Simone Naujoks holt erst mal tief Luft. "Ich glaub' wir hatten heute schon 300 Anrufe", erklärt sie am Telefon und schränkt im nächsten Atemzug ein: "Über die einzelnen Märkte können wir noch nichts sagen." Naujoks ist Pressesprecherin der Praktiker AG in Hamburg. Am Donnerstag liefen die Telefonleitungen heiß, als bekannt wurde, dass die Baumarkt-Kette Insolvenz beantragt hat. Betroffen davon ist auch der Markt in Herzogenaurach. Das konnte die Mitarbeiterin bestätigen. Knapp 30 Mitarbeiter warten jetzt auf eine Entscheidung, wie es weitergeht. Zunächst ändert sich laut Naujoks nicht viel. "Wir gehen weiterhin zur Arbeit", sagt sie. Und dann werde man verfolgen, was der vorläufige Insolvenzverwalter erreicht.

Im Herzogenauracher Baumarkt selbst will man sich nicht äußern. "Wir dürfen nichts sagen, da müssen Sie die Pressestelle fragen", hieß es auf Nachfrage vor Ort.
Auch hier wurde die Aussage aus Hamburg bestätigt: "Bei uns läuft erst mal alles normal weiter, wir verkaufen und hoffen, dass die Kunden uns unterstützen." Von den Kunden sei man noch nicht auf die Insolvenz angesprochen worden.

Für Bürgermeister German Hacker ist der Niedergang der Baumarktkette "sehr bedauerlich für die Mitarbeiter". Gleichwohl müsse man sich in der Stadt nicht wirklich ernsthaft Sorgen machen. Denn die Stadt sei groß genug, dass sich sicherlich wieder ein anderer Baumarkt ansiedeln würde, sollte der Praktiker wirklich wegfallen.
Schon vor knapp zehn Jahren, als in Herzogenaurach der Obi-Markt seine Pforten schloss, war das ein Argument. Zwei Märkte seien für die Kleinstadt vor den Toren Erlangens zu viel, einen aber verkrafte man problemlos. Das sei damals so betont worden, erinnert sich der Bürgermeister.

Das Unternehmen Praktiker betreibt in Deutschland 315 Baumarkt-Filialen, davon firmieren 132 für Max Bahr. Diese Tochterfirma soll erhalten bleiben. Praktiker wies Ende März knapp 18 000 Vollzeitstellen aus, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben aktuell rund 20 000 Mitarbeiter, davon 12 000 im Inland. Je die Hälfte sei bei den beiden Konzern-Marken beschäftigt, teilte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit.