Sie haben die Kommunalpolitik in Herzogenaurach über viele Jahre gestaltet. Bürgermeister German Hacker (SPD) verabschiedete in der letzten Stadtratssitzung der Wahlperiode die Ratsmitglieder Renate Frötsch, Elke Krause, Doris Wüstner, Gotthard Lohmaier, Fritz Welker, Werner Distler, Konrad Eitel und Bernhard Wilfer. "Heute verabschieden sich drei Frauen und fünf Männer, die zwischen sechs und 42 Jahren dem Gremium angehörten und die Wandlung der Stadt Herzogenaurach begleitet und mitgestaltet haben", erklärte Hacker eingangs.Der Bürgermeister vergaß aber auch nicht, an die in den vergangenen Jahren verstorbenen Stadträte Horst Körner und Bernd Müller zu erinnern, die sich ebenfalls mit viel Herzblut für ihre Stadt eingesetzt und Spuren hinterlassen hätten.

Dass es keinem leicht fiel, dem Stadtrat nicht mehr anzugehören, war aus ihren kurzen Abschiedsworten deutlich herauszuhören. So hieß es zum Beispiel "ihr werdet mir fehlen" oder "mir ist schon ein bisschen wehmütig zumute", und ein herzlicher Dank ging auch an die Mitarbeiter des Rathauses. Gotthard Lohmaier, der sich vom Bürgermeister keine große Abschiedsrede wünschte , sagte zu seinen Stadtratskollegen: "Wenn ich jemandem auf die Füße getreten bin, tut's mir nicht leid, nur wenn's weh getan hat."

Auch das Urgestein Konrad Eitel verabschiedete sich mit eigenen Worten und verteilte roten Presssack an die Stadträte und die Mitarbeiter der Verwaltung. "Ich hob' an roten Presssack dabei, ka Gurken und a kan Senf, davon gibt's bei den Sitzungen genug", erklärte der langjährige Stadtrat und ging von Platz zu Platz.

Renate Frötsch (CSU) gehörte dem Stadtrat 24 Jahre an und sagt über sich selbst: "Ich habe keinen interessanten Lebenslauf." Die Niederndorferin engagiert sich seit vielen Jahren für ihren Ortsteil. Hacker beschrieb Renate Frötsch als eine natürliche und bescheidende Person. Sie sei eine "Partnerin für Bürger" und eine geschätzte Ansprechpartnerin für die kleinen Nöte des täglichen Lebens. "Sie gehört zu den Frauen, die sich nie in den Vordergrund stellen, ohne die jedoch nichts laufen würde", erklärte Hacker.

Elke Krause (SPD) war ebenfalls 24 Jahre im Stadtrat. "Auch Elke stellte sich nie in den Vordergrund, und wenn sie das verbal doch tat, dann wusste man, dass es ernst wird", berichtete der Bürgermeister. Besonderes Anliegen waren und sind ihr die Partnerstädte, insbesondere Sainte-Luce-sur-Loire. Hacker bezeichnet Elke Krause als ruhige und sachliche Politikerin, "die es sehr gut versteht, alles Wichtige kurz, knapp und präzise auf den Punkt zu bringen". Sie sei stets zur Stelle, wenn eine helfende Hand gebraucht wird.

Doris Wüstner (CSU) saß 24 Jahre im Stadtrat und ist immer noch Kreisrätin. "Die gebürtige Rothenburgerin hat in Herzogenaurach ein neues Frauenbild mitgeprägt und sich dafür eingesetzt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich wird, weil sie notwendig ist", lobte Hacker. Ihr Motto sei: "Man muss dorthin gehen, wo Veränderungen gemacht werden können."

Bernhard Wilfer (BfB) gehörte sechs Jahre dem Stadtrat an. "Der Bernhard ist der einzige Stadtrat, der einen lauten Chopper fährt und beim Spring Break einen umjubelnden Auftritt als Musiker hatte", erzählte Hacker. Besonders hervorzuheben sei der Einsatz des Hauptendorfers für die Jugend, deren Anliegen er immer im Blick hatte.

Gotthard Lohmaier (SPD) war 25 Jahre lang Stadtrat. Der frühere Realschullehrer mag keine Verabschiedungen, Lobeshymnen und Ehrungen, aber er musste sich die markanten Punkte seine Stadtratstätigkeit trotzdem anhören. "Er hat darum gebeten, nichts über ihn zu sagen, das tue ich ungern, denn so kann ich nicht mal sagen, dass ...", meinte Hacker schmunzelnd. Lohmaier verteilte dann, entweder weil der Bürgermeister seinem Wunsch weitgehend folgte, vielleicht auch weil er die Kolleginnen und Kollegen schätzt und sie ihm fehlen werden, Süßigkeiten im Sitzungssaal.

Fritz Welker (FW), der 24 Jahre im Stadtrat war, sei "ein eingeborener Herzogenauracher, der zum fachkundigen und zuverlässigen Ratgeber in vielen Fragen geworden ist. Insbesondere mit seinem Insiderwissen setzt er sich aktiv für insbesondere für die Entwicklung der Innenstadt ein", erklärte der Bürgermeister. Der Apotheker sei stets zuvorkommend und für sein unbürokratische Hilfe bekannt gewesen. Bürgermeister Hacker dankte ihm auch insbesondere für die Medikamente und vielen anderen Dinge, die nach Burkina Faso in die Partnerstadt Kaya gingen.

Werner Distler (SPD) saß 40 Jahre lang im Stadtrat. Der im sudetendeutschen Asch geborene Distler kam 1959 nach Herzogenaurach, das er seitdem als seine Heimatstadt bezeichnet. Die Kollegialität im gesamten Stadtrat hielt er für besonders wichtig. "Man soll sich auch nach einer Stadtratssitzung noch in die Augen sehen können", sei laut Hacker Distlers Devise gewesen. Der SPD-Mann habe in den 40 Jahren die Stadtpolitik entscheidend mitgeprägt, mit dem Schwerpunkt auf Haushalt und Finanzen. In seine Ära fiel die Umwandlung der Stadtwerke in eine Gesellschaft. Von Werner Distler könne man lernen: "Keine Zeit verschwenden, Dinge, die man schon 100 Mal gesagt hat, nicht wiederholen."

Konrad Eitel (SPD) gehörte 42 Jahre dem Stadtrat an. Den in Herzogenaurach geborenen und auch fest verwurzelten Konrad Eitel bezeichnete der Bürgermeister als einen Kommunalpolitiker mit "Ecken und Kanten", der sich über 42 Jahre mit Herzblut für seine Heimatstadt und ihre Bürger eingesetzt habe.

Eitel war lange Fraktionsvorsitzender der SPD und gehört immer noch dem Kreistag an. "Konrad Eitel ist nicht nur schlagfertig, sondern auch alles andere als konfliktscheu und hat auch Nehmerqualitäten", sagte Hacker über Eitel. Im Stadtrat seien des Öfteren die Klingen gekreuzt worden, und Eitel habe den verschiedenen Bürgermeistern immer mal wieder Paroli geboten. Bürgermeister Hacker hob besonders das Engagement des SPD-Stadtrates für die Kolpingsfamilie, die Feuerwehr und die katholische Kirchenverwaltung hervor. Sein ehrenamtlicher Einsatz bei den Vereinen zeige seine soziale und christliche Einstellung.