Worte, die selbstbewusst sind: "In dieser Zeit wird die Kreativität gefordert und gefördert." Sebastian Oertel sieht die Coronakrise durchaus als Chance. Und er scheint recht zu haben. Zusammen mit Felix Flechtner und Florian Lickteig hat er das Modelabel "Flick and Kaxx" auf die Beine gestellt.

Ein Maßschneider, ein Grafiker und ein Wirtschaftler haben sich gefunden, um den Modemarkt zu erobern. Gestartet sind die drei im April, kurz nach den ersten kräftigen Einschränkungen im öffentlichen Leben wegen der Pandemie. Moderne Masken unter dem Kollektionsnamen Butterfly war die erste Idee, die damals umgesetzt wurde. Aus diesem Anfangsprojekt wurde dann aber deutlich mehr. Die drei liegen nicht nur modisch auf einer Wellenlänge, sie ergänzen sich und wetteifern im besten Sinne um gute Ideen, die sie umsetzen wollen. "Es ist darüber hinaus aber auch eine ganz besondere Freundschaft entstanden", fügt Oertel hinzu.

Vielleicht der Grund, dass die Kreativität einen so wichtigen Platz bei den Dreien einnimmt. Vielleicht auch der Grund, dass scheinbar leichtfüßig eine Idee nach der anderen umgesetzt wurde und wird. Regelmäßige, oft auch "nur" virtuelle Treffen, führen zu neuen Ideen, aber auch zur Philosophie des Unternehmens.

Bambus und Kaktus

"Die Nachhaltigkeit spielt für uns eine große Rolle", erklärt Flechtner. Der Maßschneider kennt sich aus in der Modebranche, die mit diesem Attribut oftmals nachlässig umgeht. "Wir nutzen Materialien, die nachwachsen, die nicht aus Kunststoff bestehen", erklärt er weiter. Materialien, die den Laien oftmals überraschen, weil man sie nicht sofort mit Stoffen in Verbindung bringt. "Wir arbeiten mit Stoffen aus Bambus zum Beispiel", erklärt Flechtner. Ein sehr leichtes, fast seidig wirkendes Material, das durch seine Eigenschaften besticht: hypoallergen wirkende Inhaltsstoffe, ein kühlender Effekt. Oder noch exotischer: Kleidung aus Kakteen.

Ein zweiter wichtiger Punkt, letztlich auch mit der Nachhaltigkeit zusammenhängend, ist der Umgang mit den Resten. "In der industriellen Fertigung landen die auf dem Müll", sagt Flechtner. "Es lohnt sich bei den Massenproduktionen nicht, diese wieder aufzubereiten", ergänzt Oertel. Bei Flick and Kaxx ist man mit diesem "Abfall" ganz anders umgegangen. Unisono sagen die Jungunternehmer: "Wir treffen uns und experimentieren." Und so kam Oertel auf die Idee, die Reste der Stoffe als neue Grafiken auf T-Shirts und Pullis aufzubringen. Zunächst ein Test, gar nicht daran glaubend, dass dies auch vermarktet werden könnte.

Bei einem Auftritt im sozialen Netzwerk Instagram stellte man diese drei geschaffenen Kleidungsstücke vor und -"Wir waren echt überrascht!", sagen die beiden - wurden diese auch direkt gekauft. "Das hat den Leuten gefallen." Einen Namen gibt es für die Kollektion bereits: Zero Waste. Kein Müll, in der Übersetzung. Mit dieser Idee werden einzigartige Stücke hergestellt, nichts gibt es doppelt. Und ja, die Modeverrückten bestätigen das im Gespräch: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!" Das heißt, dem Unternehmen Flick and Kaxx auf Instagram folgen, den Newsletter abonnieren, um die Chance zu erhalten, solche Einmaligkeiten zu erwerben. Auf flickandkaxx.com kann der Modeinteressierte sich aber auch die weiteren Kollektionen anschauen.

Fairer Lohn als Grundsatz

Ein letzter wichtiger Punkt ist die faire Bezahlung der Menschen, die an dem Produkt mitarbeiten. Felix Flechtner hält dies für sehr wichtig, da "die Modebranche die Branche ist, in der mit die schlechtesten Löhne bezahlt werden". Daher kostet ein T-Shirt bei den Dreien auch keine zwei Euro, wie in Billigläden. "Gute Qualität hat ihren Preis", da sind sie sich einig. "Wir müssen, da wir nicht mehr alles selber machen können, manche Aufträge an Schneider abgeben", erklärt Flechtner den Grund. "Und die werden eben anständig bezahlt!"

Es war mutig, in Corona-Zeiten zu starten und das Geschäft aufzuziehen. Die drei jungen Männer sind aber optimistisch. "Klar geht nicht alles", gibt Flechtner zu.

"Wir wollten im März mit einer Fashionschau rausgehen, das ist erst einmal verschoben." Aber die Zeit wird genutzt und weitere Ideen nehmen Raum ein, um umgesetzt zu werden.

Vor gut neun Monaten starteten sie mit modernen und gut tragbaren Masken. Daraus ist ein Unternehmen geworden, das auf Nachhaltigkeit setzt. Wenn auch die Kollektion "Zero Waste" heißt, die drei sind das krasse Gegenteil: "Full Energy!"