Schluss mit lustig: Am Aschermittwoch waren die tollen Tage zu Ende und die Fastenzeit begann. Der Tag, an dem das närrische Treiben vorbei ist, markiert zugleich den Beginn der christlichen Bußzeit, aber heuer auch den Beginn der heißen Phase des Kommunal-Wahlkampfs. Traditionell trifft sich in Herzogenaurach am Aschermittwoch die SPD zum Heringsessen in der Brauereigaststätte Heller. Schräg gegenüber in der "herzoBar" (Altes Rathaus) ließen sich die Christsozialen den traditionellen Hering servieren.
Trotz des Wahlkampfs ging es beim Politischen Aschermittwoch, abgesehen von einigen Seitenhieben, in Herzogenaurach ziemlich ruhig und zahm zu. Schließlich hat sich in der großen Politik einiges verändert, in Berlin regiert die "GroKo", also die große Koalition aus CDU/CSU und SPD.

Breyers Seitenhiebe

"Es wäre kein politischer Aschermittwoch, wenn wir uns
nicht mit den Christsozialen auseinandersetzen würden", meinte SPD-Ortsvorsitzender Dieter Breyer, der sich einige Anmerkungen nicht nehmen lassen wollte. Unter anderem erklärte er die späte Nominierung des CSU-Bürgermeisterkandidaten Matthias Düthorn Mitte Oktober damit, dass die CSU so zweieinhalb Monate Zeit gehabt hätte, sich das Wahlprogramm der SPD anzueignen.
"Das Wahlprogramm der CSU ist ein Plagiat. Bei Plagiaten hat die CSU ja eine lange Tradition, und Tradition verpflichtet eben." Dafür gab es natürlich stürmischen Beifall. Im weiteren Fokus des Ortsvorsitzenden stand die öffentliche Fraktionssitzung der CSU, die sich mangels Interesse sicher nicht mehr wiederholen werde. Dann nahm sich Breyer den Kandidatenprospekt vor. So habe sich die CSU auf die Fahnen geschrieben, die heimische Wirtschaft zu stützen. "Deswegen haben sie den Prospekt in Backnang, ganz nah bei Herzogenaurach, drucken lassen."
German Hacker stellte die Kommunalpolitik in den Mittelpunkt seiner Rede. Der amtierende Bürgermeister ist sich sicher, dass die Bürger wissen, wer über sechs Jahre hinweg kontinuierlich für die Stadt gearbeitet habe. Das seien nicht jene, die glauben, "sechs Wochen vor der Wahl mal eben Staub aufwirbeln zu müssen und das dann Kommunalpolitik nennen". So gebe es einige, die fünfeinhalb Jahre nicht zu sehen gewesen seien, dann aber auftauchen, um zu verkünden, "dies und das besser zu wissen - und überhaupt wären die meisten Erfolge der letzten sechs Jahre durch sie entstanden, wie lächerlich", erklärte Hacker unter Beifall.

Düthorns Kritik

In der "herzoBar" stimmte Matthias Düthorn mit "Wir lassen das derb weg und beschränken uns auf den Schlagabtausch" die Zuhörer ebenfalls auf einen zahmeren Umgangston ein. Unter anderem prangerte Düthorn ein fehlendes Gesamtkonzept für die Innenstadt an, das von der CSU seit Langem gefordert werde.
Dass Herzogenaurach eine Schienenanbindung braucht, ist auch bei der CSU unumstritten, diese müsse attraktiv und finanzierbar sein. "Dennoch werden wir, im Gegensatz zum amtierenden Stadtoberhaupt, den Anschluss mittels einer S-Bahn prüfen lassen", erklärte Düthorn. Düthorn warf der Stadtratsmehrheit auch vor, dass zu den Einkaufsmöglichkeiten im Stadtsüden in den letzten Jahren nichts geschah.
Auch das "Theater" der Wahlplakatierung am Hinterausgang des Rathauses, als Plakatständer entfernt werden mussten, bezeichnete Düthorn als Kasperletheater. "Im Grunde sind das Kleinigkeiten, zeigen aber die Hilflosigkeit des amtierenden Bürgermeisters", konstatierte Düthorn.