Was kann jeder einzelne Mensch gegen die Plastikflut auf unserer Erde und in den Weltmeeren tun? Diese Frage beschäftigte drei Klassen der Wilhelm-Pfeffer-Schule für Menschen mit geistiger Behinderung. Gemeinsam wurden Antworten gesucht. Ein Ansatz wäre die Mülltrennung: Es gibt doch den gelben Sack, das gesammelte Plastik wird doch wiederverwertet. Oder doch nicht? Eine Lösung, so erfuhren die Schüler aus der Berufsschulstufe, vorwiegend im Alter von 17 bis 19 Jahren, sei das aber nicht. Einzig der Verzicht helfe weiter, erklärte Katharina Liss von der Nürnberger Initiative "Beach Cleaner", die in den Unterricht gekommen war.

Die Mitarbeiterin dieser privaten Vereinigung, die seit zweieinhalb Jahren auf Probleme des Plastikmülls und der Wegwerfgesellschaft aufmerksam macht, war im Rahmen der "Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit" von Sonderschullehrerin Valerie Hahn zum Vortrag eingeladen worden. Am kommenden Montag wird eine weitere Bildungseinrichtung der Stadt, die Volkshochschule nämlich, sich mit dem gleichen Thema auseinandersetzen. Dann spricht die Autorin Nadine Schubert über ihr neues Buch, das ein Leben ohne Plastik zum Inhalt hat (Um 19 Uhr im Vortragsraum der Musikschule, Karten sind an der Abendkasse noch erhältlich).

Warum aber ist die Mülltrennung nicht wirklich eine Lösung? Weil die Müllabfuhr der Abfallberge schon gar nicht mehr Herr werde und der Inhalt aus elf von 20 gesammelten gelben Säcken nicht recycelt, sondern verbrannt werde, sagte Katharina Liss. Da könnte man das Plastik gleich in den Müll werfen. Und sie informierte die Jugendlich anschaulich über das riesige Umweltproblem, das die Plastikmengen anrichten.

Da sei sie nach Sizilien gefahren, zum Urlaub und entspannen, erläuterte sie. Und was fand sie vor? Vermüllte Strände! Dabei seien gerade die Meere für das Überleben der Menschheit wichtig. "Jeder zweite Atemzug, den wir machen, haben wir dem Meer zu verdanken", sagte die junge Frau aus Erlangen. Und nur fünf Prozent der Meere seien richtig erforscht, von 59 Prozent wisse man nicht allzu viel. "Nur eines wissen wir: Dass es komplett verdreckt ist", sagte Liss.

Über viele Wege gelange Plastik in den Umweltkreislauf. Sogar über kleinste Partikel, die beispielsweise in der Zahnpasta enthalten sind. In Europa zähle Deutschland mit einem Anteil von 20 Prozent zu einem der größten Abfall-Verursacher. Wenn es erstmal ins Meer gelangt ist, schädigt es dort auch die Tiere. Katharina Liss: "Die Schildkröten schwimmen in der Plastik-Suppe, essen das und sterben daran."

Sie demonstrierte an Beispielen, wie gefährlich die Plastikflut ist. "Es gibt kein einziges Plastikteil, das diese Welt bereits verlassen hat", sagte sie. Denn die Abbauzeit der Kunststoffe dauere bis zu 500 Jahren. Eine gewöhnliche Plastikflasche brauche 450 Jahre, bis sie verrottet sei. Und selbst ein mit Plastik laminierter Kaffee-to-go-Becher brauche ein halbes Jahrhundert. Abgesehen davon, bilden diese Becher wahre Mülltürme. 320 000 davon werden pro Stunde in Deutschland weggeworfen, und so ergäben sich inzwischen mehrere Türme zum Mond.

Was soll man also tun? "Weglassen!", sagte die Referentin. Wenn man auf Einwegsachen verzichtet, "das würden schon unheimlich helfen", sagte sie. Und Plastikbeutel sollte man durch Stofftaschen ersetzen. Sie selber nutze keine Plastikflaschen mehr, stattdessen zeigte sie ihre Wasserflasche aus Edelstahl. Leider mit Plastikdeckel, wie sie einräumen musste. Und wenn sie im Supermarkt unverpacktes Obst kauft, dann nehme sie Baumwolltäschchen mit.

Die Schüler nahmen die Anregungen aufmerksam auf und erzählten ihre eigenen Erfahrungen. Johanna fand dann im Klassenzimmer einen Blumentopf aus Plastik. Da hat sogar die Schule noch Bedarf nachzubessern.