Gesundheit ist mehr als die reine Abwesenheit von Krankheit. "Durch Eigeninitiative können wir alle unsere Gesundheit erhalten", sagt Landrat Eberhard Irlinger (SPD) in seinem Grußwort während der jährlichen Gesundheitskonferenz in Erlangen. Wobei junge Eltern andere Ansprüche als Senioren haben.

"Hier spielt das soziale Umfeld eine größere Rolle, als man denkt", so der Landrat. Gerade bei der Aufklärung der Jüngsten würde sich Irlinger über ein verstärktes Engagement der Schulen freuen. Peter Lederer, Leiter des Gesundheitsamtes in Erlangen, freut sich über die finanzielle Unterstützung des Landkreises in Gesundheitsfragen: "Wir haben 90.000 Euro zu Verfügung, die wir in den Jahren 2013 und 2014 investieren können. Das ist eine ganze Menge."

Luitgard Kern von den Arbeitskreisen Kinder, Jugendliche, Schule, junge Familie, Suchtprävention und Prävention in der Schule erklärt, dass die erste wichtige Aufgabe die Festlegung der Zielgruppen ist.
"Wir haben das Feld der Familien in verschiedene Gruppen unterteilt", erklärt Gabi Pfeifer. So gibt es verschiedene Angebote für Null- bis Dreijährige, Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, Schwangere und Senioren. Das offene Klima in Erlangen erleichtere die Aufklärung über eine gesunde Lebensweise von Kindern erheblich. "Wir haben in den Kindergärten schon einige erfolgreiche Projekte durchgeführt und sind weiterhin auf der Erfolgspur", sagt Pfeifer.

Die "grüne Brotdose, sprich eine Brotdose gefüllt mit gesunden Mahlzeiten für die Kleinen, hat sich als besonders erfolgreich erwiesen. "Wichtig ist der Event-Charakter", so Pfeifer. Die Modellversuche seien ein guter Weg, um herauszufinden, welche Maßnahmen erfolgsversprechend sind und sich in die Gesundheitsämter integrieren lassen, ergänzt Peter Lederer.

Barbara Hugger vom Frauenhaus Erlangen hat sich mit ihrem Arbeitskreis auf die Gesundheit von Frauen spezialisiert. "Wir setzen uns momentan vor allem für eine Überholung des Frauenbildes ein." Shows wie "Germanys next Topmodel" mit ihren teilweise menschenverachtenden Sichten auf den weiblichen Körper beeinflussen gerade Teenager so sehr, dass sie kein normales Verhältnis zu ihrem Körper mehr hätten. Auch die Verhaltensmuster, oft werden Kandidatinnen lächerlich gemacht, übernehmen die Mädchen mittlerweile in ihrem Alltag. Essstörungen seien mit die bekanntesten Folgen.

"Ein Highlight findet zu Beginn des nächsten Jahres statt", sagt Hugger. "Durch Hartnäckigkeit ist es uns gelungen, die berühmte Psychologin Susie Orbach, die schon Lady Di erfolgreich behandelt hat, nach Erlangen zu holen." Orbach hält am 1. Februar 2013 einen Vortrag in den Hörsälen Medizin, Ulmenweg 18, in Erlangen. Unter dem Thema "Schlachtfelder der Schönheit" warnt sie vor den Folgen des Schönheitswahnes.

Die Suchtprävention ist ein Dauerthema in Gesundheitsfragen. "Aktionismus bringt uns nicht weiter", erklärt Luitgard Kern. Der Simulator, der Trunkenheit vorspielt und mit Facebook verknüpft gewesen ist, hat sich als Eigentor erwiesen. "Die Jugendlichen fanden das Ganze eher cool als abschreckend."
Bedenklich sei die Tendenz zu einer höheren Alkoholtoleranz. Die Schüler vertragen immer mehr, eine Gewöhnung hat also schon stattgefunden. "Wir wollen die Jugendlichen mit einbinden. Sie sollen verstärkt aufeinander achten und sich gegenseitig helfen", sagt Kern.

Der Arbeitskreis Männer und Gesundheit um Wolfgang Heidner-Ziebell erhielt 2011 den Sonderpreis des Bayerischen Gesundheits- und Präventionspreises. Seit 2005 kümmert sich der Arbeitskreis um alle Belange von Männern. "Unser Problem ist aber, dass sich in erster Linie ältere Männer engagieren", sagt Heidner- Ziebell. "Das zentrale Organ des Mannes, das mit Männergesundheit in Verbindung gebracht wird, ist zwar die Prostata, aber damit hört es ja noch lange nicht auf." Andere Themen im Jahr 2013 sind Stress, Burnout, eine Erkrankung mit vielen Facetten, und Depressionen. von Kai Link