Viele Gartenbesitzer sind unsicher, wie und wann die Obstbäume geschnitten werden müssen. An den Bäumen der Großenseebacher Streuobstwiese zeigte Michael Geist vom Heimat- und Gartenpflegeverein über zwanzig Interessierten, wie es geht. Der Großenseebacher ist ausgebildeter Baumwart. Er hatte zum Sommerschnittkurs eingeladen und über war über die Zahl der Interessierten angenehm überrascht.

Verschiedene Baumformen: Gleich zu Beginn des Kurses informierte Geist die Besucher über die verschiedenen Baumformen und Wuchsgrößen. Vor dem Kauf sollte man sich im Klaren darüber sein, dass beispielsweise Halbstämme zwar sehr robust wachsen und durchaus 50 Jahre alt werden können, aber halt auch viel Platz benötigen. Mindestpflanzabstände zu anderen Bäumen, Hecken oder Häusern seien zu beachten. Wesentlich weniger Platz benötigten Säulenformen und Buschbäume, dafür seien sie aber empfindlicher, denn schwach wachsende Wurzel-Unterlagen littenen schneller unter Trockenheit oder Nährstoffmangel.

Optimale Pflege: Bäume optimal zu versorgen bedeute, dass man insbesondere in den ersten zehn Wachstumsjahren die Baumscheibe unkrautfrei hält und mit Rasenschnitt, grobem Kompost oder Rindenmulchmaterial abdeckt. Regelmäßige Kompostgaben unter die Kronentraufe brächten die nötigen Nährstoffe, auf chemische Düngung könne verzichtet werden.

Werkzeug und Veredelung: Der Baumwart erklärte nicht nur die für einen Baumschnitt erforderlichen Werkzeuge und den Baumschnitt, sondern sprach auch über die Veredelung und wie mehrere Apfelsorten auf einen Baum gebracht werden können. Er stellte die Frage: Warum schneiden? Mit dem richtigen Schnitt werde erreicht, dass die Krone ein stabiles Tragegerüst bilden und damit dem Gewicht von Früchten und Schnee standhalten kann. Bei einem sachgemäßen Schnitt werde zudem ein früherer Ertragsbeginn, aber auch eine höhere Fruchtqualität erreicht. Außerdem verlängere der Schnitt die Lebensdauer des Baumes.

Obstbaumschnitt im Frühjahr: Fachwart Geist ging eingangs auf die Schnittmaßnahmen vom Frühjahr ein und zeigte den Entwicklungsstand der Obstbäume zum jetzigen Zeitpunkt. Für Sommerschnittmaßnahmen sei der August der geeignete Monat, da hier im belaubten Zustand eine Wuchshemmung erzielt werde und keine Neuaustriebe mehr zu erwarten seien.

Wasserschosse: Abhängig vom Schnittzeitpunkt spricht man vom Winterschnitt oder Sommerschnitt. Der große Vorteil des Winterschnitts sei, dass der Kronenaufbau im laublosen Zustand besser zu erkennen ist. Kräftiger Winterschnitt fördere jedoch den Neuaustrieb und bringe deshalb oft die unerwünschten "Wasserschosse", die dann wiederum sorgfältig entfernt werden müssen, z. B. im Sommer. Der beste Schnittzeitpunkt, um den Wuchs der Bäume bereits während des Wachstums zu korrigieren, liege zwischen Juni und Mitte August.
Gerade jetzt sei das Reißen der Wasserschosse noch möglich - durch den heißen Sommer verholzen bereits manche Triebe. Der Baum komme durch das Reißen mit dem Eingriff besser zurecht als durch den Schnitt mit der Baumschere.
Man spreche dabei vom Grün- oder Sommerschnitt, der den Vorteil besitze, dass der Jahrestrieb im Folgejahr deutlich geringer ausfalle. Deshalb sei es gerade für starktriebige Jungbäume und zu dicht stehende Kronen älterer Bäume von Vorteil, jetzt mitten im Sommer Säge und Schere einzusetzen.

Grundregeln beachten: Verschiedene Grundregeln, die der Baumwart kurz erklärte, seien zu beachten. Ein wichtiges Ziel sei es, die sogenannte "Überbauung der Kronen" zu verhindern. Ein ungeschnittener Baum werde sich immer vorrangig in die Höhe entwickeln und sich oben dicht verzweigen. Das Problem dabei: Darunterliegende Äste würden beschattet, schlecht versorgt und krankheitsanfällig. Wirklich gutes Obst gebe es dann nur ganz oben an den äußersten Trieben.

Leitäste ziehen:
Durch die fachgerechte Erziehung von drei Leitästen schräg nach außen in die verschiedenen Richtungen öffne man die Baumkronen und halte sie dadurch licht, indem darüber stehende, am Mitteltrieb, der Stammverlängerung entspringende Seitenäste nur noch flach und kurz gehalten werden. Alle Fruchtäste erhielten dadurch mehr Licht und Luft und brächten daher gesündere Früchte.

Praktische Anwendung: Nach der Theorie durften die Teilnehmer an die Bäume und konnten das Gehörte gleich in der Praxis umsetzen. Michael Geist erklärte sich bereit, dass sich Obstbaumbesitzer jederzeit an ihn wenden können.