Konrad Zuse und der PC: Die beiden mochten sich nicht!" Kaum zu glauben, diese Aussage von Horst Zuse, ehemaliger Professor für Softwaremanagement an der Hochschule Lauwitz und Privatdozent an der Technischen Universität Berlin. Denn sein Vater gilt als Computer-Vorreiter, der den ersten automatisierten, funktionsfähigen Rechner erfunden und gebaut hat. "Er hat in den 70ern einen Siemens-Computer geschenkt bekommen, den er nie angerührt hat. Seine eigenen Maschinen hat er mehr geliebt", erklärt Horst Zuse.

Zu den "eigenen Maschinen" von Konrad Zuse gehörten bis 1945 die Rechenmaschinen Z1 bis Z4, wovon nur das Z4-Modell im Zweiten Weltkrieg geschützt werden konnte, vor der Flucht seiner Eltern aus Berlin nach Bayern. Das Z3-Modell hat Konrad Zuse allerdings in den Computer-Olymp katapultiert, gilt es doch als die erfolgreiche Umsetzung des ersten programmierbaren Rechners. Und dass, obwohl er eigentlich leidenschaftlicher Künstler war: Karrikaturen und Aquarellzeichnung sind heute noch in Museen ausgestellt.

Und was steckte hinter der Idee von Zuse? Im Maschinenbau-Studium hat sich sein Zuses Vater über stupide Rechnungen geärgert: Das muss auch einfach er gehen, so sein Gedanke. Faulheit also hat zum ersten programmierbaren Rechner geführt, das sah Konrad Zuse auch so. "Den völlig verdutzten Eltern hat er 1935 erklärt, dass er das Wohnzimmer als Rechner-Werkstatt benötigt. Sie haben zugestimmt."

Mit der Zustimmung der Eltern konnte Zuse mit seinem Projekt anfangen: Für die Z1 wurden 36 000 Blechmodelle verwendet, die er selbst aussägte und im Wohnzimmer mit Studienfreunden verarbeitete.

Diesen komplizierten Bauprozess wollte sein Sohn nachvollziehen: Gesagt, getan! Vor einigen Jahren hat Horst Zuse in seiner Berliner Wohnung das Z3-Modells seines Vaters als Z3r nachgebaut. "Ohne einen Fahrstuhl für die Lieferung der Bauteile in den fünften Stock", grinst Zuse.

Am Gymnasium Höchstadt, wo sich Horst Zuse in Anwesenheit des Bürgermeisters Gerhard Brehm (JL) ins Goldene Buche der Stadt einträgt, möchte er den Schülern selten geläufiges Wissen vermitteln: Wie ein Speicher aussieht, zum Beispiel. Denn nur so kann man verstehen, wie der eigene Computer tickt, und sich weiterentwickelt hat. Was der USB-Stick heute leistet, dafür waren in der Vergangenheit mehr als 300 000 Speichertrommeln notwendig. Auch der Direktor am Regionalen Rechenzentrum in Erlangen, Gerhard Hergenröder, bemängelt: "Die wenigsten lernen programmieren."

Ob sein Vater den Siegeszug des Computers geahnt hat? Seine Bedeutung für die Wissenschaft, ja, ist sich Zuse sicher. Von Smartphones und Tablets war 1945 noch nicht die Rede. Alicia Göpner