Es ist ruhig im Klassenraum. Nicht still, aber erstaunlich ruhig. Und das, obwohl kein Lehrer im Klassenraum ist. Konzentriert werden die vorgelegten Aufgaben gelesen, werden die Texte bearbeitet, werden Informationen gesammelt.
Nein, es handelt sich nicht um die Abiturprüfungen am Herzogenauracher Gymnasium, die Klausuren sind längst geschrieben. Zumal es sich um eine neunte Klasse handelt, die so ruhig arbeitet. Der Grund dafür ist das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". In Sechser-Gruppen werden die unterschiedlichsten Themen an diesem Projekttag bearbeitet.
"So dumm kann doch ein Mädel nicht sein", regt sich eine der Schülerinnen auf, die sich dem Thema Frauen in der NPD gewidmet haben. "Die fällt tatsächlich auf Bauernfängerei rein", ergänzt sie. Ist dann aber überrascht, dass die Frauen zum Beispiel ein "Braunes Kreuz" organisieren - eine vermeintliche Rettungsorganisation, die dem Roten Kreuz konkurriert.
"Dann sind die sozial engagiert?", stellt sich die Frage in der Gruppe. Doch eine Recherche im Internet ergibt, dass dieses "soziale Werk" den rechten Gesinnungsgenossen vorbehalten ist. Die Schüler erzählen frei, was sie von Nazis halten. "Nazi geht gar nicht!" - aber mit Bild und Name in der Zeitung erscheinen, das wollen die Neuntklässler auch nicht. Zu groß ist die Angst, dass "die Rechten" aggressiv werden und ihre Meinung nicht nur verbal kundtun.
Was aber nicht heißt, dass die Angst den Umgang mit dem Thema einschränkt. Die Schüler sind sich einig, dass nur gemeinsam und beim frühzeitigen Einschreiten die braunen Umtriebe gestoppt werden können. "Nazis in Nadelstreifen", war somit eines der Themen, die es zu behandeln galt. Die Gesichter dieser Partei seien vielfältig, manchmal harmlos wirkend. Gerade wenn sie CDs auf den Schulhöfen verteilen, wenn sie mit sportlichen Aktivitäten werben.

Was sind eigentlich Skinheads?


"Wir hatten jetzt noch keine CDs hier", erklärt einer der Schüler, "aber Aufkleber haben hier schon rumgelegen." Das ist dann auch das Ziel des Arbeitskreises und des Projektes "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Argumentationshilfen zu erarbeiten, um anderen Schülern zu verdeutlichen, welche Masche hinter den Geschenken steht.
Verwunderung gibt es immer wieder, dass es Menschen gibt, die auf diese platten Sprüche der NPDler reinfallen. "Schwule, Ausländer und Kiffer haben hier nichts zu suchen", ist auf einer Homepage eines Ortsverbandes zu lesen. "Da fällt doch keiner drauf rein?" Die Gegenfrage der Mitdiskutantin lautet: "Und warum gibt es dann noch so viele von denen?" Es gibt aber auch Bereiche, die die Jugendlichen überraschen. Skinheads sind nicht immer Nazis - da gibt es eigene Seiten im Netz, die den Unterschied erklären, die die Geschichte der Skinheads erklären. "Das habe ich echt nicht gewusst, für mich waren die Glatzen immer von denen", meint der Schüler, der die Internetseite aufgerufen hat.

Theater als Auftakt


Das Projekt soll allerdings am Ende des Schultages nicht verpuffen. Es sind Fragen zu beantworten, es sind aber auch pro Arbeitsgruppe Plakate zu entwerfen, die aufklären sollen.
Somit hat der Workshop im Großen und Ganzen einen umfassenden Überblick über rechte Gesinnungen, die praktizierte Jugendkultur und ihre unterschiedlichen Ausprägungen gegeben. Die Schüler selber haben erarbeitet und vorgestellt, wie man rechte Anwerbestrategien durchschauen und sich kritisch mit den Inhalten auseinandersetzen kann. "Durch dieses Projekt wird mir klar, wie wichtig es ist, couragiert gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anzutreten." Die Meinung einer Mitstreiterin, die ein gesammeltes Kopfnicken erzeugt.
Beeindruckend im Rahmen des Projekttages sei eben auch die Aufführung des Mitmachstückes "Ingo & Elly" des Theaters Regensburg gewesen, das die Jugendlichen am Anfang der Woche mit der Frage von Gewalt als Problemlösung konfrontiert hatte. Das Stück erzählte die Lebensgeschichte der Regensburger Lehrerin Elly Maldaque und des gewalttätigen Neonazis Ingo.