Die Biergartenzeit ist zwar definitiv vorbei, aber dennoch ist Axel Deistler erleichtert. Endlich ist die Genehmigung für seinen Biergarten ins Haus geflattert, wenn auch spät. Damit scheint eine monatelange Odyssee ein Happy-End gefunden zu haben.

Deistler ist der Wirt der Steakbar "Kleine Welt", und das seit 25 Jahren. Im April hatte er im Rathaus einen Bauantrag eingereicht, um angrenzend an sein Lokal an der Schütt einen Biergarten zu schaffen. Dieser Platz entstand durch den Abriss zweier baufälliger Nachbargebäude. Der Bauausschuss des Stadtrates schloss sich dem Gesuch an, doch der Antrag blieb monatelang im Landratsamt hängen. Erst vor wenigen Tagen traf die Genehmigung nun ein. "Wir dürfen Ihnen mitteilen, dass die Genehmigung für Ihr oben genanntes Vorhaben erteilt wurde", heißt es in dem Schreiben.
Mit "oben genannt" war das Bauvorhaben "Neubau eines Biergartens mit Parkplatz" gemeint.


Ein Lärmgutachten

"Wir mussten ein Lärmgutachten erstellen", sagt Deistler im FT-Gespräch. Das habe Zeit in Anspruch genommen. Letztlich habe man nachweisen können, dass ein Lärmpegel von 50 Dezibel eingehalten wird. Damit liege das Vorhaben noch zehn Dezibel unterhalb der üblichen Grenze. Außerdem waren laut Deistler noch weitere kleinere Auflagen zu erfüllen. Und besonders genau hat die Behörde offenbar deshalb hingeschaut, weil ein Nachbar mit dem Vorhaben nicht einverstanden ist. Der zuständige Mitarbeiter am Landratsamt war für den FT am Freitag für eine Stellungnahme aber nicht zu erreichen.

Der 47-jährige Gastronom möchte mit dem Biergarten seinem Publikum die Möglichkeit geben, im Sommer im Freien zu speisen und zu trinken. 60 Sitzplätze sind eingeplant. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern lassen sich diese "großzügig und gemütlich" gestalten, wie der Herzogenauracher feststellt. "Wir bekommen ruhige Bereiche, mit Grün dazwischen", sagt er. Eben eine Atmosphäre, wie sie die Kunden einer Steakbar schätzen. Und: "Wir wollen kein Kirchweih-Remmidemmi mit gröhlenden Gästen."


Zuspruch auf Facebook

Das Angebot bleibt das gleiche wie im Lokal auch. Nur dass außen offen gegrillt werden soll. Ein Smoker und verschiedene Grills stehen zur Verfügung, auch plant Deistler zusammen mit seiner Frau Daniela Kraft an den Samstagen Themenabende. Da gibt's dann auch mal Fisch oder Lamm. Es soll also ein Biergarten werden, in dem es "nicht nur Bratwurst und Sulze, sondern mal was ganz anderes" gibt.

Auf Facebook ist inzwischen durchgesickert, dass die Genehmigung vorliegt. Viel Zuspruch hat sich da bereits abgezeichnet, offenbar warten die Gäste sehnlichst auf den Startschuss. "Glückwunsch, endlich" heißt es da auf der Seite des Lokals, "Halleluja" jubiliert eine Herzogenauracherin und aus der Ferne kommt ein "Super, freut mich sehr für Herzi". Ein Kollege aus der (gehobenen) Gastronomie stellt gar fest: "Eigentlich müsste man dir noch Geld dazu geben für die ganze Mühe und den Ausfall, den du für diese Saison schon gehabt hast."

Für Deistler ist der Biergarten auch eine Aufwertung des Straßenzugs an der Schütt. Das Areal liegt nahe der Steinernen Brücke und direkt an der Aurach am Ende der Straße, die durch die Stadt im kommenden Jahr saniert und neu gestaltet wird. Es soll ein schönes Tor zur Altstadt werden, sagt der Bauherr und bezieht sich auf die Pläne aus dem Rathaus. Dort will man diese Innenstadtachse aufwerten und attraktiver machen. Der Biergarten dürfte sich dort gut einfügen. Etwa 60 Lorbeerbüsche als Eingrenzung und drei neu gepflanzte Winterlinden sorgen für Grün, während Deistler selbst auch viel an der Fassade verschönert hat. 60 000 Euro habe er in seinen Biergarten schon gesteckt, sagt er. Somit ist über den Sommer hinweg, Woche für Woche, ein Schandfleck verschwunden, der sich nicht in das künftig gewünschte Bild der Schütt eingefügt hätte. Erst marode Abbruchhäuser, dann ein Platz voller Bauschutt - das ist Vergangenheit.


Einstimmung zum Advent

Wann aber geht's los? Die Biergartensaison beginnt erst im kommenden Jahr, aber zur Einstimmung will Deistler bereits an zwei Adventsabenden öffnen. Feuerzangenbowle und hausgemachten Glühwein, spezielle Bratwürste und vor allem weihnachtlicher Chorgesang sollen einen ersten Eindruck geben.

Im Herzogenauracher Bauausschuss war das Vorhaben im April durch die Bank begrüßt worden. Einziger Kritikpunkt war für einige Mitglieder damals die Zahl der geplanten Stellplätze. Das Grundstück sei groß genug, um genügend parkende Fahrzeuge unterzubringen, sagte Deistler im FT-Gespräch.