Das Betreuungsgeld spaltet die Nation. Die Regierungskoalition wackelt und knirscht, bevor der Beschluss gefasst wird, dass es für Eltern, die bei ihren Zwei- und Dreijährigen zuhause bleiben, erst 100 Euro und dann 150 Euro Betreuungsgeld monatlich geben soll. Auch bei den Eltern im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist die Meinung zum Betreuungsgeld geteilt.

Bianca Alberti mit Tochter Lilli aus Adelsdorf sagt: "Wir haben, Gott sei Dank, schon einen Krippenplatz für unsere Lilli. Sie ist jetzt neun Monate alt. Ab 1. September 2013 kommt sie in die Kinderkrippe und ich fange am 1. Oktober 2013 wieder an zu arbeiten. Das stand schon lange vor diesem Beschluss fest. Aber wegen des bisschen Geldes würde ich bestimmt nicht zu Hause bleiben. Wenn man voll arbeitet, kriegt man mehr und kann somit locker den Krippenplatz berappen!"

Doris Maier mit Fabian (6 Jahre) und Jannik (8 Jahre) aus Aisch äußert sich so: "100 Euro wären mir zu wenig. Es ist schon toll, dass was gemacht wird; aber dann müsste der finanzielle Anreiz größer sein. Wenn die Leute arbeiten, verdienen sie mehr. Ich hatte mich mit meinem Mann schon vor Jahren abgesprochen, dass ich auch ohne finanzielle Hilfe zu Hause bleibe und habe es nicht bereut." Jannik
fügt strahlend hinzu: "Es ist schön, dass unsere Mama daheim ist!"

Nadja und Dominik Bäuml mit Henrik aus Höchstadt meinen: "Ich bin seit 17 Monaten zu Hause und ich würde dieses Geld schon ganz gerne nehmen. Natürlich wäre es bei einem Vollzeitjob zu überlegen, ob man dann nicht doch lieber arbeitet, denn 100 Euro und später 150 Euro sind eigentlich sehr
sehr wenig! Für mich gehen die Kinder vor. Ich bleibe auf alle Fälle - mit oder ohne Geld - zu Hause!"

Hannes Nietsch aus Wachenroth ist 13 Jahre und hat sich erst jetzt mit seiner Mutter Gedanken um das Betreuungsgeld gemacht. Sie meint: "Es sollten nur Frauen erhalten, die auch schon vorher berufstätig waren! Ich würde es nicht in Anspruch nehmen wollen, denn wenn ich zwei Jahre mit der Arbeit aussetzen würde, hätte ich es ja später schwerer, wieder in den Beruf einzusteigen. Und ganz ehrlich - 100 oder später 150 Euro wären mir definitiv zu wenig!"

Hilde Zenk, Lehrerin aus Höchstadt, sagt: "Für 100 Euro würde ich es nicht machen. Im Grunde ist der Ansatz okay, aber wenn man einen guten Job hat, kriegt man ihn vielleicht nach der Elternzeit nicht mehr wieder. Dafür ist der finanzielle Anreiz zu gering. Für Leute, die eh keinen Job haben, sind diese 100 Euro ja ganz nett, und wenn der Ehemann gut verdient, könnte die Frau schon zu Hause bleiben. Mir fiele aber - so nebenbei - die Decke auf den Kopf! Natürlich will der Staat so Krippenplätze sparen - aber andererseits soll die Ganztagsschule forciert werden. Irgendwas passt nicht!"