Noch mehrere Tage nach dem großen Martinsfest in der Stadt, mit Lichterzug und Pferd, kochen die Emotionen hoch. Auf der Facebookseite des FT Herzogenaurachhat sich eine lange Debatte von Herzogenauracher Bürgern entwickelt. Tenor: Die Tradition muss beibehalten werden und darf nicht an "unverständlichen Sicherheitsbestimmungen" scheitern.

Zweiter Schwerpunkt der Diskussion: die bundesweite Diskussion über den Namen St. Martin. Auch die Muslima Nacera Rech spricht sich da klar für diese christliche Tradition aus. Eine Breitseite gibt es derweil für die Linkspartei, aus deren Reihen eine Abschaffung des Namens gefordert wurde.

Nacera Rech ist Muslima, stammt aus Algerien und lebt seit langer Zeit in Hammerbach. Die Journalistin und Frauenrechtlerin hat sich an der Debatte auf Facebook beteiligt und verdeutlicht, dass auch viele Moslems das traditionelle Fest begrüßen. Es sei bedauerlich, "dass in Zeiten, in denen so viel unternommen wird, um einen Bruch der Kulturen zu schaffen, die Politik solche billigen Mittel sucht, um den Bruch zu beschleunigen", stellt sie fest.

Es seien doch solche populistische Themen, die die Stammtische anheizen und das Miteinander verhindern würden, meint sie. Und: "In Zeiten der Globalisierung, der Krise und des Extremismus müssen sich vernünftige Leute mit jeglicher Art von unfruchtbarer Provokation auseinandersetzen. Alles andere bringt nur Unheil und Hass." Dem FT dankt sie, "uns hier erlaubt zu haben, die Richtigstellung anzustreben."

Öffnen bedeutet Mitwirken

Wenn man sich anderen Kulturen gegenüber öffnen will, dann steht das nach Ansicht von Nacera Rech weder für "sich ändern" noch für "verändern wollen". Sich öffnen stünde hier eher für Mitwirken und gegenseitige Befruchtung.

Sie selbst habe diese Erfahrung machen dürfen, sagt Rech, "sie ist mein eigentlicher Reichtum. Sich in zwei völlig unterschiedlichen Kulturkreisen, Sprachen, Sitten und Religionen sicher zu bewegen, ist meines Erachtens nicht nur ein Reichtum, sondern auch eine gesellschaftliche Bereicherung."

Die Muslima aus Hammerbach erklärt: "In vielen islamischen Ländern herrscht Krieg und Chaos." Der "arabische Frühling" habe weder Knospen noch Blüten hervorgebracht, er sei durch politische, geostrategische, ökonomische und religiöse Einmischungen zu einem frostigen Winter geworden. Rech: "Wir Moslems kennen am besten die Unterschiede der kanonischen Schulen. Wir Moslems kennen und verstehen am besten die religiösen Manipulationen, die zur Zeit die Gesellschaft unserer Heimatländern durcheinanderbringen und uns auch hier schon längst erreicht haben. Wir Moslems sollten vielleicht auch das Wort ergreifen und zur Aufklärung beitragen. Klischees und Anschuldigungen haften nur, wenn man sie nicht widerlegt."

Die Diskussion über die Abschaffung des Sankt-Martin-Festes sei auch nicht von den Moslems angestoßen, sondern ihnen angehängt worden, sagt die 61-Jährige. Dass sich auch der Zentralratsvorsitzende der Muslime für eine Beibehaltung der katholischen Tradition aussprach, habe "Gott sei Dank den eigentlichen Täter entlarvt".
Und dieser "Täter" darf sich unter den Diskutierenden einiges anhören. Rüdiger Sagel, der Vorsitzende der Linkspartei in NRW, war es, der sich dafür ausgesprochen hatte, die Sankt-Martin-Feier in "Sonne-Mond-und Sternefest" umzubenennen. Kindertagesstätten sollten muslimischen Kindern den christlichen Glauben nicht aufdrängen, war Sagels Begründung.

Was sagen die Facebook-Leser des FT? "Nee, so nicht. Irgendwann ist mal Schluss mit dem Bevormunden! Was kommt als Nächstes?" Das stellt Claudia H. fest. Anja H. bezieht sich auf den FT-Bericht über den Martinsritt und dankt: "Endlich hat es eine Muslima offen auf den Punkt gebracht. Danke an Frau Aysel Sandner."
Herbert S. nimmt auch zum Martinsritt in Herzogenaurach Stellung: "Meine Tochter war heute auch mit ihrer Kleinen auf dem St.-Martins-Zug - und siehe da, es waren auch weibliche Muslime dabei, die sogar in die Kirche gingen!" Der Schreiber drückt Respekt und Anerkennung aus und meint: "Ich denke, es sind gerade deutsche Politiker, die diese Diskussion anzetteln und Unruhe stiften wollen."

Anja H. ist die viel gescholtene Aussage des linken Politiker zuwider: "Das Einzige, was uns noch von den Zuständen der DDR trennt, ist, dass wir nicht hinter schwedischen Gardinen landen, wenn wir eine Meinung vertreten." Hier teilt sie die Meinung von "Ralf Glubberer", der sich "an die dunkelsten Zeiten der DDR" erinnert fühlt: "Alles wurde geregelt, verboten und verfolgt. Und wer dennoch aufbegehrt hat, wurde mundtot gemacht und denunziert. Weit davon entfernt sind wir nicht mehr."

Zustimmung bekommt er von Paul R.: "Was heißt hier: Weit sind wir nicht mehr entfernt? Wir sind schon viel weiter als in der damaligen DDR. Außer in der CSU hast doch in den anderen Parteien fast 70 Prozent aus den neuen Bundesländern."



Weitere Stimmen zum Martiniritt


Claudia C. Mit genug Sicherheitsabstand, einem ruhigen Pferd und erfahrenem Reiter funktioniert das sicherlich genauso gut wie bisher auch.

Michaela D. Aha! Jetzt haben sie wohl den massiven Gegenwind der Bevölkerung gespürt und sich fürs Zurückrudern entschieden. Wurde auch Zeit.

William Andy Wallace Eine Unterschriftensammlung, sonst werden wir völlig überrollt.

Christine S. Es ist einfach eine Frechheit, was man den Bürgern,vor allem den Kindern, hier antut. Sicherheit ? Seit 100 Jahren war das kein Thema, plötzlich die Erleuchtung?
Sandra S.: Die Leute sollten sich mal Gedanken über richtige Sicherheiten machen und nicht die Bräuche abschaffen, die es schon seit ewigen Zeiten gibt.

Internet Die ganze Diskussion zumThema finden Sie auf der Facebookseite des FT unter der Adresse: https://www.facebook.com/ERHft. Diskutieren Sie weiter mit!