschlager. Denn bis der Betrieb an neuer Stätte wieder reinigen kann, wird es wohl März werden. Zum Monatsende wird man aus dem jetzigen Haus ausziehen, entgegen genommen wird seit Tagen nichts mehr. Petra Pokorny nimmt die Botschaft geduldig an. "Ich kann warten", sagt sie und will in ein paar Wochen an die neue Adresse kommen. So wie die 22-Jährige reagieren viele Kunden, sagt Adelheid Möhrenschlager. "Wir finden viel Verständnis", sagt sie. Und auch Unterstützung haben sie bekommen, auf der Suche nach einer neuen Adresse.

Altbürgermeister Hans Lang (CSU) beispielsweise hat sich da stark gemacht. "Man stelle sich vor, Herzogenaurach hätte keine Reinigung mehr. Das wäre für die Stadt ein großer Nachteil", stellt er im Gespräch mit unserer Redaktion fest. Und deshalb hat er sich umgehorcht und Gedankenspiele angestellt. Den ehemaligen Betrieb Haberzettl in der Erlanger Straße hat Lang ebenso geprüft wie andere leer stehende Gebäude. Doch finden ließ sich nichts. Dennoch sagt der Altbürgermeister: "Ich hab' das gern gemacht, ich kenn' die Familie lang genug. Jetzt bin ich froh, dass es geklappt hat."

Der Bürgermeister konnte nicht helfen

Auch im Rathaus konnte man der Familie nicht helfen. "Aktuell konnten wir keine Fläche und keine Räume anbieten", sagte Bürgermeister German Hacker (SPD). Allerdings habe man vor Jahren schon mal ein Grundstück genannt, das die Möhrenschlagers dann aber nicht wollten. Letztlich half die Stadt dennoch, und zwar mit dem Hinweis auf private Immobilien. Unter anderem befand sich darunter das jetzt gewählte Domizil.

Mit dem Umzug in den früheren Getränkemarkt sind die Probleme nicht beseitigt. Das Areal wird kleiner, statt der bisherigen 200 Quadratmeter hat man künftig nur noch 144 zur Verfügung. Da passen die bisherigen großen Maschinen nicht mehr hinein, und auch ein neuer Dampfkessel muss aufgestellt werden. Allein der kostet etwa 30.000 Euro, sagt Marion Möhrenschlager. Insgesamt werde man wohl 100.000 Euro investieren müssen. Dabei rechnet man mit bis zu acht Wochen, bis die neuen Maschinen zusammen gebaut sind.

Eine weitere Sorge sind die Altbestände an Kleidern. Vieles ist noch nicht abgeholt und muss zwischengelagert werden. Etwa 500 Einzelsstücke hängen noch auf den Bügeln und warten darauf abgeholt zu werden. Vom Anzug bis zum Brautkleid, von der Tischdecke bis zum Teppich reicht das gesamte Restsortiment, das zwischengelagert werden muss, wenn es mit der Abholung nicht rechtzeitig klappt. Diese sollte am besten noch in der kommenden Woche geschehen sein. Ab Februar will man in den neuen Räumen wenigstens den Verkauf schon mal öffnen, während parallel alle Anschlüsse gelegt werden müssen, für Starkstrom, Wasser und Gas.

Auch die Förder- und Werbegemeinschaft macht sich stark für ihren Mitgliedsbetrieb. "Möhrenschlager hat Gott sei Dank neue Räume gefunden. Bis zum Umzug benötigen sie für den Zeitraum von maximal zwei Monaten trockene Unterstellmöglichkeiten für einige Maschinen und Einrichtungsgegenstände. Wer kann helfen? ", fragt man in einem aktuellen Rundbrief.

Die Auszubildende muss gehen

Bis der Betrieb an der neuen Stelle beginnen kann, wird die Seniorchefin das Personal entlassen müssen. Enkel Christian, ein ausgebildeter Textilreiniger, und Tochter Marion werden nach der Auszeit wieder beginnen, doch Azubi Ute Brunnlieb kann wohl nicht übernommen werden. Immerhin hat sie ihre Ausbildung beenden können und schrieb gestern ihre letzte Prüfung.

Bei Laune muss man während der nächsten Wochen außerdem die Großkunden halten, zu denen Schaeffler ebenso gehört wie Hotels und Pensionen. Hier sucht man die Hilfe eines anderen Betriebs, vermutlich aus Nürnberg, der die Reinigung mit übernimmt. "Verdient ist da nichts", sagt Marion Möhrenschlager. Aber wenigstens können die Kunden bedient werden.

"Tut uns leid, wir ziehen um und können nichts mehr annehmen." Noch oft wird dieser Satz in den nächsten Tagen ausgesprochen werden. Auch Anita Rigopoulos hat ihn zu hören bekommen und reagiert mit einem Lächeln. "Ich bring Dir das einfach daheim vorbei", sagt sie zu ihrer Bekannten Marion Möhrenschlager. Der Herzogenauracherin würde es nicht im Traum einfallen, dem Betrieb jetzt ihre Treue aufzukündigen, nur weil zurzeit etwas Geduld gefragt ist.