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Münchaurach
Mahnwache

"Wir machen schön, nicht krank": Fränkische Friseure halten Lockdown-Mahnwache

Friseure im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind verzweifelt. Mit einer Mahnwache machen sie auf ihre Situation aufmerksam.
 
Mit einer Mahnwache und Kerzen machte das "Haareck"-Team auf die Lage der Friseure aufmerksam. Foto: sae
Mit einer Mahnwache und Kerzen machte das "Haareck"-Team auf die Lage der Friseure aufmerksam. Foto: sae
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Die Spitzen schneiden, neue Frisur ausprobieren, den Bart trimmen: All das ist derzeit höchstens im heimischen Badezimmer möglich, denn die Friseursalons bleiben wegen des andauernden Corona-Lockdowns noch geschlossen. So wachsen die Haare - ungezähmt und ungeschnitten. Der Ärger darüber und die Sorge vor dem finanziellen Aus der Friseurbetriebe wachsen mindestens genauso schnell wie die Haarpracht.

Denn bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Pandemie dürfen die Friseure bundesweit nicht öffnen - eine Katastrophe für die Branche. "Wir machen schön, nicht krank und fehlen euch im ganzen Land." Mit diesem Slogan hat auch das Team vom "Das Haareck" in Münchaurach mit Grablichtern demonstriert, um auf seine Situation aufmerksam zu machen.

Friseure leiden unter Corona-Lockdown: Salon in Franken hält Mahnwache

Dass sie trotz strenger Hygienekonzepte geschlossen haben müssen, macht viele sprachlos. Die Corona-Maßnahmen machen es den Friseuren momentan unmöglich, ihrer Arbeit nachzugehen.

"Wir fühlen uns nicht unterstützt und in keinster Weise verstanden", meinen die beiden Geschäftsführerinnen Sabine Götz und Michaela Prücklmeier.

Der harte Lockdown wird verlängert - bis mindestens zum 14. Februar. Auch Friseur-Salons müssen weiterhin geschlossen bleiben, ebenso Kosmetik-, Nagel- und Sonnenstudios, Theater oder Baumärkte. Wann die Inhaber wieder öffnen dürfen, ist noch nicht bekannt. Aktuell gibt es keine konkrete Perspektive.

Strikte Hygieneauflagen und Adresslisten

Ginge es nach Michaela Prücklmeier und Sabine Götz vom Salon "Das Haareck" in Münchaurach, hätten sie und ihre Kollegen schon längst wieder losgelegt. Denn sie halten große Stücke auf die Hygienekonzepte ihrer Branche - und glauben nicht, dass sich Friseursalons zu Corona-Brennpunkten entwickeln könnten.

Das habe die Vergangenheit gezeigt. Sie wissen trotz bester Vernetzung von keinem Friseurbetrieb "wo eine Kundin sich angesteckt hat oder der Friseursalon geschlossen werden musste, weil sich Angestellte bei den Kunden angesteckt haben." Dass sie jetzt wieder schließen mussten, stößt auf Unverständnis bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Die beiden Friseurinnen verweisen darauf, dass alle Friseure strikte Hygieneauflagen befolgen, zu denen unter anderem auch die Auflistung der Kundenadressen gehört.

Für die Friseursalons war schon 2020 ein besonders hartes Jahr. Auch jetzt, im zweiten Lockdown, müssen ihre Salons geschlossen bleiben. Es ist ein Hin und her zwischen Rückschlägen und Zuversicht, wie das Beispiel aus Münchaurach zeigt.

"Es gab keine Probleme": Frust bei fränkischen Friseuren wächst

Denn die Haare wachsen auch im Lockdown. Wann Friseurinnen und Friseure wieder dagegen anschneiden dürfen, ist unklar. Sabine Götz und Michaela Prücklmeier vom Haareck und ihre Mitarbeiterinnen Pamela, Anita K. und Tanja sowie Anita H. in Aurachtal hoffen, dass ihre Zunft sobald als möglich wieder arbeiten darf.

In ihren Augen haben die Friseure vor dem Lockdown alles dafür getan, die vorgeschriebenen Hygieneregeln umzusetzen: "Es gab keine Probleme. Der Salon wurde sogar umgebaut, um die Abstände einzuhalten. Wahrscheinlich wird es nach der Corona-Pandemie weniger Handwerksbetriebe geben."

Der Frust unter den Friseuren ist gerade riesig: "Spahn hat im September noch gesagt, dass man mit dem Wissen von heute keine Friseure und Einzelhandel mehr schließen würde und doch sind wir seit Wochen wieder zu", sagt Sabine Götz ratlos. Überall lese sie derzeit, wie man sich seine Haare selbst schneiden und frisieren kann, während die professionellen Fachleute seit dem 16. Dezember 2020 die Hände stillhalten müssen. Sie wundert sich auch, dass die Fußballprofis, Politiker und selbst der Gesundheitsminister immer gestylt unterwegs sind. "Gleiches Recht für alle", lautet deshalb die Forderung.

Existenzangst

Sie fürchten aktuell um nichts weniger als um ihre Existenz. Die versprochenen Corona-Hilfen fließen sehr langsam und viele Betriebe fallen durch das Raster und auch ihr Antrag ist noch in der Bearbeitung. Wenn das so weitergeht, könnte es in vielen Salons dauerhaft zappenduster bleiben.

Mit Schrecken habe sie erfahren, dass Friseur-Schwarzarbeit aktuell sogar dreist auf Ebay angeboten werde. Doch für sie sei das keine Option. "Das kann ich nicht und mache ich auch nicht", erklärt die Friseurin klar und deutlich.