Ein Bahnhof dient ja bekanntlich in erster Linie als Haltepunkt von Zügen und dem Verkauf von Fahrkarten. Im fränkischen Kalchreuth ist das Angebot jedoch viel weiter gefächert. Neben dem normalen Bahnverkehr veranstalten die Kalchreuther regelmäßig verschiedene kulturelle Aktionen.

Gebaut wurde der Bahnhof 1908. Seitdem ist er als einer von wenigen in Deutschland durchgehend in Betrieb. Die ursprüngliche Architektur ist bis heute erhalten geblieben.

"Vor 13 Jahren haben wir den Verein Kulturbahnhof Kalchreuth gegründet, um das Bahnhofsgebäude zu erhalten", berichtet Hiltrud Brill. Die Bahn hatte das Haus stehen gelassen und nicht weiter gepflegt; vielmehr habe die Bundesbahn den Bahnhof stilllegen wollen. "Das wäre natürlich ein Problem gewesen. Schließlich wohnen hier in Kalchreuth viele Pendler und Schüler.
Außerdem haben wir ja hier noch mehr historische Häuser, wie die Zehntscheune und das Schloss", sagt die Schriftführerin des Kulturvereins.

Von der Gräfenbergbahn profitiert


Seit ab 1999 die Gräfenberg-Bahn wieder rollt, wurde die gesamte Strecke für 25 Millionen Euro wieder saniert. Davon hat auch der Bahnhof in Kalchreuth profitiert.

Gemeinsam mit der Gemeinde hat der Kulturverein das Gebäude wieder instand gesetzt und ein Konzept entwickelt, das den normalen Schienenverkehr mit einem breiten Kulturangebot vereint. "In fast jeder Woche findet hier ein Jazz Konzert statt. Wir sind fast bis in das nächste Jahr ausgebucht. Daneben geben wir Chi-Gong und Jogakurse", sagt Peter Brill, Zweiter Vorsitzender des Vereines.

Ausstellungen und Kinderbetreuung im Bahnhof


Das Repertoire ist jedoch nicht nur auf Musik und fernöstliche Entspannungsmethoden beschränkt.
"Unser Verein organisiert auch Ausstellungen, etwa Skulpturenschauen in Kalchreuth, oder Betreuung von Schulkindern", sagt Hiltrud Brill. Bei der Renovierung des Bahnhofes haben die 25 Vereinsmitglieder besonderen Wert auf Flexibilität gelegt. "Die Räume sind für alles nutzbar. Egal, ob für Konzerte oder Tagungen", sagt Hiltrud Brill .

Zwar ist die Veranstaltungstechnik auf dem neusten Stand, das Gebäude ist jedoch, so weit wie möglich, original erhalten. "Das alte Güterlager ist heute unser Veranstaltungsraum und die kleine Schalterhalle ist ein vielseitig nutzbarer Raum und unser Café", erzählt Hiltrud Brill.

"Wichtig war uns einfach, so viel wie möglich von der alten Einrichtung zu erhalten." Der alte Ticketschalter ist heute der Tresen des Cafés. "Unsere Gäste wollen immer unbedingt die Getränke über das Fahrkartenkarrussel zahlen", sagt Peter Brill. Der historische Bahnhof in Kalchreuth vereint also Bahnverkehr und Kunst.

Von Kai Link