Ein gut gefülltes Zelt, prächtige Stimmung und jede Menge Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft - da muss sich ein Bürgermeister doch wohl fühlen. Alexander Tritthart fühlte sich wohl, als er den traditionellen Frühschoppen zum Ausklang der Weisendorfer Kirchweih gestern eröffnete. Aber es schwang auch ein bisschen Wehmut mit: Ist es doch sein letzter als Bürgermeister. Denn der 44-jährige kandidiert bei der nächsten Wahl als Landrat.

"Ich hoffe natürlich, dass ich nächstes Jahr wieder eingeladen werde", sagte Tritthart schmunzelnd und griff zum Taktstock, um ein letztes Mal die Musikerfamilie Schmerler zu dirigieren. Rund 750 Besucher im Zelt (Schätzung des Festwirts Reinhard Gschrey) applaudierten dem Gemeindeoberhaupt.

Stelldichein der Wahlkämpfer

Das Bad in der Menge genossen auch zahlreiche Gäste aus der Welt der Politik. Keine Frage, es waren mehr als in gewöhnlichen Jahren. Stehen doch gleich mehrere Wahlen vor der Tür, und alle wollen sich da gern nochmal in der Öffentlichkeit sehen lassen. Bringt das aber was? Ein neutraler Betrachter meint: "Das nutzt überhaupt nix". Aber schlimmer wäre es, wenn man als einziger fehlt. Das nämlich spräche sich herum: "Wo ist er/sie denn? Mag er /sie nicht?"

Und so machten sich viele der Kandidaten auf den Weg ins das Weisendorfer Festzelt. Und viele taten das gern, wie Martin Oberle aus Höchstadt beispielsweise, der nach dem heimischen Altstadtfest gestern noch seine Zugabe hatte: "Ich hab noch Durchhaltevermögen", sagte der Landratskandidat der Freien Wähler. Und blickte mit sehnsuchtsvollem Blick hinauf auf die Bühne, zu den Trompetern. Sein eigenes Instrument hatte Oberle diesmal nicht dabei. So wie der Höchstadter ("Es ist heute mein erster Weisendorfer Frühschoppen") hatten auch andere Kandidaten Premiere. Sehen und gesehen werden lautet die Devise in diesen Tagen.

15 Jahre Erfahrung

Souverän blickte da Walter Nussel (CSU) in die Runde. Er ist immerhin seit 15 Jahren Bezirksrat und möchte jetzt in den Landtag einziehen. Er hat, gemeinsam mit der amtierenden Abgeordneten Christa Matschl, in dieser Zeit keinen dieser "Pflichttermine" ausfallen lassen. Das ist Bürgernähe, wie Gastgeber Alexander Tritthart sie mag. Und sich freute, dass er auch den Bundestagsabgeordneten Stefan Müller begrüßen durfte, ebenso wie die Bürgermeister und/oder deren Stellvertreter aus den umliegenden Städten und Gemeinden. "Die kommen zuverlässig jedes Jahr", sagt Tritthart, der sich zudem über den sehr guten Besuch im Zelt freute. Schließlich war der Montag für viele ein ganz normaler Arbeitstag, und sie mussten Urlaub nehmen. Früher hatten die Geschäfte da noch geschlossen.

Die Grünen fehlten

Doch nicht alle Bewerber im Kandidatenkarussell ließen sich gestern blicken. Die beiden Weisendorfer Grünen suchte man vergebens. Aber das mag an der besonderen "Liebe" zur Rathausregierung liegen.