Viel bewegen konnten sich die Besucher der drei Mettenfeiern in Höchstadts Stadtpfarrkirche an Heiligabend kaum, so gefüllt war das Gotteshaus. Dabei predigte Dekan Kilian Kemmer über Bewegung.
Gemeint hat er die Bewegung Gottes auf Welt und Mensch zu, an die man sich an Weihnachten angesichts der Geburt Christi erinnert. Tatsächlich bewege sich an Weihnachten einiges, sagte Kemmer. Besinnliche Angebote würden dankbar angenommen, viel Konsumbewegung sei zu spüren, aber auch die Bereitschaft vieler, Gutes zu tun oder zu spenden.

Reiche Kirche ist unbeweglich

Doch halte auch das Weihnachtsfest eine Bewegung weg von Glaube und Kirche nicht auf, meinte der Dekan. Zudem bewege sich seiner Meinung nach die Kirche viel zu wenig auf die Menschen zu. "Eine reiche Kirche ist eine unbewegliche Kirche.
Das Kriterium für die Zugehörigkeit zur Kirche stellen nicht Geld oder Kirchensteuer dar, sondern allein die Taufe", betonte Kemmer nachdrücklich.

An einigen Beispielen zeigte er die "unbewegliche und schizophrene" Situation der Kirche in Deutschland auf. Die Kirche sei einer der größten Arbeitgeber, doch nur ein geringer Prozentsatz der kirchlichen Angestellten beteilige sich am kirchlichen Leben oder besuche regelmäßig den Sonntagsgottesdienst.

Als "institutionalisierten Narzismus" bezeichnete der Dekan das ständige Kreisen der Kirche um sich selbst, wenn in groß angelegten Diskussionsforen solange geredet werde, "bis man so viel weiß, als man vorher schon wusste". Und die Theologie und vielfach auch der Religionsunterricht würden eher zu Verunsicherung als zur Stärkung des Glaubens beitragen.

Botschaft nötiger denn je

Kemmer berief sich auf ein Wort von Papst Franziskus, dass die getauften Christen, ob Kardinal, Bischof oder ganz gewöhnlicher Christ, hinter allem möglichen her laufen, nur nicht hinter Jesus und alle möglichen Titel tragen, nur nicht den eines Jüngers Jesu. Deshalb sollte sich nach Kemmers Worten jeder Christ an Weihnachten auf Gott und die Kirche zu bewegen. Kemmer: "Nur so kann etwas in Bewegung geraten".

Viele Bürgerrechts- und Protestbewegungen hätten sich überlebt, weil ihre Ziele erreicht wurden oder sich ihr Gedankengut überlebt hat. Die Botschaft von Weihnachten bleibe durch das Wirken der Kirche eine Bewegung, weil ihre Inhalte nie überflüssig werden: Frieden, Barmherzigkeit, Güte und Menschenfreundlichkeit seien laut Dekan Kemmer nötiger denn je.

Die kirchenmusikalischen Beiträge sorgten in den Mettenfeiern dafür, dass die Gottesdienstbesucher sehr bewegt wurden. Die Flötengruppe des Spielmannszuges unter der Leitung von Evelyn Berier und Katharina Heilmann an der Orgel umrahmten die Kindersegnung. Wolfgang Först und Reinhard Döring brillierten bei den Mettenfeiern am Nachmittag und in der Nacht der Orgel und die Stadtkapelle unter der Leitung von Georg Römer spielte in der Stadtpfarrkirche sowie im Anschluss an die Christmette auf dem Marktplatz.

Dort verkauften Mitglieder der Höchstadter Kolpingsfamilie Glühwein für einen guten Zweck und lange noch stand man bei milden Temperaturen zusammen, um die Freude der heiligen Nacht miteinander zu teilen.
Wie das Katholische Pfarramt mitteilt, war auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen die Stadtpfarrkirche St. Georg zu den Gottesdiensten bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Kirchenchor unter Leitung von Friedrich Kirschner sang eine lateinische Messe von Wolfram Menschik, sowie weihnachtliche Motetten. LM