Als Ille Prockl-Pfeiffer vor dreieinhalb Jahren Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes wurde, hat sie sich ein Ziel gesetzt. Man wolle nicht nur kirchenpolitisch, sondern auch überhaupt politisch aktiver werden und Zeichen setzen. Beim "Equal Pay Day", der sich für eine gleiche Bezahlung von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern einsetzt, hatten die Frauen im vergangenen Jahr erstmals teilgenommen. Gestern, am Valentinstag, folgte der zweite Streich.

Herzogenauracher Frauen nahmen an der weltweiten Aktion "One Billion Rising" teil. Die Kampagne fordert ein Ende der Gewalt gegen Frauen sowie Gleichstellung und Gleichberechtigung. Am Valentinstag waren weltweit eine Milliarde Frauen dazu aufgerufen, gemeinsam öffentlich ihre Solidarität zu zeigen und gemeinsame Kraft zu demonstrieren.

In Herzogenaurach waren es nur 17 Frauen - immerhin "eine kleine aber feine Gruppe", wie es die Initiatorin beschrieb.
Aufmerksamkeit erregten die Frauen allemal, als sie mit Trillerpfeifen, Getrommel und in leuchtendem Orange vom Kirchenplatz zum Marktplatz zogen. Diese Farbe hatte Prockl-Pfeiffer deshalb ausgesucht, weil es die offizielle Demofarbe der UN bei ihren Protesten gegen Gewalt sei. Beim nächsten Equal Pay Day im März werde man dann wieder in Rot auftreten.

"Wir machen da mit, weil wir sehr politisch sind", erklärte die Vorsitzende. Rund 150 Mitglieder habe der Katholische Frauenbund in Herzogenaurach. Bundesweit sind es 300.000. Damit sei der Frauenbund der größte Frauenverein in Deutschland.
"Wir wollen die Frauen unterstützen, auch beruflich, und dazu beitragen, die Fähigkeiten der Frauen ans Licht zu bringen". So umriss Ille Prockl-Pfeiffer ihre Arbeit im Verein.

Die Valentinsaktion war durch die aktuelle Entwicklung in Indien beeinflusst. Deshalb beteiligte sich auch Ruth Niewerth, die sich der Aktion "Stop India" anschloss. Diese Initiative setzt sich, gerade nach der Vergewaltigung einer indischen Frau, für Frauen und Mädchen in Neu Delhi ein. Sie werden aus Bordellen geholt und wieder in ihre Familie gegeben, erklärte Niewerth.

Die sexuelle Gewalt ist das eine Thema der gestrigen Aktion, die häusliche Gewalt ist das andere. "Jede dritte Frau weltweit erlebt im Lauf ihres Lebens Gewalt", erläuterte Prockl-Pfeiffer. Die Gefahr, einer häuslichen Gewalt zum Opfer zu fallen, sei größer als in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ergänzte sie mit Blick auf eine Pressemitteilung zur Aktion.

Auch Claudia Wolter, die Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Erlangen-Höchstadt, nahm an der Aktion teil. Das Thema Gewalt gegen Frauen sei eine der wichtigsten Aufgaben ihrer Arbeit, sagte die Herzogenauracherin. Das Thema könne nicht oft genug in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen werden.
Dazu ist auch die Zusammenarbeit mit der Polizei wichtig, sagte Wolter. Die Inspektion Herzogenaurach war bei der Aktion auch vertreten. Der stellvertretende Dienststellenleiter Norbert Wetz bestätigte die Brisanz der häuslichen Gewalt gegen Frauen. Fast täglich habe die Polizei mit Streitigkeiten in Beziehungsangelegenheiten zu tun, sagte er.

Auch Helga Speth kann davon berichten. Die Herzogenauracher Geschäftsfrau beteiligte sich an der Aktion, weil viele Leute zuhause Gewalt erleben müssen. Das könne sie auch aus ihrem persönlichen Umfeld berichten. Das Thema sei aktuell und man könne nicht oft genug Zeichen setzen. Wie oft komme es vor, dass Mütter Angst haben, ihre Kinder nicht schützen zu können. Der aktuelle Fall in Indien zeige die Brisanz deutlich.