Es knackt und knirscht, als die Arme des Staplers unter die Paletten greifen und das Zwei-Tonnen-Monstrum langsam in die Höhe wuchten. Die Brettereinschalung der fabrikneuen Reinigungsmaschine kratzt an der Bordwand des Lastwagens, dann ist das Ungetüm frei und schwebt über der Ladefläche. Wenig später bugsiert es Peter Hammer hinüber zum Hintereingang zum neuen Domizil der Reinigungsfirma Möhrenschlager.

Es ist der lang ersehnte Tag der Lieferung. Seit Mitte Februar hat der Familienbetrieb nur noch mit fremder Hilfe seine Kunden bedienen können. Denn da musste man aus dem Haus am Ende der Würzburger Straße ausziehen. Verbunden war das mit dem Verzicht auf zwei alte Maschinen und den schon etwas bejährten Dampferzeuger, die alle am neuen Platz in der gleichen Straße, gegenüber von Puma, nicht mehr gepasst hätten. Das erforderte aber auch Neubestellungen, die etwas kleiner ausfielen.
Diese wurden teils spezial angefertigt und jetzt geliefert.
Über altes ausgetretenes Pflaster, und über Schotter bahnt sich Peter Hammer mit der Böwe M 15 auf dem Stapler zentimeterweise seinen Weg. Was einem unbedarften Betrachter bedenklich vorkommen mag, ist für den Fahrer der Spedition Nuss aus Wörth am Rhein kein Problem. "Seit 25 Jahren mach ich das nun", sagte er später, als die neue Maschine im Haus an Ort und Stelle steht. "Und ich hab noch nie was kaputt gemacht". Da ist auch Marion Möhrenschlager beruhigt, die das Manöver mit durchaus skeptischer Miene verfolgt hat. Endlich, denkt sie, ist die Zeit des Provisoriums vorbei. Und der Betrieb kann an neuer Stätte bald wieder sein Geschäft aufnehmen.

Dabei sind Marion und ihre Mutter Adelheid durchaus erleichtert, dass sie von Kollegen aus der Umgebung Hilfe bekamen. Denn während der letzten knapp vier Monate war man auf fremde Hilfe angewiesen, um die Kunden weiter bedienen zu können. Die Reinigungsbetriebe halfen großzügig und machten auch Sonderpreise, erzählte die Seniorchefin. Und Tochter Marion dankt besonders der Wäscherei Helfert aus Oberreichenbach. "Wäre die nicht gewesen, hätten wir jeden Tag nach Nürnberg fahren müssen".

Vier Monate den Laden schließen, das kam nicht in Frage. Dann wären viele Kunden womöglich abgewandert, auch wenn Möhrenschlager die einzige chemische Reinigung am Ort ist. Es genügte schon, dass das Personal ausgestellt wurde. Auch Marion und ihr Sohn Christian. Doch die fangen mit Seniorchefin Adelheid kommende Woche wieder an. Dann läuft der in drei Generationen arbeitende Familienbetrieb wieder auf Touren. "Und neues Personal brauchen wir dann auch", sagt Adelheid.

Für die Kunden geht die Zeit nun zu Ende, in der sie Geduld aufbringen mussten. In dieser Woche hat die Reinigung wegen des Einbaus der neuen Maschinen noch geschlossen, doch in Ausnahmefällen wird schon mal ein Auge zugedrückt. So wie bei dem älteren Herren, der "extra aus der Kantstraße hergelaufen" kam und sich partout nicht abweisen lassen wollte. "Was will man da machen?", fragt Marion und nimmt das Kleidungsstück entgegen. Anders reagierte eine Kundin aus Erlangen. "Ich hab das nicht gewusst, tut mir leid, sonst hätte ich Sie jetzt nicht gestört". Generell habe man viel Verständnis gefunden, auch wenn die Leute manchmal zwei- oder dreimal kommen mussten, weil der Auftrag noch ausstand. "Das ist halt, wenn man fremde Hilfe braucht", sagt Seniorchefin Adelheid.

Den Rest der Woche sind noch die Monteure vor Ort, um die Maschinen anzuschließen. Klaus Burghardt, der Nürnberger, kennt den Betrieb gut. Hat er vor 22 Jahren doch schon die ersten Maschinen am alten Standort der Möhrenschlagers angeschlossen. Er arbeitet für die Firma Böwe aus Bühl, die die neuen Maschinen angefertigt hat. Herzstück ist die große Maschine mit der Bezeichnung M15. 15 Kilogramm Bekleidung gehen da rein, das Trommelvolumen der fast zwei Tonnen schweren und gut zwei Meter hohen Maschine umfasst 300 Liter.
Es ist eine moderne Errungenschaft, die sich elektronisch auch schon mal übers Internet aus der Ferne steuern lässt und die den Einsatz des Lösungsmittels Solvon K4 zulässt. Und das soll so wirksam sein wie Per, dabei aber laut Anbieter ungiftig, halogenfrei und biologisch abbaubar sein. Auch hier beginnt am neuen Platz eine neue Zeit für den Herzogenauracher Reinigungsbetrieb.

Dabei freut sich Marion Möhrenschlager nicht nur darüber, dass man jetzt eine topmoderne Maschine hat. Auch deren Herkunft gefällt ihr durchaus. Sitzt die Firma Böwe in Bühl doch genau gegenüber dem dortigen Ina-Werk in der Georg-Schaeffler-Straße. Ein solcher Bezug zu Herzogenaurach ist da eine angenehme Begleiterscheinung.