Es passte alles zum dritten kulturoffenen Samstag in Herzogenaurach - das Wetter ebenso wie die Aktionen der acht teilnehmenden Einrichtungen. In der Stadt waren den ganzen Abend über Familien und Gruppen unterwegs, um zuzuhören oder sich an den Aktionen zu beteiligen. Besonders die Kinder hatten viel Spaß. Im Stadtmuseum lauschten sie, auf weichen Kissen sitzend, den Lesungen. Vorleserinnen unterhielten die jungen, und aber auch älteren Besucher mit Geschichten und zweisprachigem Bilderbuchkino.

Weit zu hören war die VHS-Band "You can rock", die im Garten der Volkshochschule ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierte. Die Zuhörer waren von den beiden Auftritten der Gruppe begeistert. Wer Lust hat, mitzumachen, kann das gerne tun. Darauf machte VHS-Leiter Oliver Kundler aufmerksam, der selbst mitspielte. Zwischen den Auftritten der Band referierte Naturwissenschaftler Gerhard Philipp über "Higgs-Teilchen" und über die Frage: "Was ist Dunkle Energie?"

Im Kunstraum hatte der Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins, Manfred Braun, gleich zu Beginn des Abends einen Glücksmoment. Bei einer Versteigerung konnten vier überdimensionale Turnschuhe, die einst als Kunstwerke die Stadt geschmückt hatten, an den Mann gebracht werden. Die Einnahmen werden für den Umbau der Beleuchtung im Kunstraum verwendet werden. "Kunst braucht auch Licht, um richtig dargestellt zu werden", erklärte Braun den Besuchern. Der Verein bot auch eine Mitmachaktion, Bilder konnten mittels Glasmurmeln, jedes ein Unikat, selbst gestaltet werden, außerdem konnten Drucke gefertigt werden.

Besonders schöne, aber auch wertvolle Skulpturen des Schnitzers Dieter Frank präsentierten die Krippenfreunde in der Krypta der Stadtpfarrkirche St. Magdalena. Sie rückten die Krippendarstellungen ins rechte Licht und ließen passende Melodien dazu laufen.

Nicht weit entfernt hatte das Stadtmuseum geöffnet und bot besondere Einblicke in eine unbekannte Welt. Es gab Aktionen für Kinder, die sich das Angebot nicht entgehen ließen, aber auch ein spannendes Programm für die Großen. Ein ungehobelter und schlecht gelaunter Hausmeister, der sich Krause nannte, führte die Besucher durch die Räume. Krause, dargestellt von der Herzogenauracher Schauspielerin Maria Saris, polterte gleich zu Beginn los. Erst nach und nach begriffen die Kinder, dass das eigentlich dazugehört, weil sich Krause selbst auf die Schippe nahm. Krause hatte natürlich von den ausgestellten Exponaten keine Ahnung, das wussten sogar die Kinder besser und vor allem Ratz-Fatz, die schlaue Museumsmaus, die Krause immer wieder aus der Patsche half.

Beschaulich ging es beim Heimatverein zu. In der gemütlichen Stube ging es um fränkische Geschichten und Ausdrücke, um was sonst auch. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Klaus-Peter Gäbelein, entführte die Besucher in die Vergangenheit der fränkischen Sprache. Na gut, die Einheimischen wussten mit vielen Ausdrücken etwas anzufangen, eine junge Besucherin aus Shanghai hatte es da schon etwas schwerer.

Ein kultureller Leckerbissen wurde in der Marienkapelle geboten: "Die heilige Cäcilie oder Die Macht der Musik" von Heinrich von Kleist. Die Schauspielerin Patricia Litten erzählte diese wundersame Novelle, die zur Zeit der Bilderstürmerei spielt, in drei verschiedenen Etappen, jeweils aus einer anderen Perspektive. Gleichzeitig ließ die Musikerin Anna Trantow die Macht der Musik erspüren. Es ist die Geschichte vierer Brüder, die an ihrem Vorhaben, das Kloster der heiligen Cäcilie dem Erdboden gleich zu machen, gehindert werden. Wodurch ihr blindwütiger Fanatismus gestoppt wird, erzählt Heinrich von Kleist in seiner unvergleichlichen Sprache.

In der evangelischen Kirche in der von-Seckendorff-Straße stand ebenfalls die Musik im Mittelpunkt des Kulturabends. Der Abend begann mit "Martin Luther und die Musik". Im jeweils halbstündigen Wechsel gab es Orgelmusik aus dem Leben und Lieder von Paul Gerhard oder Gerhard Tersteegen, der Flötenkreis hatte einen Auftritt und der Abend schloss mit Gerald Fink und einem offenen Singen.

Helmut Biehler vom städtischen Kulturamt, der ständig zwischen den Stationen pendelte, zog schon Mitte des Abends ein positives Fazit. "Heute ist im Städtla einiges mehr los und die Besucher nehmen das Angebot an", freute sich Biehler über die gute Resonanz.