Da sich ein Vereinsvorsitzender nicht selbst gratulieren und zum Ehrenmitglied ernennen kann, übernahm dies beim Krieger- und Soldatenverein in Münchaurach der Kassier Werner Volkert. Neben dem Vorsitzenden Günter Meidenbauer wurde bei der Jahresversammlung im Vereinslokal Deutscher Hof auch Georg Schmitt neues Ehrenmitglied. Der Verein kann mittlerweile auf eine 132-jährige Geschichte zurückblicken und ist damit der älteste Verein in Münchaurach, doch seine Zukunft ist ungewisser denn je.

Die Mitgliederzahl ist rückläufig, dem Verein gehören noch 53 Mitglieder an, davon 13 beitragsfreie Ehrenmitglieder. "In wenigen Jahren wird der Verein hauptsächlich nur noch aus Ehrenmitgliedern bestehen, die keinen Beitrag mehr zahlen müssen", meinte Vorsitzender Meidenbauer etwas sarkastisch. Dass die Kasse trotzdem noch ein Plus aufweist, ist den Spendern zu verdanken, erklärte Kassier Volkert bei seinem Kassenbericht. So lassen sich die Mitglieder bei runden Geburtstagen nicht lumpen und bedanken sich mit einer Geldspende für den Geburtstagsbesuch der Vereinsführung.

Wie Günter Meidenbauer erläuterte, habe die rückläufige Mitgliederzahl in den Ortsvereinen natürlich damit zu tun, dass junge Leute und auch Neubürger kein Interesse an den Vereinen im Ort haben. "Früher war das noch anders", sagte Meidenbauer, der ein "Aus" der Vereine in den Dörfern befürchtet. Er selbst kam 1974 aus Sulzbach-Rosenberg nach Münchaurach, arbeitete über 40 Jahre als Konstrukteur bei Schaeffler und trat 1979 dem Verein bei.

"Wenn man sich in einer Dorfgemeinschaft integrieren und dazu gehören will, wird man Mitglied in den Ortsvereinen", erklärte der mittlerweile 70-jährige Meidenbauer, der Mitglied beim Gesangverein ebenso ist wie bei der Feuerwehr und dem Sportverein. Ein Jahr nach dem Vereinsbeitritt wurde Meidenbauer als Vorsitzender gewählt und ist es nach 35 Jahren noch heute. "Ein Posten auf Lebenszeit", meinte er schmunzelnd.
Nicht nur Meidenbauer, auch die anderen langjährigen Mitglieder bedauern beim Wandel der Gesellschaft einen Verlust der früheren dörflichen Gemeinschaft. So sei es noch vor Jahren eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass die Vereinsvorsitzenden die entlassenen Bundeswehrsoldaten sehr energisch aufforderten, dem Krieger- und Soldatenverein beizutreten. Die Kriegervereine wurden nämlich nicht gegründet, um Kriege zu verherrlichen, sondern um den damals heimkehrenden Kriegsteilnehmern einen Ort der Kameradschaft zu geben und um die Familien der Gefallenen zu unterstützen.

Die Münchauracher, aber auch die umliegenden Kriegervereine dienen der Kameradschaft, einer Erhaltung des Brauchtums und nicht zuletzt der Bewahrung des Andenkens, für das in der modernen Zeit meist kein Platz mehr ist. Und Ziel dieser Vereine, so ist es auch meistens in den jeweiligen Satzungen vermerkt, ist die Versöhnung der Völker, die Bewahrung des Friedens und das Aufrechterhalten der Erinnerung an die Menschen, die im Krieg ihr Leben lassen mussten. Auch heute noch, viele Jahre nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, gelten diese Grundsätze für den Münchauracher Verein.

Schwierige Wahl steht bevor

Wie lange das in Münchaurach noch gelingt, will Meidenbauer nicht voraussagen. In der Jahresversammlung erklärte Zweiter Vorsitzender Ernst Volkert, dass er aus gesundheitlichen Gründen sofort aufhören will, und Schriftführer Fritz Röschlein kündete seinen Rückzug bei den Neuwahlen im nächsten Jahr an. Mehrheitlich wünschten die Mitglieder, dass Manfred Kreiner, der dem Verein bereits 40 Jahre angehört, das Amt des Zweiten Vorsitzenden bis zur Neuwahl kommissarisch ausübt.
Dass es mit Rücksicht auf die älteren Mitglieder zunehmend schwieriger wird, besondere Veranstaltungen zu organisieren, wollte Meidenbauer auch nicht verhehlen. Die früher beliebten Vereinsausflüge könnten nicht mehr durchgeführt werden, weil sich dafür nicht mehr genügend Teilnehmer melden.
So fiel auch der Vorschlag von Wolfgang Knobl, an den Jubiläumsfeierlichkeiten der Partnergemeinde Reichenfels in Kärnten teilzunehmen, nicht auf fruchtbaren Boden. "Das könnt ihr Leuten mit fast 90 Jahren nicht mehr zumuten", erklärten Alfred Heinze und Georg Nagel. Die Älteren seien sowieso in allen Vereinen und könnten, wenn sie sich rüstig genug fühlen, mit dem Bus der Gemeinde oder den anderen Vereinen nach Reichenfels fahren. Nichtsdestotrotz will sich die Vereinsführung nicht nur Gedanken über die Zukunft des Vereins machen, sondern auch mögliche Veranstaltungen planen, an denen auch weniger rüstige Mitglieder teilnehmen können.
"Wir sind kein militärischer Verein, sondern wollen die Erinnerung an den Tod der Soldaten aus Münchaurach aufrechterhalten, die Leiden bedenken und daraus lernen, damit dies nie wieder geschieht, denn das höchste Gut ist Friede und Freiheit", erklärte Meidenbauer. Deswegen sollte besonders auch bei jungen Menschen das Bewusstsein geschärft werden, dass Krieg und Radikalismus sinnlos sind und verheerende Folgen für das ganze Volk und das Heimatland haben. "Machen wir weiter, so lange es geht", meinte Meidenbauer in seinem Schlusswort.

Die Geehrten