Dichter Rauch quoll aus den Fenstern des Wohnheimes in der Pirckheimer Straße, Menschen riefen um Hilfe und die Anwohner aus dem Viertel an der Flughafenstraße wurden aus ihrer Feierabendruhe aufgeschreckt. Von außen weist das Gebäude der Lebenshilfe an der Pirckheimer Straße kaum Auffälligkeiten auf. Es könnte sich auch um ein ganz normales Mehrfamilienhaus handeln. "Doch hier leben fast 50 Menschen, die zum Teil durch Mehrfachbehinderungen gehandicapt sind", berichtete Hausmeister Sven Kupfer.
Es sah alles sehr echt aus, war aber eine notwendige und realistische Übung der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenaurach. Die Wohnstätte bietet erwachsenen Menschen mit einer geistigen, mehrfachen oder seelischen Behinderung ein betreutes Zuhause.

Rauch verteilt sich im Flur


"Bei Schulen, Kindergärten und gerade in solchen Wohnheimen kommt noch einiges hinzu. Wir wissen nicht, wie die Bewohner in solchen Stresssituationen reagieren", erklärte Jochen Hofmockel. Der Zugführer vom ersten Löschzug der Feuerwehr hatte die Übung ausgearbeitet und vorbereitet. Angenommen wurde ein Küchenbrand und durch die geöffneten Türen verteilte sich der Rauch im Flur und weiteren Räumen. Ausgelöst wurde der Alarm durch die Brandmeldeanlage und die Betreuer begannen sofort mit der Evakuierung des Gebäudes und geleiteten die Bewohner zum Sammelplatz.
Bis zu Eintreffen des Löschzuges waren bis auf drei alle Bewohner in Sicherheit. Diese drei hatten den Feueralarm nicht gleich wahrgenommen. Unverzüglich wurde von mehreren Atemschutztrupps mit der Personensuche begonnen und gleichzeitig die Brandbekämpfung aufgenommen. Die Verletzten, die um Hilfe riefen, waren Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die mit Leiter und Fluchthauben ins Freie gebracht wurden. Im und am Gebäude hatte der Zugführer Gruppenführer und Beobachter postiert, die das Vorgehen der Feuerwehrleute beobachteten und eventuelle Fehler notierten. Dass es noch drei vermisste Personen gab, war den eingesetzten Feuerwehrleuten anfangs nicht bekannt, also mussten sämtliche Räume durchsucht werden.
Den Rettungskräften sind die Einrichtungen bestens bekannt, aber das Zusammenspiel zwischen Bewohnern, Betreuern und den eingesetzten Feuerwehrleuten muss gerade im Ernstfall funktionieren. Deswegen werden innerhalb des Hauses die Bewohner vom Brandschutzbeauftragten geschult. Dabei werden Informationen über allgemeine Brandverhütung, Verhalten im Brandfall, die Bedeutung der Alarmzeichen und der Verlauf der Fluchtwege weitergegeben.
Für die Bewohner war die Übung sicher eine aufregende Abwechslung, aber für alle Beteiligten eminent wichtig. Die Feuerwehrführungskräfte kennen die Einrichtungen, deren Pläne und wissen, wo sich die jeweiligen Brandschutzzentralen finden. "Bei Einsätzen sind aber auch immer wieder Feuerwehrleute dabei, die kennen die Gebäude nicht so genau, deswegen muss das geübt werden. Ein Fehler kann Menschenleben kosten, und das müssen wir verhindern", erklärte Hofmockel.
Bei der Abschlussbesprechung wurde die gute Zusammenarbeit gelobt. Im Ernstfall könne eine schnelle und effiziente Rettung der behinderten Heimbewohner gewährleistet werden.