"Die Straßennamen in der Altstadt sind historisch gewachsen", erklärt Gerhard Leicht, Leiter des Bürgerbüros. "In den Neubaugebieten haben wir mehr Freiheiten. Da gibt es ein Bereich mit Musikern, oder Straßen, die nach Partnerstädten benannt sind."

Wer sich auf die Suche nach Straßennamen mit weiblichen Namenspatronen begibt, wird vor allem im Neubaugebiet hinter der Anton Wölkner-Schule fündig. Schulkinder wandern über den Hildegundis- oder den Sibylla-Weiß Weg nach Hause. Auf den Straßenschildern sind auch weibliche Heilige vertreten: Das zeigen zum Beispiel der Barbara-, der Margarethen-, der Elisabethen- oder auch der Ottilienweg.Der Vorgang, eine Straße zu benennen, sei gar nicht so kompliziert, meint Leicht. "Rechtlich zuständig ist der Stadtrat, die Verwaltung darf allerdings Vorschläge machen."

Nachholbedarf bei Frauen

Diese Möglichkeit wollte Sebastian Schmidt, Leiter des Heimatmuseums und Zuständiger des Stadtarchivs, nicht verstreichen lassen. Bereits vor einigen Jahren habe er den Vorschlag eingebracht, dass mehr Höchstadter Persönlichkeiten den Stadtplan prägen sollten. Das Ergebnis ist bereits an zahlreichen Ecken der Stadt zu sehen: Eine Straße, die nach dem Höchstadter Heimatforscher Nikolas Haas benannt ist, nach dem Architekten Leonhard Romeis oder dem Naturwissenschaftler Johann Baptist Ritter von Spix.

Nicht nur bei den Frauen sieht Schmidt noch viel Spielraum, was die Straßennamen angeht: " Man könnte zum Beispiel die Schwester Montana als Namenspatin für eine Straße hernehmen, die für ihre strenge Erziehung bekannt war." Fortschritte sehe er in Höchstadt trotzdem bereits: So sind unter vielen Straßenschildern mit bekannten Persönlichkeiten ein Hinweisschild angebracht worden, das auf die Funktion der Person hinweist.
"Wir sind bei der Straßenbenennung noch recht konservativ", gesteht Leicht. Und weist darauf hin, dass der Frauenmangel im Stadtplan historisch bedingt sei: Es habe nicht so viele berühmte Frauen in der Geschichte gegeben. Sebastian Schmidt sieht das ähnlich: "Das hat mit der historischen Dominanz der Männer zu tun."

Weltuntergang?

Jetzt schon im Stadtplan verewigt ist Hildegund von Meer, die im 12. Jahrhundert ein sehr frommes Leben geführt hat. Um Sibylla Weiß, der Sage nach Stifterin der Antonius Kapelle, rankt sich sogar eine Legende: Wenn das Grab der adligen Frau, das sich auf dem Lauberberg befindet, neben der Antoniuskapelle, von der Stelle wandert, soll die Welt untergehen.