Öffentliche Grünflächen und Wälder sollten frei von Pestiziden sein, meinen die Herzogenauracher Grünen. Die Stadt müsse da mit gutem Beispiel voran gehen. Folglich wurde ein Antrag an den Stadtrat gestellt, damit die Stadt ein Konzept entwickeln soll, das den Einsatz synthetischer Pestizide zeitnah beendet. Der Antrag wurde abgelehnt.

Retta Müller-Schimmel hatte bei der Begründung in der letzten Stadtratssitzung zwar eingeräumt, dass die Stadt "nicht sehr viel" an Pestiziden einsetzt. Aber sie tut es, und darunter leiden Amphibien, Vögel und Insekten. Deshalb sollte das Ziel ein völliger Verzicht sein, und zwar in Wäldern ebenso wie auf Wiesen.

Bürgermeister German Hacker (SPD) hatte sich ausgiebig vorbereitet und präsentierte eine lange Liste über die vielen Einsätze der Stadtgärtner. Er betonte, dass nur bei zwei Arten von Sonderfällen Pestizide eingesetzt würden. Zum einen zur Abwehr einer Gefährdung für Menschen und zum anderen, wenn eine Pflanze (Topfpflanze im Gewächshaus oder ein junger Baum sicher absterben würden, wenn man es nicht täte. Insgesamt verbrauche die Stadt seit langem pro Jahr insgesamt weniger als 0,2 Liter an Pestiziden, also "ein Glas voll" oder ein Fläschchen, sagte Hacker und zeigte zum besseren optischen Verständnis eine kleine Flasche Apfelsaft.

Grundsätzlich wolle man aber darauf verzichten, meinte der Bürgermeister und verwies darauf, dass der Einsatz seit 1990 massiv reduziert werde. Das sei einhergehend mit der Einstellung des damaligen Umweltbeauftragten Alfons Stadler so geschehen. Faktisch, so Hacker, habe man den Einsatz also beendet. Abgesehen von den beiden Ausnahmen, für die der Bürgermeister auch konkrete Beispiele nannte.


Nur im Notfall

Jungbäume erhalten einen fungizidhaltigen Anstrich, außerdem werde auf jungen Forstflächen Mäusegift verwendet, aber "nur im Notfall." Hacker: "Man muss jungen Bäumen in den ersten fünf Jahren einfach helfen." Die Stadt habe schon Schilfrohrmatten und Plastikhülsen getestet, was aber leider nicht die erforderliche Wirkung gebracht hätte. Bei der Überwinterung von Zwiebelpflanzen im Gewächshaus setze man darüber hinaus Insektizide ein, aber ebenfalls nur "im Notfall".

Für die grüne Retta Müller-Schimmel war das alles nicht schlüssig. Auf die verbleibenden 0,2 Liter könne man sicherlich auch noch verzichten.

Weiterhin hatten die Grünen gefordert, auch bei verpachteten Flächen Pestizide zu verbieten, und zwar sowohl auf Wiesen als auch im Wald. Auch das fand keine Zustimmung. Mit 20 zu zehn Stimmen nahm der Stadtrat aber einen Änderungsantrag des Bürgermeisters an, demzufolge ein Einsatz auf den beiden verpachteten Wiesen untersagt wird, nicht aber im Wald.

Curd Blank (SPD) stellte in der Diskussion fest, dass man Schädlinge mit harten Bandagen bekämpfen müsse. Es gebe "allerlei Viechzeugs, das mechanisch nicht beherrschbar ist." Stephan Wirth (CSU) wollte keine Ausnahme: "Entweder alle oder gar nicht." Wenn man den Pächtern einen Einsatz verbiete, dann müsse das auch für die Stadt gelten. Hacker rechtfertigte seinen Änderungsantrag damit, dass die Stadt auf Wiesen selbst ja keinerlei Pestizide anwendet, man das also auch von den Pächtern fordern könne.

Frank Gäbelein (CSU) meinte, man müsse dem Bauhof schon vertrauen, das seien die Experten. Das Glas voll Gift, das die Stadt einsetzt, sei außerdem nicht das Problem, denn "garantiert setzen Privatleute viel mehr ein." Peter Simon (Grüne) hingegen erinnerte an die Vorbildfunktion der Stadt.