Die 18-jährige Abiturientin Miriam Konrad aus Adelsdorf verbrachte 14 Tage in Adelsdorfs italienischer Partnergemeinde Uggiate Trevano und absolvierte in dieser Zeit ein Praktikum bei einem Anwalt am Comer See.
"Ich werde im Herbst mit dem Jurastudium an der Universität Passau beginnen und zuvor wollte ich gerne mal in einer Anwaltskanzlei schnuppern", erklärt Miriam. Wieso muss es dann gleich in Italien sein, wird sich so mancher denken. Miriam lernte am Gymnasium in Höchstadt auch Italienisch und seit über fünf Jahren ist sie Mitglied im Partnerschaftskomitee. Genau so lange ist sie mit Merilida Quadranti aus Uggiate Trevano befreundet. Ungefähr zwei Mal im Jahr sehen sich die beiden - entweder in Uggiate oder in Adelsdorf.
"Als die Italiener zum Jubiläum des MGV (Musik- und Gesangverein) Ende April hier waren, saß ich weit nach Mitternacht noch mit den Freunden im Festzelt zusammen. Da fragte ich Marco Maestri, einen der jungen italienischen Komiteemitglieder, ob er vielleicht etwas wüsste, wo ich ein Jura-Praktikum machen könnte - und dachte, dass da sicher nichts draus wird", erinnert sie sich.
Marco blieb jedoch nicht untätig und kurz darauf erhielt sie Post aus Uggiate. Marco hatte mithilfe von Francesca Realini, die sowohl in der Gemeinde Uggiate als auch bei einem Anwalt in Como, genauer in Cernobbio, arbeitet, einen Praktikumsplatz für Miriam gefunden. Die Freude war groß und die junge Adelsdorferin überlegte nicht lange und sagte zu.
Kurz nach dem Abitur machte sie sich aufgeregt und auch neugierig mit dem Zug auf nach Italien. "Ich wohnte in der ganzen Zeit bei Merilida und Francesca nahm mich drei Mal die Woche mit dem Bus mit nach Como."
Der Anwalt - avvocato - heißt Andrea Bernasconi und hat seine Kanzlei in Cernobbio, einem kleinen Ort über dem Comer See.
"Francesca hat mich zum Glück die ganze Zeit begleitet und ich durfte sogar bei zwei Anhörungen vor Gericht dabei sein", berichtet Miriam strahlend. Es waren interessante Fälle dabei, wo es um einen Klienten ging, der von einer insolventen Firma Geld forderte, oder ein Architekturbüro wollte Geld für Pläne, die der Kunde angefordert hatte, aber nicht bezahlte.
"In Italien dauert alles ein bisschen länger", findet sie. "Hier zieht sich ein ganz normaler Fall vier bis sechs Jahre hin und es gibt ziemlich viel Bürokratie. Bei uns in Deutschland geht so was meist schneller." Jeder Richter und Anwalt kann seit kurzem zwar Daten aus ganz Italien digital über Internet abrufen - "aber die meisten Richter dort schreiben alles noch mit der Hand und dann geht nichts digital", bedauert die angehende Juristin. "Mein Chef ist unter anderem auf Sportrecht spezialisiert und er hat mir ein paar ganz interessante Fälle gezeigt. Ich durfte sogar einige Mails in Englisch schreiben", schwärmt die Adelsdorferin. "Miriam war eine super Praktikantin und ich würde sie jederzeit wieder nehmen", sagte Signor Bernasconi dem FT in Uggiate.
Was natürlich ganz wichtig ist: Man muss die italienische Sprache sehr gut beherrschen und sich einiges an Fachwissen aneignen. "Ich habe sehr viel durch meine Mitgliedschaft im Partnerschaftskomitee Adelsdorf-Uggiate Trevano profitiert. So bekam ich ganz leicht den direkten Kontakt zu Merilida und den anderen, vor allem jungen Uggiatesern. Das hat mich sprachlich unheimlich weiter gebracht. Ich kann es nur jedem empfehlen - sei es zur Verbesserung der englischen Sprache, sich den "Castlebarern" in Höchstadt anzuschließen, oder wie ich eben den "Uggiatesern" beizutreten. Ich habe es keinen Tag bereut. Nun kann ich Italien nicht nur als Tourist genießen, sondern mit den Italienern den italienischen Alltag und sogar den Arbeitstag erleben."
Muss man nicht unbedingt aus Adelsdorf oder Höchstadt kommen, um den Freundeskreisen beizutreten. Diese vermitteln dann gerne Stellen als Praktikant oder auch als Au-pair - oder man kann die Englisch- oder in Zukunft auch Italienisch-Stammtische besuchen.