Kurz vor halb zehn Uhr morgens geht die Tür der Kirche St. Georg in Höchstadt immer wieder auf und zu, einige Gläubige warten schon mit Abstand zueinander davor. Dieses Osterfest wird anders - das steht seit einigen Wochen fest.

Auch die Kirche und Pfarrer Kilian Kemmer disponierten nun um. Eigentlich halten sie an Karfreitag einen Gottesdienst in der Kirche selbst ab, an vier Stationen wird gebetet. "Die Leute können nicht kommen, deshalb müssen wir uns auf sie zu bewegen", erklärt Kemmer.

Weg wie an Fronleichnam

Quer durch die Innenstadt ging er am Freitag gemeinsam mit Pastoralreferentin Monika Urbasik und Diakon Georg Paszek den Weg, den sie normalerweise bei der Fronleichnamsprozession nehmen. Von der Kirche St. Georg aus über die Hauptstraße zur Bamberger Straße. Weiter ging es in der Lindenstraße zum Polizeikreisel in die Große Bauerngasse durch das Stadttor auf den Marktplatz. An vier Stationen wurde innegehalten und gebetet. Anschließend gingen die drei Geistlichen noch in den Innenhof des Altenheims St. Anna und des Krankenhauses.

Die Stimmung dabei war intensiv, einige Gläubige waren ihnen gefolgt, doch durch die Straßen Höchstadts flutete mit dem Wallfahrtskreuz, das Pfarrer Kemmer trug, eine fast unheimliche Stille. Ab und an kam ein Auto vorbei, ab und an begrüßte Kemmer Zuschauer am Gartenzaun mit einem "Guten Morgen!"

"Mama, Mama", schrie ein kleines Kind in einem Haus. "Pscht", hallte es nur von der Mutter am Gartenzaun zurück. Höchstadt wurde zur Ruhe-Stadt. "Es war sehr bewegend", fasst es Kemmer anschließend zusammen. Manche Menschen schauten während des Zuges hinter ihren Gardinen hervor, hielten inne.

Die Situation sei aktuell nicht einfach, meint Kemmer. Am Telefon betreibt er Seelsorge, hört sich die Ängste an. Dabei geht es mal um Familienstreitigkeiten, mal um Einsamkeit. "Das direkte Gespräch ist oft intensiver", sagt Monika Urbasik. Doch ein Telefonat sei besser als nichts.

Ein bisschen Nähe

Aber auch für Pfarrer Kemmer ist es eine ungewohnte Situation. Jeden Tag um halb acht Uhr abends wird ein Gottesdienst via Livestream im Internet übertragen. Und wo früher die Kirchengemeinde noch ihre Antwort auf "Der Herr sei mit Euch ..." gab, muss Kemmer sich diese nun selbst geben: "... und mit deinem Geiste." "Das ist im Prinzip wie ein Künstler ohne Publikum", beschreibt er die Situation. Zumindest ein wenig Nähe haben die Gläubigen an den Fenstern und Gartenzäunen am Freitag beim "Kreuzweg" erfahren. Der Glaube hält sie zusammen - auch in Krisenzeiten.