Gut getarnt unter Laub- und Nadelbäumen und umgeben von Sträuchern und Büschen wuchs in einem Zeckerner Garten eine wahre Sensation heran. Als Erika Walter in ihrem Garten das seltsame Gewächs entdeckt, denkt sie zuerst: Das müssen Morcheln sein! Da sie sich aber nicht sicher ist, bringt sie das Pilzgewächs zum Höchstadter Biologen und Pilzexperten Dr. Hans Krautblatter. Dieser ist begeistert, denn es handelt sich um sogenannte Kronenbecherlinge, die besonders in der hiesigen Umgebung eine wahre Rarität darstellen und auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen.

Im gesamten Main- und Steigerwaldgebiet ist seit Jahrzehnten kein derartiger Fund bekannt. Im Regnitzgebiet wurden bisher nur drei Funde dokumentiert.
Dass die seltene Art sich gerade in einem heimischen Garten eingenistet hat, liegt wohl daran, dass es sich dabei um ein waldähnliches Biotop handelt, in dem die Pilze sich besonders wohlfühlen.

Der Kronenbecherling - oder lateinisch "Sarcosphaera eximia", was soviel bedeutet wie "Riesenfleischkugel" - ist ein Frühjahrspilz und gedeiht üblicherweise zwischen Mai und Juni neben Laub- und Nadelbäumen und auf Kalk- und Mergelboden. Obwohl die Kronenbecherlinge sehr selten sind, kommen sie, wenn sie sich erst einmal für einen Platz entschieden haben, in großen Mengen vor.

Das charakteristische Erscheinungsbild ist zunächst geprägt durch eine geschlossene Kugel, die laut Krautblatter einen Durchmesser von bis zu 15 bis 20 cm Durchmesser haben kann. Der anfangs unspektakulär wirkende Schlauchpilz offenbart bei seiner Reife aber faszinierende Fähigkeiten. "Wenn der Kronenbecherling reif ist, reißt der Rand sternförmig auf. Die Millionen Sporen, die sich zuvor in der hohlen Kugel befunden haben, werden durch einen Überdruck herausgeschleudert. Für das Auge ist das nur als weiße Wolke über dem Pilz erkennbar", erklärt Krautblatter.

Um einen Überdruck auszulösen, genüge schon ein Regentropfen oder eine sanfte Berührung. "Es ist immer wieder bewundernswert, welche Methoden sich die Natur einfallen lässt, um Leben zu verbreiten", erzählt der Pilzexperte fasziniert. Doch auch wenn die Kronenbecherlinge verführerisch aussehen, sollte man beim Genuss vorsichtig sein. Zu Lebzeiten seiner Großmutter wurde der Pilz gut abgekocht verzehrt, erinnert sich Krautblatter. Auch alte Lehrbücher beschreiben den Kronenbecherling als essbar, wenn er gut abgekocht und ohne Kochwasser verzehrt wurde. Heute gilt er jedoch in jeglicher Form als höchst giftig.