Aus aktuellem Anlass, wenige Wochen vor der bevorstehenden Europawahl, lautete das Motto der Kundgebung "Europa, jetzt aber richtig".

In seiner Begrüßungs-Rede hob der DGB-Ortsvorsitzende Norbert Bechstein hervor, dass der 1. Mai der Tag sei, an dem die Arbeitnehmer den Kampf um ihre Rechte besonders sichtbar machen würden, in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt. In diesem Jahr gehe es dabei besonders um ein solidarisches Europa.

Europa müsse stärker denn je auf der Weltbühne Konfliktprävention betreiben, humane Verantwortung übernehmen und für soziale Gerechtigkeit eintreten. Ein starkes Europa bedeute aber auch ein anderes Europa, dem die Menschen wieder vertrauen können, weil es für sie selbst und nicht für die Märkte da sei.

Zukunftssorgen nehmen

Für die Gewerkschaften gelte es jetzt besonders, mit den Menschen zu reden, ihnen zuzuhören und sich ihrer Ideen anzunehmen. Sie müssten mehr denn je helfen, dass die Arbeitnehmer, die das Vertrauen in die Politik verloren hätten, wieder optimistisch in die Zukunft blicken können. Zukunftssorgen für sich und ihre Kinder entstünden daraus, dass sich die Arbeitswelt und die gesamte Gesellschaft, getrieben durch Globalisierung, Migration, Digitalisierung und Klimawandel, radikal in einem Umbruch befänden. Eine Kehrtwende hin zu mehr sozialen Rechten sei jetzt das Wichtigste.

Der Betriebsratsvorsitzende von Schaeffler Höchstadt, Roland Holler, ein Gewerkschafter mit jahrzehntelanger Erfahrung, hob in seinem Referat hervor, dass es jetzt darauf ankomme, nicht auf "Teufel komm raus" zu digitalisieren, sondern die Arbeitnehmer mitzunehmen und sie für die neuen Aufgaben zu bilden und zu qualifizieren. Holler sagte, wenn "jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben werde", komme es besonders darauf an, die Menschen zu befähigen, sich auf die Digitalisierung einzustellen und die neuen Prozesse zu verstehen und beherrschen zu lernen.

Nicht alles würden Computer übernehmen können. Der persönliche Kontakt sei nach wie vor das Allerwichtigste. Das setze natürlich bei den Arbeitnehmern die Erkenntnis voraus, dass sie sich selbst diesen neuen Anforderungen stellen müssten.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) legte den Schwerpunkt in seinen Grußworten auf ein gut aufgestelltes Europa. Die wirtschaftliche Entwicklung sei ohne europäische Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Doch würden noch viele Initiativen durch zu große Bürokratie gebremst. Digitalisierung gelinge nur, wenn die Bildung dabei Schritt halte. Digitalisierung müsse menschenfreundlich gestaltet werden. Gute Arbeit müsse man auch in der Brieftasche spüren.

Die Vertreter beider Kirchen, Dekan Kilian Kemmer und auch Gottfried Schlee, hoben ihr volles Verständnis und ihre Unterstützung für die neuen Prozesse in der Arbeitswelt hervor. Unter Beifall der versammelten Gewerkschafter stellte Dekan Kemmer fest, dass dieser Vormittag des 1. Mai auf dem Marktplatz für ihn Pflicht und Kür zugleich sei. Bei seinem kirchlichen Segen am gleichen Abend auf dem Marktplatz komme ihm die Wichtigkeit beider Veranstaltungen immer wieder in den Sinn. Es gehe um das Gleiche: um Solidarität und Mitverantwortung.