Karin Richards wusste schon als junge Frau ganz genau, was sie wollte. Damals ließ sie sich zur Kinderpflegerin ausbilden, weil ihr die jungen Menschen schon immer sehr am Herzen lagen.

Doch das genügte ihr nicht: Gegen den Willen ihres Vaters schulte sie weiter und wurde Erzieherin. Das war vor mehr als vier Jahrzehnten, und bis heute ist die Herzogenauracherin ihrem Traumberuf treu geblieben.

Und weil die 64-Jährige bei groß und klein so beliebt ist, gab's am gestrigen Dienstag zu ihren Ehren eine Feierstunde. Freilich ganz anders als geplant, denn die Corona-Bestimmungen erlauben auch in Kindergärten in diesen Zeiten nicht viel. Dennoch hatten die Kinder und die Kolleginnen im Familienzentrum Martin-Luther die Zeit gefunden, sich gemeinsam mit Pfarrerin Nina Mützlitz und der Geschäftsführerin der evangelischen Kindergärten, Sabine Hagen, bei Karin Richards zu bedanken. Gerade auch deshalb, weil sie jetzt in den Ruhestand geht.

Eigenständig

Die Erzieherin weiß noch genau, als im Jahr 1974 das Alter der Volljährigkeit von 21 auf 18 gesenkt wurde und sie als junge Erwachsene plötzlich selber entscheiden durfte. "Mein Vater meinte, eine Ausbildung genügt", erinnert sie sich. Doch sie habe sich darüber hinweggesetzt, die Fachschule besucht und Erzieherin gemacht. Auch Pfarrerin Mützlitz würdigte das: "Sie sind einen eigenständigen Weg gegangen."

Karins erste Station war 1977 der einstige Betriebskindergarten der Firma Schaeffler. Ihre erste Freundin unter den Kolleginnen wurde Petra Beyer, und sie ist es bis heute geblieben. Selbstredend, dass Petra zur Verabschiedung mit eingeladen wurde.

"Es war eine schöne Zeit", erinnern sich die beiden Frauen an die Anfänge. Der Kindergarten stand dort, wo jetzt neben der Feuerwehr ein großer Parkplatz ist. Der Kindergarten stand quasi im Sumpf und war auf Stelen gebaut, und Licht gab's außen herum nur wenig. "Wir hatten Angst in der Dunkelheit", berichtet Petra Bayer. Aber lieber denken sie an die schönen Sommerfeste, den Kinderfasching und die Besuche des Nikolaus, der immer mit der Kutsche kam.

Die Trägerschaft des ehemaligen Betriebskindergartens übernahm dann die evangelische Kirchengemeinde. 1989 wurde das Martin-Luther-Haus im Lohhof gebaut. Karin Richards zog mit um. Und blieb bis auf zwei kurze Unterbrechungen bis jetzt.

Pfarrerin Nina Mützlitz hätte die Verabschiedung gerne im Rahmen eines Gottesdienstes gestaltet, zu Erntedank, wie sie bei der Verabschiedung sagte. Jetzt ist daraus eben eine kleine stille Feier geworden, halt so wie die Coronavorschriften das erlauben.

Die Leiterin des Familienzentrums, Nicole Danhof, weiß um die stets konstante Leistung ihrer Kollegin. "Du warst da und hast das Haus mit deiner freundlichen und liebevollen Art mitgeprägt", stellte sie zum Abschied fest. Dabei blieb Karin Richards in all den Jahren eher eine stille Heldin, die ihre berufliche Heimat in der "Bärchengruppe" hatte. Auch nachdem sie eine provisorische Krippengruppe aufgebaut hatte, wollte sie wieder zurück zu ihren Bärchen.

"Karin hat eine ganz herzliche Art mit den Kindern", sagt Danhof, die als junge Praktikantin selbst auch schon im Martin-Luther-Haus war. Als sie nach vielen Jahren als Leiterin zurückkehrte, "hat Karin mich noch gekannt und herzlich aufgenommen."

Wie Urlaub

Für Karin Richards ist der Ruhestand erst einmal wie Urlaub, sagte sie. "Bis ich mich daran gewöhnt habe, dass ich nicht mehr so früh aufstehen muss." Die Kolleginnen im Familienzentrum will sie freilich gern besuchen, und vor allem natürlich die Kinder. Denn: "Ich liebe die Arbeit mit den Kindern." Strahlende Kinderaugen betrachtet sie als ein besonderes Glück und wischt beim Abschied selbst ein paar Tränchen ab.

Serie: Stille Helden gesucht

Karin Richards ist einer der vielen stillen Heldinnen im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Dank ihres Engagements wird die Region ein kleines Stückchen lebenswerter.

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Wir suchen den unermüdlichen Vereinsmenschen, den Tafel-Helfer, den Bratwurst-Griller vom Sportplatz, den Studenten, der in Corona-Zeiten für die Nachbarn den Einkauf erledigt, oder einfach Menschen, ohne deren Tätigkeit im Leben etwas fehlen würde. Wenn Sie so einen Menschen kennen, schreiben Sie uns. Und keine Sorge: Selbstverständlich nehmen wir zu der Person zunächst Kontakt auf und fragen, ob sie für ein Interview zur Verfügung steht.

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