Der Direktor der Berufsschule in der kroatischen Partnerstadt Nova Gradiska kennt Herzogenaurach und seine Firmen seit mehr als zehn Jahren. Damals waren seine Schüler zu einem Schnupperaufenthalt nach Franken eingeladen worden. Was wenige Jahre nach dem Krieg für die Kroaten noch schwierig war, ist heute kein Problem mehr. Im Gegenteil: Jetzt, da das Land sich anschickt in die Europäische Union (EU) einzutreten, werden Lehrreisen sogar über europäische Mittel finanziert.

Mijo Matosevic eilte dieser Tage gemeinsam mit Marco Loncar, einem Mitbürger aus "Nova", der in Herzogenaurach lebt, in die fränkische Partnerstadt, um die Modalitäten zu besprechen. Bei Bürgermeister German Hacker (SPD) sprachen die beiden gemeinsam mit Altbürgermeister Hans Lang (CSU) vor, zwei Firmen wurden besucht (Schaeffler und Weiler) sowie die Lebenshilfe und an der Berufsschule war man natürlich auch.

Geplant ist, etwa im Oktober zwei Wochen lang 24 Schüler von der größten Berufsschule aus der kroatischen Partnerstadt in Herzogenaurach aufzunehmen. Sie sollen in zwei Gruppen untergebracht werden; die technisch interessierten Jugendlichen werden an CNC-Maschinen der Firma Schaeffler unterrichtet, andere Schüler aus dem Gastronomie-Bereich besuchen die Lebenshilfe. Dort werden sie in der Küche eingesetzt. Dieser Gruppe gehören auch junge Menschen mit Lernbehinderung an. Die Ausbilder der beiden Stellen haben ihre Zusage bereits gegeben. Die Schüler gehören der Schule "Industrijisko Obrtnicka Skola Nova Gradiska" an. Dort werden insgesamt 622 Schüler unterrichtet.


Leonardo-Fond


Etwa 30 000 Euro wird das Praktikum kosten. Den Betrag übernimmt die EU komplett über den Fond "Leonardo da Vinci". Dieser richtet sich besonders an Berufsschulen.

Marco Locar gilt ebenso wie Hans Lang als einer der treibenden Kräfte der Städtepartnerschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Er begleitete Matosevic aufs Rathaus. Die Stadt werde den Aufenthalt der jungen Kroaten selbstverständlich mit einem Programmangebot begleiten, sagte Bürgermeister Hacker.
Bis zum 3. Februar muss der Antrag eingereicht werden, damit man noch in den Genuss der Förderung kommt. Bis zum Juni rechnen die Kroaten mit der Genehmigung, so dass das Praktikum im Herbst dann über die Bühne gehen kann.

Dass der Antrag auf Bezuschussung bewilligt wird, davon gehen die Organisatoren fest aus. "Das hängt auch mit dem bevorstehenden Beitritt Kroatiens zur EU zusammen", sagte Altbürgermeister Hans Lang. Am 22. Januar ist ein Referendum, bei dem die Bevölkerung über den Beitritt abstimmen muss. Matosevic rechnet fest mit 60 Prozent.

Der Bürgermeister von Nova Gradiska, Josip Vukovic, hat unterdessen ein weiteres Amt angetreten. Der Sozialdemokrat ist in den Landtag gewählt worden.