19 Uhr 10 - Briefing der Piloten. "Die Thermik ist recht stark”, teilt Armin Busch mit. "Und der Wind geht mit zehn Knoten." Zuviel. Denn beim Hannberger Ballon-Meeting dürfen es maximal fünf Knoten sein - Genehmigungsvorschrift. Dann heißt es am Boden bleiben.
Das ist nichts Ungewöhnliches bei diesem Treffen, das von der Raiffeisenbank Seebachgrund Jahr für Jahr organisiert wird. Immer wieder heißt es die Luft anhalten und warten, was das Wetter macht. Heuer sah es richtig gut. Tagsüber Sonnenschein, Temperaturen um die 25 Grad. Armin Busch, 2. Vorsitzender des Erlanger Ballonclubs, mahnt zur Geduld. Um 19.55 Uhr wird die endgültige Entscheidung fallen.
Otto Öffner kennt den Ablauf, er ist nicht zum ersten Mal dabei. "Als Ballonfahrer brauchst du vor allem Geduld", erklärt er. Geduld, die die Piloten in der Regel haben, nicht immer die Mitfahrer.
Sich von denen unter Druck setzen zu lassen ist allerdings gefährlich. Vor ein paar Jahren starteten einige wenige Ballons, trotz des Gefahrenhinweises nahender Gewitter. Es ist glücklicherweise nichts passiert, man schrammte an der Katastrophe knapp vorbei.
"Ich habe gelernt", sagt Öffner, "es ist besser am Boden zu sein und sich zu wünschen, dass man oben ist, statt oben zu sein und sich zu wünschen, dass man am Boden ist." Luftballonfahrerweisheit. Es sind halt enge Fenster, in denen die Ballons starten können. Morgens und abends, abends ist beim Einbruch der Dunkelheit allerdings Schluss. "Wir fahren auf Sicht", sagt Öffner. Dunkelheit, Wolken, Nebelbänke, all das mag der Ballonfahrer nicht.
Tagsüber geht nur im Winter, im Sommer spielt die Thermik eine wichtige Rolle. "Da geht es mal schlagartig hinauf bis auf 3000 Meter, ohne, dass der Pilot etwas machen kann", erzählt der 52-jährige Pilot. Er erhebt sich seit 1993 als Ballonführer in die Lüfte - zuvor hat er aber schon Flüge mitgemacht. Er hat sogar spezielle Scheine für Richteraufgaben bei Wettbewerben erarbeitet.
Der Korb und die Ballonhülle werden nahe eines Waldes schon mal aus dem Begleitfahrzeug geholt. Dort im Schutz der Bäume geht kein Wind. "Eine trügerische Sicherheit", weiß Öffner und zeigt in Richtung der Flatterbänder, die anzeigen, dass die Windgeschwindigkeit deutlich über fünf Knoten liegt. Die Gefahr besteht darin, dass der starke Wind die Ballone in die Zuschauermenge drückt. Und dort vor den Toren Hannbergs sind gut 2000 Gäste zusammengekommen, die das Spektakel beobachten wollen, die im Anschluss an einen gelungenen Start noch ein Johannisfeuer abbrennen möchten. "Sicherheit geht vor", sagt Öffner. Dennoch macht er den Korb bereit, falls es eine Starterlaubnis geben soll, möchte er schnell in die Luft.
"Der Wind treibt uns Richtung Heroldsbach, eventuell Fränkische Schweiz", erklärt er seinen beiden Passagieren, die aufgeregt den Korb inspizieren. "Da ist nicht viel Platz", meint der eine. Immerhin sind vier Gasflaschen mit jeweils 20 Kilogramm in dem Korb und ein Funkgerät. Gut sechs Kilo von dem handelsüblichen Propangas werden verbrannt, um den Ballon startbereit zu machen.
Der Wind scheint nachzulassen, weil aber noch Zeit ist bis zum Briefing, schwärmt Öffner von der Ballonfahrerei. Diverse Wettbewerbe in Deutschland hat er schon absolviert, auch in Frankreich war er schon. Doch die Augen glänzen, wenn er von Albuquerque in New Mexico erzählt. "Bis zu 700 Ballons starten da gleichzeitig."
Der Pilot erzählt aber auch von typischen Ballonfahrerfehlern. Erstaunlicherweise geht es nicht unbedingt um gefährliche Winde, Vögel oder entgegenkommende Flugzeuge. Nein, es ist ein Satz, der immer wieder fällt und den Pilot eines Ballons sauer werden lässt, und zwar auf sich selbst. Der Satz kommt über Funk und lautet "Hast Du die Autoschlüssel?" Es passiert immer wieder, dass der Pilot vergisst die Schlüssel des Begleitfahrzeuges an seine Mannschaft zu geben. Wenn man dann in der Luft ist, heißt es eine Zwischenlandung zu machen, um die Schlüssel irgendwie an die Mannschaft zu bringen.
Diese Sorge muss sich Öffner an diesem Tag allerdings nicht machen - die Meldung von Armin Busch ist eindeutig. "Wind über zehn Knoten - das war's." Zwei Teams füllen ihre Ballons dennoch mit Luft, aber nur, um den Zuschauern, wenigstens das Fluggerät zu präsentieren. Abheben wird keiner. Wieder einmal ist das Hannberger-Ballon-Meeting Opfer des Wetters geworden - Sicherheit geht vor und die Ballonfahrer warten geduldig auf eine nächste Chance.
Nachsatz: Genau diese Chance gab es am Sonntagmorgen. Um fünf Uhr hoben vier Ballons vom Flugplatz Herzogenaurach ab, um in Richtung Höchstadt zu fahren.