von unserer Mitarbeiterin  Theresa-Maria Werner

Herzogenaurach — Musik kann zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen und für interkulturelles Verständnis sorgen. Das zeigte einmal mehr die Jubiläumstour der jungen deutsch-französischen Philharmonie, die anlässlich des 200. Geburtstag Richard Wagners, des 50-jährigen Bestehens des Elysée-Vertrages und der 25-jährigen Existenz des deutsch-französischen Forums junger Kunst gefeiert wurde.
"Es war ein buntes Miteinander und ein absolutes Highlight für mich", erinnert sich Kontrabassist Peter Fröhlich aus Herzogenaurach an die Tournee. Der 24-jährige Nachwuchsmusiker spielte gemeinsam mit 89 anderen Musikern verschiedenster Nationalitäten in drei deutschen und zwei französischen Städten - und das innerhalb von 7 Tagen.
Ob Paris, Straßburg, Berlin, Leipzig oder Bayreuth - ausgesucht waren jeweils erstklassige Spielorte wie der Berliner Dom oder das Straßburger Münster, in denen die Jubiläumskonzerte stattfinden sollten. So wurde nach einer neuntägigen Probenphase in Bayreuth gemeinsam unter der künstlerischen Leitung von Dirigent Nicolaus Richter musiziert.

Erstmals ohne Schwestern

"Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich nach meiner Bewerbung eine Zusage bekommen habe und an der Jubiläumstournee mitwirken durfte", erzählt Fröhlich. Seit zehn Jahren spielt der studierte Musikwissenschaftler Kontrabass und ist begeistert von den Erfahrungen, die er durch die Tour gemacht hat: "Es ist toll, in einem kulturell anspruchsvollen Kontext mit Musikern aus ganz Europa in Kontakt zu kommen."
Die Mitwirkenden stammten nämlich nicht nur aus Deutschland und Frankreich, sondern auch aus Portugal, Ungarn, Italien oder der Schweiz. "Man kann es als etwas Innereuropäisches betrachten", berichtet Fröhlich. Zwar war es nicht die erste Tournee für ihn, denn gemeinsam mit seiner größeren Schwester Katharina und dem Ensemble Medicale aus München spielte er bereits Konzerte in Weltstädten wie Rom, Los Angeles oder San Francisco. Jedoch hatte die letzte Tour einen besonderen Reiz für ihn, da er bis auf einen Tuba-Kollegen noch niemanden kannte und erstmals ohne geschwisterliche Begleitung auf einer Tournee gespielt hat.
Ein Problem stellte das scheinbar nicht dar und Fröhlich ist begeistert vom musikalischen Ergebnis: "Wir haben einen sehr schönen Klangkörper gefunden und jedes Konzert war eine klangliche Weiterbildung. Insgesamt war es ein sehr stimmiger Eindruck und ein Erlebnis, das ich wohl nicht vergessen werde."
Auch in diesem Jahr wagten sich die jungen Musiker auf ein anspruchsvolles musikalisches Terrain: Es wurden das Vorspiel und der Karfreitagszauber aus Richard Wagners "Parsifal" präsentiert, wo man "viele verklärte und elegische Stellen findet und die Heilserfahrung durch die Passion bewusst wird", erklärt Fröhlich. Im anschließenden Stück "Die Erscheinung der ewigen Kirche" von Olivier Messiaen, das von Gerhard Krammer in Orchesterfassung gebracht wurde, finden sich für den normalen Klassikhörer ungewöhnliche Akkorde: "Es ist archaisch aufgebaut, beginnt mit einem langsam gespielten 7/8-Takt und wird schließlich gekrönt durch einen fünffachen Forte", sagt Fröhlich. Die gesamte Darbietung gipfelt in der Symphonie Nummer 9 d-moll von Anton Bruckner, ein unvollendetes Werk, das Gott gewidmet ist. "Man hat das Gefühl, dass die Apokalypse hereinbricht", erklärt Fröhlich.
Für ihn war es insgesamt eine durchwegs positive Erfahrung: "Ich würde gerne in zwei Jahren wieder mitspielen!" Was seine Zukunftspläne betrifft, ist er noch relativ flexibel: "Erst möchte ich noch meinen Master in Musikwissenschaft machen und danach könnte ich mir vorstellen, einmal für die Tschaikowsky-Gesellschaft oder den Bayerischen Rundfunk zu arbeiten." Musik wird jedenfalls auch weiterhin eine Hauptrolle in seinem Leben spielen.