Die Rolladen sind herabgelassen, die Eingangstüre ist verschlossen. Ein Blick durch die Glasscheibe lässt erkennen, dass der kleine Laden schon nahezu ausgeräumt ist. Ein Regal ist noch da, und das wartet auf einen Abnehmer, wie auf entsprechenden Abreißzetteln am Eingang zu erfahren ist. Am Freitag hat der kleine Dorfladen in der Niederndorfer Hauptstraße geschlossen.

Dabei war das Geschäft, das die Herzogenauracherin Karin Stief am 1. Juli 2015 eröffnete, im Grunde attraktiv gelegen und eingebettet zwischen zwei eingesessenen Geschäften, eben zwischen Metzgerei und Bäckerei. Und dennoch hat es nicht funktioniert. "Unter dem Strich blieb zu wenig übrig", sagte die 51-Jährige. Nach 13 Stunden täglicher Arbeitszeit sollte der Betrieb auch etwas abwerfen.


Über mangelnde Kundschaft will sie sich gar nicht beklagen: "Ich hatte viele Stammkunden." Und die hätten ihr auch sehr gute Qualität bescheinigt. Insgesamt aber sei der Umsatz einfach zu gering geblieben. So fasste sie bereits an Pfingsten den Entschluss, schon nach einem Jahr aufzuhören. Stief: "Es war halt keine Steigerung ersichtlich."

Hinzu kommt für die Ladenbetreiberin die Tatsache, dass im Herbst nicht weit entfernt ein großer E-Center im neuen Märktezentrum in den Herzogenauracher Klingenwiesen öffnet. Bis dahin hätte sie so viel Stammkunden haben müssen, dass sie diese zusätzliche Herausforderung hätte überstehen können. "Die Konkurrenz baut wie verrückt", sagte die "modene Tante Emma".


Poststelle ist weg

Sie habe sich auch wirklich angestrengt, etwas zu bieten. So gab es eine Salattheke und warmes Essen. Für die Schüler hatte sie Schreibwaren und seit Oktober war auch die Poststelle mit drin. Die ist jetzt wohl allerdings erstmal weg. Dazu bot der Laden Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Marmeladen, Nudeln und weitere Lebensmittel an. Doch manch Spaziergänger hätte den kleinen Laden schlicht ignoriert, sagt die gelernte Kauffrau und Arzthelferin. Dass man ihn nicht gut genug erkannte, glaubt sie nicht. Bäcker und Metzger nebenan seien einfach besser frequentiert gewesen.


Gibt es einen Nachfolger?

Trotz dieser "traurigen Erkenntnis" scheide sie keineswegs aus Verbitterung. "Ich seh' das realistisch", sagte sie. Und weiter: "Es war eine sehr schöne Zeit. Das ist ganz wichtig. Einen Versuch war es allemal wert. Ich habe viele positive Erfahrung gesammelt."

Was mit dem Laden jetzt passiert, ist der Mieterin nicht bekannt. Vor ihr war die "Gemüsehütte" darin untergebracht. Ob erneut ein Geschäft einzieht, scheint indes fraglich.