850 Menschen sollen einmal im künftigen Wohngebiet in der Reuth eine Heimat finden. Aber es läuft noch nicht rund, zumindest was die Abrundung des Areals zur Nachbarbebauung angeht. Ein einziges Haus spaltet dort den Stadtrat, auch nach einer Korrektur durch die Verwaltung. Im Planungsausschuss konnte sich der Rathausvorschlag am Mittwochabend nur denkbar knapp mit sechs gegen fünf Stimmen durchsetzen. Kommenden Donnerstag geht die Angelegenheit dann in den Stadtrat.

Die unterschiedlichen Ansichten im Gremium beziehen sich auf ein großes Gebäude gegenüber der Theodor-Heuß-Straße. Zahlreiche Anwohner hatten sich gegen die Wucht des Baukörpers ausgesprochen, die CSU sieht das ebenso. Die Stadtverwaltung hat inzwischen nachgebessert und aus den vier Vollgeschossen drei gemacht. Auf den Sattel obendrauf wird aber bestanden. Die CSU fordert höchstens drei Geschosse ohne Sattel.

Darüber hinaus rückt das besagte Haus deutlich weg von der Baugrenze, auch das Sattelgeschoss rückt nach hinten. So sollte es für die Bürger noch verträglicher werden, meint die Verwaltung und ihr voran Bürgermeister German Hacker (SPD). Diese Lösung hatte sich als Kompromiss unter mehreren Vorschlägen herausgebildet, die dem Stadtrat zuvor nichtöffentlich zur Abstimmung vorgelegt worden waren.

Es sei damit eine mehrheitsfähige Kompromisslinie gefunden, wie Hacker in der Sitzung am Mittwoch nun anmerkte. Man lege planerisch schon Wert auf ein stimmiges Ensemble. Dieses sehe nun mal im dortigen Bereich Sattelgeschosse vor. Davon rückte die Verwaltung nun auch nicht ab. Allerdings, so Hacker, sei man mit Samthandschuhen rangegangen. Schließlich wisse man, dass bei der Bebauung freier Flächen immer die Nachbarn reagieren.

Drebinger: "Alle Bürger gleich behandeln"

Der CSU wollte das trotzdem nicht gefallen. Fraktionsvorsitzender Walter Drebinger erinnerte daran, dass die von ihm genannten drei Geschosse schon ein Kompromiss seien, ursprünglich wollte man nur deren zwei, so wie es die bestehenden Häuser in der Umgebung auch hätten. Ihm gehe es um eine Gleichbehandlung aller Bürger, sagte Drebinger.

Er sprach auch das Abstimmungsverhalten der Grünen an, die in der letzten Stadtratssitzung den CSU-Antrag zwar abgelehnt, aber einem gleichlautenden Bürgerantrag zugestimmt hätten. Drebinger: "Ich suche heute noch eine Erklärung dafür". In der Sitzung bekam er sie nicht, jedenfalls nicht für ihn überzeugend. Retta Müller-Schimmel sagte für die Grünen, ihre Fraktion könne mit dem jetzigen Kompromiss leben, die Abstände passen jetzt, und CSU-Befürchtungen, dass es durch das Staffelgeschoss respektive die damit verbundene Dachterrasse mehr Lärm durch Partys geben könne, sehe sie nicht. Die grüne Stadträtin versuchte, der CSU zu schmeicheln. "Es ist auch ein Verdienst von Euch", dass es jetzt noch einmal eine Auseinandersetzung zum Thema gibt.

Auch der SPD-Fraktionschef Holger Auernheimer betrachtete den Kompromiss als gut. So stünden den nur zweigeschossig geplanten Gebäuden auch ebensolche in der bestehenden Bebauung der Straßen gegenüber. Bei dem einen strittigen Gebäude seien es aber Mehrfamilienhäuser.

Zum Thema Partylärm meinte Bürgermeister Hacker, dass Dachterrassen "ganz normal" seien und sah darin kein Problem. Auernheimer ergänzte, dann dürfe man auch keinen Garten mehr machen.

Trotzdem blieb die CSU hart. "Nur um zwei Wohneinheiten mehr in dieses Wohngebiet zu pressen", sei kein Grund hier zuzustimmen, sagte Drebinger. "Ist das den ganzen Zorn der Nachbarn wert?" SPD-Kontrahent Auernheimer warf dem CSU-Kollegen vor, schon ganz anderen Änderungen zugestimmt zu haben und jetzt nur "eine Rede für die Anwohner" zu halten.

Letztlich stimmten sechs Stadträte (drei SPD, zwei Grüne und Partei) plus Bürgermeister German Hacker (SPD) für den Kompromiss, sechs Stadträte (vier CSU und JU, zwei Freie Wähler) dagegen. Mit sieben zu sechs Stimmen geht also eine positive Empfehlung an den Stadtrat. Der wird sich in seiner Sitzung am 28. Januar damit auseinandersetzen. Zum Beschluss steht dann die Änderung des Bebauungsplans, aber noch nicht die Satzung. Denn der Plan muss, in seiner geänderten Position, erst noch in eine verkürzte, zweiwöchige Auslegung. Sofern sich der Stadtrat dem Empfehlungsbeschluss mehrheitlich anschließt.