Die Verständnislosigkeit über den Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hinsichtlich Passfotos ist groß und Fotografin Irene Käs ins Gesicht geschrieben. Auch ihre Tochter Anna schüttelt nur den Kopf. Wenn es nach Seehofer geht, sollen 5500 Pass- und Ausweisbehörden in Deutschland mit Terminals ausgestattet werden, die ein digitales Foto direkt zum Passbearbeiter übertragen. Alles natürlich überwacht von den Mitarbeitern.

Die Folgen wären verheerend, meint Irene Käs und hat sich schon mit einem "Liebesbrief" an die Bundestagsabgeordneten in Berlin, die Stadt Höchstadt sowie Horst Seehofer gewandt. "Die sagen immer, sie wollen den Kleinen helfen und machen das komplette Gegenteil", sagt sie.

Schließungen von Unternehmen

Da sind zum einen die Fotografen selbst, für deren Beruf so ein Gesetz weitreichende Konsequenzen hätte und die Branche völlig auf den Kopf stellen und verändern würde. In der Stellungnahme des Zentralverbands Deutscher Berufsfotografen teilte der Geschäftsführer Hans Starosta mit, dass sich bei ihnen bereits viele Betriebsinhaber gemeldet hätten.

Er schreibt:"Sie sind äußerst besorgt um ihre berufliche Existenz, denn dieser Umsatz ist das sogenannte ,Brot-und Butter-Geschäft' in unserer Branche und fast alle haben uns glaubhaft versichert, dass mit diesem Umsatzausfall ihre Türen wohl geschlossen werden müssten."

Diese Aussage kann auch Irene Käs bestätigen: "Das haben mir schon einige Kollegen gesagt. Viele Familienbetriebe wie unserer würden durch so ein Gesetz kaputt gehen." Der Verband rechnet mit 100 Millionen Euro Umsatzverlust bei zehn Millionen Passbildern pro Jahr. "Damit ist der Wegfall von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen die Folge", so Starosta.

Noch viele Fragen offen

Zum anderen kommen noch Unternehmen im Bereich Druck und Passfotopapier hinzu, die Einbußen in Kauf nehmen müssten. Zudem hätten die Verwaltungen von Gemeinden und Städten viel mehr Arbeit. "Wann sollen sie das noch machen? Wie wollen die das bei Babys, Senioren oder Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung bewerkstelligen?", fragt Irene Käs. "Schon jetzt hört man von einigen Stellen, dass das überhaupt nicht funktioniert und die Technik ebenfalls nicht."

Politische Unterstützung bekommen die besorgten Fotografen von Bundestagsabgeordneten Stefan Müller (CSU). Der Großenseebacher lehnt diesen Vorschlag grundsätzlich ab, teilte er in einer Pressemitteilung mit. "Es dürfte einerseits kaum praktikabel sein, kurzfristig in den kommunalen Melde- und Passämtern die entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Zum anderen kann und darf es nach meiner Überzeugung nicht die Politik der Unionsparteien sein, kleinen Unternehmern mit dem

Federstrich eines Gesetzes einen Teil ihres Geschäftsmodells zu zerstören."

Für Yvonne Guillery, die ebenfalls ihr Atelier in Höchstadt hat und sich auf Familienfotografie spezialisiert hat, steht fest: "Das geht gar nicht. Ich tausche mich auch mit meiner Kollegin Petra Weller viel aus und sie sieht das genauso. Kein Fotograf in Deutschland ist mit diesem Gesetzentwurf einverstanden."

Viel Kritik von Verbänden

Die Fotografin ist Mitglied beim Bund professioneller Portraitfotografen (bpp) und auch diese Interessengemeinschaft spricht sich gegen den Gesetzentwurf aus. Geschäftsführer Wolfgang Kornfeld schreibt, nachdem er die Sachlage ausführlich erörtert hat: "Sie drohen sonst, einer ganzen Branche massiv zu schaden und die Existenzgrundlage zu entziehen. Einer Branche, die ohnehin in den letzten Jahren massiv gebeutelt wurde durch verschiedenste politische Entscheidungen (Abschaffung des Meisterzwangs, immer mehr Fotografen im Nebengewerbe, vermehrte Schwarzarbeit) aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen wie der zunehmenden Digitalisierung." Dadurch nehme der Staat einem ganzen Berufszweig die Arbeit weg und verstaatliche etwas, das bisher privatwirtschaftlich organisiert war.

Bereitschaft vorhanden

Wie es weitergeht, ist ungewiss. Seitens von Verbänden herrscht neben allem Unmut jedoch völlige Offenheit und die Bereitschaft, gemeinsam eine Lösung für eine bessere Sicherheit bei der Passbildherstellung zu finden. Hans Starosta habe bereits 2014 mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an einem Konzept zur elektronischen Bildübermittlung gearbeitet.

Lösungsansätze vorhanden

Stefan Müller schlägt zum Beispiel eine Zertifizierung oder Sorgfaltsverpflichtung von Fotogeschäften vor. "Auch wir sind da offen. Es wäre überhaupt kein Problem, die Fotos gleich weiterzuschicken", sagt Irene Käs. Sie meint, dass bei dem Gesetzentwurf ein wenig die Unterstellung mitschwingt, dass Fotografen die Bilder manipulieren. "Wenn mich manchmal schon Kunden angesprochen und gefragt haben, ob ich ein Muttermal wegretuschieren kann, sag ich immer scharf ,Nein'. Wir sind gespannt, wann wir eine Antwort auf unsere Briefe bekommen."