Zur Einstimmung auf die Karwoche sollten sechs Stationen von Mitteldorf bis in die Kirche St. Josef angesteuert werden. Denn Glaube finde nicht nur in Kirchen oder hinter verschlossenen Türen statt, sondern überall, wo Menschen unterwegs sind. Wegen des unfreundlichen Wetters wollten die Jugendlichen es den Gläubigen allerdings nicht zumuten, den Kreuzweg zu Fuß zu gehen. Kurzerhand verlegten sie die Zeremonie in die Kirche.


Trauer, Leid und Hoffnung


Die jungen Leute stellten die vielseitige Bedeutung des Kreuzes in den Mittelpunkt. Denn es verbindet Trauer und Leid und ermutigt gleichzeitig zum Helfen. Das Kreuz Jesu hat auch eine Bedeutung für den eigenen Lebensweg in der heutigen Gesellschaft: In zwischenmenschlichen Beziehungen und sozialen Netzwerken erfordert es immer öfter mutige Handlungen, um Leid oder Bloßstellungen zu stoppen. Auf dem gemeinsamen Kreuzweg soll der Umgang mit solchen Situationen besprochen und der Glaube an Gottes Hilfe gestärkt werden.

"Macht euch zusammen mit uns auf den Weg und erlebt, wie es damals gewesen sein könnte", so lud das Jugendteam ein. Dabei hatten sie sich mit der Gemeindereferentin Schwester Claudia Fischer gut vorbereitet. Schließlich sollten Texte, Gebete und Lieder den Kreuzweg Jesu damals mit den heutigen Lebenserfahrungen in Beziehung setzen. "Der Jugendkreuzweg soll berühren und Mut machen", erklärte dazu Michael Schmidt vom Jugendteam.


Christlichen Glauben jugendgerecht dargestellt


Die Kirche St. Josef hatten die Jugendlichen ganz für sich. Sie waren frei, die Passionsgeschichte dort auf ihre Art mit Leben zu füllen. So wurden Antworten gesucht auf Fragen wie "Wer hat in der Gegenwart ein derart schweres Kreuz zu tragen, dass er unter der Last zerbrechen könnte?"

Das könnten ganz aktuelle Themen sein "wie zum Beispiel Mobbing in der Schule", erklärte Gesa Maischak. Auch Pfarrer Lars Rebhanr, der zu Beginn die Gläubigen in der Kirche begrüßt hatte, nahm an der Feier teil.

"Mit unseren Texten und Liedern machen wir den christlichen Glauben jugendgerecht, darstellbar und erlebbar", erzählte Alisa Zwingel am Keyboard. Man wolle mehr tun als dem Leiden Jesu zuzusehen. "Wir wollen berühren, Mut machen und spüren, dass Gott bei uns ist und bleibt, auch in unseren Fragen, unserem Leid."
Nach einem gemeinsamen Lied erinnerten die Sprecher an den Leidensweg Christi.


Einst eine Brücke zum Osten


Das Jugendteam Weisendorf besteht aus Jugendlichen zwischen 13 bis 25 Jahren. Die Gründung geht auf eine Zeit zurück, als Herwig Gössl noch Pfarrer war. Inzwischen ist er neuer Weihbischof in Bamberg.

Seit 1958 wird der Jugendkreuzweg gebetet, am Anfang als Brücke zwischen katholischen Christen in Ost- und Westdeutschland, seit 1972 wird er ökumenisch gestaltet. Inzwischen beteiligen sich weit über 6000 Gemeinden.