Lodernde Flammen, eine tote Frau und neun zum Teil lebensgefährlich Verletzte als Folgen einer gewaltigen Explosion auf einem ehemaligen Industriegelände in Niederndorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt). Bei der Feuerwehr gingen mehrere Anrufe ein. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, was auf die Helfer zukommt. So sah das Szenario einer Übung aus, die mit den Feuerwehren Herzogenaurach und Niederndorf sowie dem BRK in Niederndorf realisiert wurde.

Bei Schweißarbeiten an einem Lkw kam es kurz vor 19 Uhr zu einer gewaltigen Explosion, bei der mehrere Menschen schwerste Verletzungen erlitten. Feuer loderten an mehreren Stellen, eine junge Frau unter einem schweren Schock stehend und von schweren Brandwunden gezeichnet, lief den Feuerwehrleuten entgegen und berichtete von verletzten Freunden und Bekannten.

Am Einsatzort eingetroffen, galt es eine zunächst unbekannte Anzahl verletzter Menschen in dem unwegsamen Gelände zu finden und die Erstversorgung durchzuführen. Den anrückenden Rettungskräften bot sich teils ein grauenhaftes Bild auf dem unübersichtlichen Gelände: Blutende und von Brandwunden gezeichnete Menschen wimmerten oder schrien vor Schmerzen. Eine junge Frau saß auf dem Boden und starrte auf ihr abgerissenes Bein. Unweit von ihr umklammerte eine Frau mit beiden Händen ein Stück Rundeisen, das aus ihren Oberkörper ragte. Sie war bei der Explosion auf ein Armiereisen geschleudert und von hinten durchbohrt wurden.


Horrorszenario

Halb unter einem Fahrzeug lag ein junger Mann und vor ihm seine abgerissene Hand. Weitere Menschen lagen zwischen oder unter Betonteilen sowie unter einem umgestürzten Container.

Während sich die Nieder ndorfer Feuerwehrleute um die Verletzten und unter Schock stehenden Menschen kümmerte, bekämpfte das erste Löschfahrzeug aus Herzogenaurach die auf dem Gelände lodernden Flammen. Weiter nachrückende Kräfte befreiten die Eingeklemmten und bringen sie zu einem Sammelplatz, der zwischenzeitlich vom BRK neben der Einfahrt eingerichtet wurde. Hier wurden die Verletzten nach einer zweiten Sichtung notfallmedizinisch versorgt und bei Bedarf der Transport in weiterführende medizinische Einrichtungen angeordnet.

Bei einer jungen Frau kam jede Hilfe zu spät, trotz einer sofortigen Reanimation der zuerst eintreffenden Feuerwehrkräfte, konnte ihr nicht mehr geholfen werden.

Die Feuerwehrleute wussten zwar von einer Übung, mit diesem Szenario hatten sie allerdings nicht gerechnet. Dass sich Ausbildung und Schulungen lohnen, zeigt sich auch daran, dass sie sich gleich den unter Schock stehenden Menschen annehmen. Beobachter verfolgten und filmten die Übung und sie machten sich Notizen, um bei einer Nachbesprechung auf mögliche Defizite hinzuweisen.

Knapp 20 Minuten nach Eintreffen der Einsatzkräfte waren alle Vermissten gefunden und zum Sammelplatz gebracht. "Ein sehr gutes Ergebnis", meint Franz Hagen von der Herzogenauracher Wehr, schließlich sei das Gelände sehr unübersichtlich. "Es ist aber auch nicht selbstverständlich, dass man seine Freizeit nach einem langen Arbeitstag dafür opfert, eine solch anstrengende Übung durchzuziehen."

Auch der stellvertretende Rettungsdienstleiter des BRK, Thomas Heideloff, schließt sich an: "Die Zusammenarbeit der Rettungskräfte hat funktioniert." Denn gerade unter Schock stehende Menschen, reagieren in ihrer Panik oft völlig unkontrolliert und das sei auch für die Rettungskräfte eine besondere Herausforderung.

Die Verletzten waren perfekt geschminkt und mit schauspielerischem Talent von Mitgliedern des Jugendrotkreuzes dargestellt.