Den Anstoß für die Ausstellung hatte die Tatsache gegeben, dass Felix Müller vielen Herzogenaurachern gut bekannt war. So befinden sich viele seiner Werke hier in Privatbesitz und den Giebel des Gasthaus Krone ziert eine Maria mit Kind von seiner Hand, die im Jahr 2004 sogar für eine Ausstellung nach Neunkirchen am Brand abgenommen wurde.

Einer, der eine enge Verbindungen zu dem Künstler hatte, ist Hans Meister. Er erklärte, wie Felix Müller nach Herzogenaurach kam. Müller pflegte demnach eine intensive Bekanntschaft mit der Lehrerstochter Agnes Schürr, deren Familie im jetzigen Gebäude der Volkshochschule in der Badgasse lebte. Sie arbeitete Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in einer Bücherei in Nürnberg. Durch diesen Kontakt erwarben bereits in den 30er Jahren Herzogenauracher Werke von Felix Müller.

So Franz Engert, der Wirt der "Krone" in der Hauptstraße, der 1934 ein expressives Kreuz von Müller in seinem Haus aufhängte und die Aufforderung der Nazis "Das Kreuz muss 'raus!" mit den Worten "Der Herrgott bleibt do!" beantwortete. Von seiner Hand stammten auch vier Grabsteine des alten Friedhofs.


Bekannt durch den Feuerstein



Eine große Zahl von Freunden fand Felix Müller über den Feuerstein, den viele Herzogenauracher besuchten. Der Feuerstein war 1946 von der Erzdiözese Bamberg gepachtet und 1949 schließlich gekauft worden. Hier baute Monsignore und Diözesanjugendseelsorger Jupp Schneider ein Jugendzentrum für die Erzdiözese Bamberg auf. Da Schneider eine enge Freundschaft mit Müller verband, zierten seine Figuren Christophorus, David und Saul sowie im Burghof Paulus den Feuerstein. Schneider brachte auch vielen Besuchern des Feuersteins die Arbeiten von Müller nahe.

Hans Meister besuchte ab den 50er Jahren Müller mit dem Fahrrad in Neunkirchen am Brand, es entwickelte sich eine intensive Beziehung. "Meist hat er mir in der Küche, manchmal im Wohnzimmer seine Werke erklärt", erinnert sich Meister an diese Zeit. "Felix Müller sah als sein Gottesbild einen großen Schöpfergeister, der auf der Orgel seiner Schöpfung unendlich vollendete Melodien aber auch Dissonanzen spielt." In einem Brief an Karl Schwab schrieb er: "Es gibt keinen menschlichen Geist! Es gibt nur den Schöpfergeist, also das, was wir Gott nennen. Dieser Geist wohnt in uns, er baut auf, er zerstört und baut wieder auf. Alles geht von ihm aus."

Obwohl Müller im Alter mit seinem allgewaltigen Gott haderte, dessen Handeln ihm undurchschaubar und scheinbar sinnlos erschien, hoffte er auf einen Sinn des Lebens in der Liebe, wenn er sagte: "Der Glaube ist bestimmt aus der Hoffnung entstanden. Aber vor der Hoffnung ist die Liebe." Liebe und Tod sind seine großen Themen, berichtet Meister. Auch er besitzt Werke von ihm, so "Nocturno" als eine seiner vollendetsten Plastiken. Das Gemälde Kirschbaum erwarb er 1983. "Es hat mir gefallen und er hat grad die Laune gehabt, etwas zu verkaufen", meint Meister nur.


Liebe zur Kunst von der Mutter geerbt



Müllers Vater war Bahnbediensteter in Augsburg, die Kunstliebe kam von seiner Mutter, die er sehr geliebt hat und deren Familie bereits Hinterglasbilder gestaltete. Einen Teil der Kindheit verlebte der Künstler in Ottobeuren, was prägend für seine katholische Einstellung war. Einen weiteren Teil der Kindheit verbrachte er in Adelsdorf bei Langenzenn, wo seine Mutter als Bahnwärterin arbeitete.

Er besuchte nur die Volksschule, keine Akademie, schloss 1920 seine Ausbildung als Bildhauergeselle ab, besuchte Praktika bei den Brüdern Schiestl und arbeitete in einem Antiquitätengeschäft. Von 1927 bis 1997 lebte er mehr schlecht als recht als selbstständiger Bildhauer und Maler. Er blickte somit auf 75 Schaffensjahre zurück. Vom September 1997, also kurz vor seinem Tod, stammen seine letzten Arbeiten. Lichtenberg erinnerte auch an die enge Freundschaft mit Agnes Schürr, einer frühen Sammlerin seiner Werke. Über ihren Neffen Hubert Schaffer kamen Kunstwerke an das Museum in Neunkirchen. Als Expressionist kam er in Konflikt mit den Nazis. Ein Kreuzweg wurde aufgrund eines Hetzartikels im Völkischen Beobachter zerstört.

Auch nach seinem Einzug zur Wehrmacht im Mai 1940 hat er weiter als Künstler gewirkt, den Zeitumständen entsprechend als Zeichner auf schlechtem Papier. Als Kriegsgefangener hat er in Nordfrankreich Grabsteine geschaffen. Bereits 1946, als er noch dort in Gefangenschaft war, gab es in Bamberg eine Ausstellung mit Werken von Agnes Schürr.



Öffnungszeiten



Ausstellung vom 25. Februar bis 15. April. Donnerstag von 17 bis 20 Uhr;Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr

Führung durch Peter Lichtenberger am Sonntag 26. Februar und 1. April um 15 Uhr.