Stefanie Schumacher lebt in München und hat dort auch Akkordeon studiert. Anschließend bildete sie sich noch in Bern bei Teodoro Anzellotti, einem weltweit bekannten zeitgenössischen Komponisten, intensiv weiter. "Ich bewege mich sehr vielseitig, spiele am Theater, im Orchester und mache auch bei Filmmusiken mit", erzählte sie dem Publikum.
Die beiden Künstlerinnen kennen sich erst seit eineinhalb Jahren. "Wir haben damals ein Werk der Komponistin Viera Janárcekovà interpretiert und uns dabei kennen und schätzen gelernt", verriet Bianca Breitfeld, die Cellistin. Sie lebt in Wiesbaden und hat in Mannheim und Frankfurt studiert. Heute ist sie freiberuflich tätig, spielt aber in mehreren Orchestern. "Ich gehe gerne auf Zeitreisen in der Musik. Es ist wichtig, die Wurzeln der Musik zu kennen, aber auch heutige Werke zu spielen", findet sie.

Komponistin zu Gast


Ein Überraschungsgast saß im Publikum: die Komponistin Viera Janárceková. An diesem Abend stand nämlich auch eine ihrer Kompositionen auf dem Programm: "Vier Tangomutanden". Die Komponistin stammt aus Prag, lebt aber schon lange in Bamberg. Ein Auftragswerk von ihr wird am 6. Juli bei der Internationalen Orgelwoche in Nürnberg aufgeführt: eine Orgelkomposition über ein Dürer-Thema. "Ich habe mir das Bild von den vier apokalyptischen Reitern ausgesucht", erzählte sie. Ihr Werk für diesen Abend wurde unlängst in Kassel bei der Verleihung des Literaturpreises für grotesken Humor aufgeführt. "Aber heute Abend erleben wir die erste öffentliche Uraufführung", erklärte Klaus-Dieter Stolper nach der Pause.

Schluchzendes Akkordeon


Gerhard Amend aus Höchstadt hat das erste Stück des Abends, ein Werk von Johann Sebastian Bach, am besten gefallen. "Besonders der zweite Satz war berauschend. Man hört die Polyphonie beim Akkordeon viel deutlicher als beim Originalinstrument, dem Cembalo", schwärmte er. Aber insgesamt müsse man sich an dieses andere, ganz neue Klangbild gewöhnen.
Der zweite Teil war dem Tango gewidmet. Dabei musizierten die Künstlerinnen mit vollem Körpereinsatz und gingen mit ihren Instrumenten fast an die Grenzen des Möglichen. Das Akkordeon schluchzte, schnaufte und machte "bellow shakes" (Balgschütteln - Balg sind die Falten zwischen dem Bassteil und der Melodietastatur). Das Cello ertönte sanft, aber auch aggressiv. Die Zugabe wurde wieder sanfter. "Nach so vielen aufregenden Tönen spielen wir noch etwas Ruhiges", meinte Stefanie Schumacher.
Ein eigenwilliges, interessantes, aufregendes, schönes, facettenreiches, kraftvolles und zum Teil auch anstrengendes Konzert. Die einen waren restlos begeistert, andere waren eher etwas skeptisch. So viele unterschiedliche Meinungen gibt es selten zu hören. Von dem Spiel der beiden Damen jedoch waren alle Gäste restlos begeistert.