Bier ist immer dabei. Selbst, als am Abend der Kommunalwahl im März die Stadtratslisten sich im Rathaus versammelten, hatten die Mitglieder der Partei "Die Partei" eine Kiste Gerstensaft im Schlepptau. Und geworben wird unter anderem mit dem Slogan "Ein Herz für Biere".

Kein Wunder also, dass man sich am Samstag zur Gründung eines Kreisverbandes just auf dem Heller Keller im Herzogenauracher Weihersbach versammelte, obwohl der zu diesem Zeitpunkt gar nicht geöffnet hatte. Aber man hatte die Erlaubnis des Wirts, und das "richtige" Bier war selbstverständlich auch dabei.

Mit der Gründung eines Kreisverbandes wollen die Leute von der Satirepartei ihre Aktivitäten auch außerhalb Herzogenaurachs verstärken. Mittelfristiges Ziel ist es, 2026 in den Kreistag einzuziehen. Hierfür ist es erforderlich, im ganzen Landkreis bekannt zu werden. "Wir wollen uns vertraut machen", sagt Lunz. Was wäre da besser, als politisch tätig zu werden und an Wahlen teilzunehmen. Die nächste ist die zum Deutschen Bundestag, und da soll's einen Direktkandidaten geben.

Das sagte Marco Lunz, der bei der Gründungsversammlung zum Zweiten Vorsitzenden gewählt wurde. Zwölf Mitglieder, alle in jungen Jahren, hatten sich zusammengefunden. Dabei hätten drei Personen schon gereicht, sagte Lunz, der die Wahlen leitete. Die Gründung des Kreisverbandes braucht's, um zur Bundestagswahl antreten zu dürfen. Ob es da auch Mitglieder aus ERH auf der Landesliste geben wird, das steht freilich noch in den Sternen.

Im Moment bilden noch ausschließlich Herzogenauracher den Vorsitz des Kreisverbandes. An der Spitze steht der 24-jährige Hannes Link aus dem Ortsteil Haundorf, sein Vize ist Marco Lunz (33) und zum Dritten Vorsitzenden wurde Phillip Medina (31) gewählt. Dazu kommen noch die 23-jährige Laura Gehr aus Hammerbach als Gleichstellungsbeauftragte und Andreas Pfeiffer (24) als Politischer Geschäftsführer.

Sie wirken entschlossen, als sie zu den Klängen der Bundeshymne zur Tat schreiten. "Die Partei hat immer recht", heißt es da. Und alle singen mit. Bundesweit hat sich die Mitgliederzahl in den vergangenen sechs Jahren auf mehr als 42 000 Personen vervierfacht, den Einzug ins Europaparlament hat man schon zum zweiten Mal geschafft und bei der Landtagswahl in Bayern gelang es, die Stimmen zu verdoppeln. Das reichte zwar freilich bei Weitem nicht für die erforderliche Hürde, aber für Marco Lunz ist diese Aufwärtsentwicklung der Partei mehr als nur ein Achtungsserfolg.

Und bei der Stadtratswahl in Herzogenaurach verblüfften die zumeist jungen Leute trotz oder gerade wegen ihres provokanten Auftretens. Viele hatten der "Spaßpartei" noch nicht einmal zugetraut, die erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Das gelang dann zahlenmäßig problemlos, wenn auch zeitlich auf den letzten Drücker. "So ist halt unser Klientel", sagt Lunz mit einem Augenzwinkern. "Aber das Beste kommt ja immer zum Schluss".

Zur Wahl gingen die Anhänger jedenfalls zuverlässig und die "Partei" schaffte auf Anhieb einen Sitz im Stadtrat. Besser als die FDP und die AfD habe man abgeschnitten, bilanziert der 33-Jährige nicht ohne Stolz. Und die Erste Vorsitzende Gabi Bitter hatte schon vor Jahren festgestellt, dass man trotz der provokanten Wahlkampfthemen politisch durchaus ernsthaft agieren wolle. "Wir sind keine Spaßpartei", sagte die Gründerin des Ortsverbandes im Herbst 2018 , "wir sind eine Satirepartei."

Aber eben auch eine politische Partei. "Die Leute verstehen unsere Politik so langsam", sagt Lunz. Freilich hatte zur Stadtratswahl in Herzogenaurach noch der Klamauk überwogen. Einen Airbus statt der Stub forderten die Satiriker da zum Beispiel, oder eine Olympiade in der Sportstadt. Damals reagierten die Etablierten mit Kopfschütteln über die Vorgehensweise der "Neuen".

Das habe sich geändert, will Lunz beobachtet haben. "Die Kritik von anderen Parteien uns gegenüber ist leiser geworden", stellt er fest. "Man hört jetzt sogar verhaltenes Lob von den anderen." Tatsächlich gehört die Ein-Mann-Fraktion sogar der "Regierung" in Herzogenaurach an. Bürgermeister German Hacker hat Stadtrat Nikolai Schaufler nebst der SPD, den Grünen und dem FDP-ler in seine Gestaltungsmehrheit geholt.

Kürzlich wählte auch der Ortsverband Herzogenaurach einen neuen Vorstand. Gabi Bitter wurde als Erste Vorsitzende bestätigt, Marco Lunz ist auch hier neuer Vize. Sein Vorgänger Steffen Moroskow hatte nicht mehr kandidiert. Schatzmeisterin ist Laura Gehr.