Der Förderverein der Städtepartnerschaft Höchstadt-Kranichfeld steht vor dem Aus. Auch bei einer außerordentlich ins Leben gerufenen Hauptversammlung ließ sich kein Anwärter für das vakante Amt des Ersten Vorsitzenden finden.
Gesundheitliche Gründe zwingen den bisherigen Vereinsvorsitzenden Fritz Kroh zur Niederlegung seines Amtes. Er war einst Gründungsmitglied und leitet den Verein bereits seit seinem Beginn im Jahr 2001. Die Verbindung zur thüringischen Stadt zwischen Erfurt und Weimar findet ihren Ursprung aber bereits in der Nachkriegszeit.
Höchstadter Fußballvereine hatten eine solche einst hergestellt. In Folge der deutschen Wiedervereinigung flammte der Kontakt erneut auf. Die unterschiedlich entwickelten Systeme der beiden Städte sollten der gegenseitigen Inspiration dienen. Eine offizielle Städtepartnerschaft und schließlich auch der Förderverein waren dann nur noch reine Formsache.

Jahre mit intensivem Austausch


Es folgten Jahre mit zahlreichen Besuchen und Gegenbesuchen, der Teilnahme an Veranstaltungen und Festen sowie Stammtischen in Höchstadt und Kranichfeld. Mehr als 70 Mitglieder zählte der Förderverein in seiner Blütezeit, darunter auch etliche Kranichfelder.
Seit einiger Zeit verläuft das Vereinsleben aber eher zäh, das Engagement beschränkt sich im Wesentlichen auf den kleinen Kreis der Vorstandschaft. Nachwuchs? Fehlanzeige. Fast alle Mitglieder sind inzwischen 60 Jahre oder älter. Auch die Kranichfelder haben ihr Engagement auf ein Minimum begrenzt.
Von den insgesamt 59 Vereinsangehörigen fanden sich nun immerhin 14 zur außerordentlichen Sitzung am Mittwochabend im Höchstadter Weberskeller ein. Einziger Tagesordnungspunkt war die mögliche Wahl eines neuen Vorsitzenden. Bereits die eigentliche Jahreshauptversammlung im März war ohne Ergebnis in dieser Frage über die Bühne gegangen. Dabei mangelt es dem Verein nicht an finanziellen Mitteln, sondern vielmehr am Interesse für neue Projekte.
"Wir sind alle traurig, wenn der Verein stirbt. Aber so geht es einfach nicht weiter", stellte Zweite Vorsitzende Christine Johna nachdenklich fest. Nicht nur sie betrachtet Fritz Kroh rückblickend als den "Motor des Vereins". Seiner Nachfolge sieht sie sich nicht gewachsen. Unzumutbare Zeit und Mühen beanspruche ihrer Meinung nach das Einziehen der Mitgliederbeiträge. "Ich möchte keinen Ein-Mann-Betrieb leiten", kritisierte Johna die mangelnde Bereitschaft, sich aktiver am Vereinsleben zu beteiligen. Berufliche und private Verpflichtungen täten in dieser Hinsicht ihr Übriges, sodass sich niemand noch weitere Aufgaben "aufhalsen" möchte.

Besser "lockere Freundschaft"?


Der Hauptgedanke der Städtepartnerschaft habe seit dem Mauerfall zudem an Relevanz verloren - frühere Barrieren seien inzwischen schließlich komplett abgebaut. Christine Johna schlug deshalb eine "lockere Freundschaft" zu Kranichfeld vor und bot sich als Ansprechpartnerin an.
Vehement für den Erhalt des Fördervereins trat Höchstadts Zweiter Bürgermeister Günter Schulz (SPD) ein. Er macht den gesellschaftlichen Egoismus für die bevorstehende Auflösung verantwortlich und fürchtet um das Renommee der Stadt. "Auf jeden Fall sollte man versuchen, den Verein irgendwie weiterzuführen. Das kann doch nicht so schwer sein", appellierte er an die Versammlung.
Genützt hat diese Aufforderung am Ende nichts. Eine deutliche Mehrheit stimmte für die Auflösung des Zusammenschlusses. Fritz Kroh war keiner von ihnen. "Mein Herzblut hängt an diesem Verein", erklärte der Senior.

Weitere Sitzung notwendig


Eine endgültige Entscheidung muss nun aber einmal mehr aufgeschoben werden. Laut Satzung werden nämlich zwei Drittel der Mitglieder benötigt, um eine Auflösung herbeizuführen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wird die Vorstandschaft ein weiteres Mal zu einer Versammlung laden. Erst dann kann auch mit einfacher Mehrheit der Anwesenden über das Ende des Fördervereins entschieden werden.
"Bitte geht bis dahin alle noch einmal in euch - vielleicht lässt sich doch noch eine andere Lösung finden", forderte Günter Schulz die Mitglieder abschließend auf. Große Hoffnungen hegt aber auch er nicht mehr.