Wer denkt, er könne die Bürokratie überlisten und sämtlichen Unrat in die Restmülltonne werfen, wird im Landkreis Erlangen-Höchstadt eines Besseren belehrt. So kann es passieren, dass auf der Restmülltonne ein gelber Aufkleber angebracht wird oder im schlimmsten Fall die Abfallwirtschaftsberatung vor der Tür steht.
In Falkendorf waren Sarah Weber von der Abfallwirtschaftsberatung und die nebenberufliche Abfallberaterin Gabriele Karisch unterwegs und lüfteten die Deckel der zur Abfuhr bereitgestellten Restmülltonnen. Die gute Nachricht zuerst: Es wurden keine gravierenden Verstöße festgestellt, aber einige "Gelbe Karten" mussten dennoch verteilt und an die Tonne geklebt werden.

Der Versuchung, die vorschriftsmäßige Mülltrennung zu ignorieren, sollte man zumindest im Landkreis Erlangen-Höchstadt tunlichst widerstehen.
Die Abfallwirtschaftsberatung des Landkreises kontrolliert, was die Bürger in die Mülltonnen werfen.

"Wenn Einzelne aus Bequemlichkeit Restmüll in Biotonne oder Wertstofftonne werfen, geht das auf Kosten aller. Und diejenigen, die sauber trennen, werden bestraft", erklärte Gabriele Karisch. Bei der Tour durch die Straßen in Aurachtaler Ortsteil Falkendorf hatten die beiden Abfallberaterinnen die Restmülltonnen im Visier.

Die meisten Menschen seien umweltbewusster geworden und es werde größtenteils schon sauber getrennt, berichtet Karisch aus ihren Erfahrungen. Dass trotzdem Reste, die eigentlich in die Biotonne gehören, ebenso im Restmüll landen wie Heckenschnitt und Kartons, war den beiden Abfallberaterinnen ein Dorn im Auge.
Trotzdem hieß es dazwischen immer wieder mal von Gabriele Karisch: "Da wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst" und sie nahm sich die nächste Tonne vor. "Da ist mit Sicherheiten unten was drin" meinte sie, als die Maden unter dem Deckel hervorkrabbelten. Natürlich wühlte sich Karisch nicht bis zum Boden der Tonne, sondern nahm höchstens die oberen gefüllten Plastiktüten weg oder riss sie auf.


Fehlwürfe

Wenn ihr die Dinge dann doch zu viel wurden - sei es Obst, Küchenabfälle oder Brötchen, was eigentlich in die Biotonne oder auf dem Kompost gehört - , gab es einen gelben Aufkleber und die Besitzer wurden daran erinnert, dass dieser Abfall nicht in den Restmüll gehört. Vereinzelt waren auch Verpackungsmaterial oder Verpackungen zu finden, die in den Gelben Sack gehören.

"Das gehört eigentlich nicht da rein, die Dinger finde ich ständig", meinte Karisch und zeigte auf die Innenhülsen der Klopapierrollen. Das sei reine Bequemlichkeit, schob sie noch nach.

Nach den Erfahrungen der Abfallwirtschaftsberatung landen immer noch zu viele Wertstoffe in den Restmülltonnen, denn neben dem Gelben Sack gibt es in jeder Gemeinde Wertstoffinseln und Elektrogeräte werden auf den fünf Wertstoffhöfen des Landkreises und der Umladestation in Erlangen kostenlos entgegengenommen.
"Wir wollen die Leute nicht bestrafen, sondern sensibilisieren, denn die Müllgebühren sollen ja erträglich sein und können nur gehalten werden, wenn die Bevölkerung auch mitmacht", meinte Sarah Weber.

Viele Bürger sind vielleicht auch unsicher, was nun wo hingehört. Glasflaschen zum Beispiel dürfen natürlich nicht in den Restmüll, sondern in den Glascontainer. Gingen Flaschen oder Gläser zu Bruch, die Scherben müssen in den Restmüll. Auch Metall- oder Aludosen gehören nicht in den Restmüll. "Bei den Katzenfutter-Dosen verschätzen sich die Leute", meinte Karisch. Denn diese seien aus Alu und damit ein Wertstoff.

Bei übervollen Tonnen gab es einen grünen Aufkleber mit dem Hinweis, dass die Tonne gegen eine größere ausgetauscht werden solle und möglicherweise nicht mehr geleert werde. "Bis 15 Zentimeter geht gerade noch", meinte Karisch und half dann schon mal nach und presste den Müll noch etwas nach unten.

Übervolle Tonnen passen möglicherweise nicht in die Schüttvorrichtung des Müllfahrzeuges und könnten brechen. Während des Rundgangs notierte sich Sarah Weber die defekten Tonnen. "Die verschwindet bei der nächsten Leerung im Laster", sagte sie und deutete auf eine abgebrochene Halterung.


Kostenlose Säcke

Gefüllte Säcke sollten nicht auf den Tonnen liegen, sondern danebengestellt werden. Da kon
nten die beiden Abfallberaterinnen auch einer Anwohnerin helfen, in derer Familie aus medizinischen Gründen spezielle Abfallsäcke anfallen. Sarah Weber empfahl der Frau, mit einem Attest vorzusprechen. Dann gibt es die Säcke kostenlos.

Die Abfallberaterin verweist bei Unsicherheiten auf die Abfallfibel oder Abfallwirtschaftsberatung des Landkreises als Ansprechpartner. Sie ist zu erreichen beim Landratsamt Erlangen-Höchstadt, Schloßberg 10 in 91315 Höchstadt a. d. Aisch, oder auf www.erlangen-hoechstadt.de/abfall/ansprechpartnerinnen.html