Sie berichten von Schicksalen, Hilflosigkeit und Gefühlen, die unter die Haut gehen - und betroffen machen. Bei einem Gespräch im Herzogenauracher Rathaus schilderten Sozialpädagogin Christine Habermann und Musiktherapeutin Eva Plendl aus Erlangen Augenblicke aus ihrem Alltag bei der "Elterninitiative krebskranker Kinder Erlangen".
Es scheint manchen schon fast alltäglich wenn es im Bekannten- und Verwandtenkreis heißt: "Sie oder er hat Krebs." Dass das aber auch Babys, dass es auch Kinder treffen kann, wird verdrängt oder nicht wahrgenommen, vor allem, wenn es nicht die eigene Familie trifft.
Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Mütter und Väter freuen sich auf ihr Kind und erhalten nach der Geburt ihres Kindes oder im Kindesalter später die niederschmetternde Diagnose: "Ihr Kind hat Krebs." Die Zukunftsplanung der Familie wird über den Haufen geworfen, das Leben einer Familie ändert sich schlagartig. Bei all den Sorgen, Frust und vielleicht auch Zorn, stellen sich die Familien die verzweifelte Frage "Warum mein Kind, warum muss es gerade uns treffen?"
Eines ist sichergestellt: "Das Gesundheitssystem funktioniert, es gibt hervorragende Ärzte, gut eingerichtete Kliniken, Therapien, die helfen. Vielen Kindern kann geholfen werden, leider aber nicht allen, das ist eine Seite der Schicksale", sagt Habermann.
Und ergänzt, dass es aber eben auch eine andere Seite gebe. "Hinter jedem Krankheitsfall stehen für die kleine Patienten körperliche und seelische Torturen. Dazu kommen die Probleme und das Leid der Eltern und es entstehen Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit." Aus diesen Gefühlen heraus wurde von betroffenen Eltern im Jahr 1983 der Verein "Elterninitiative krebskranker Kinder Erlangen" gegründet.
Denn für die erkrankten Kinder und die betroffenen Eltern ist nicht nur medizinische Hilfe erforderlich. Den Kindern muss vor, während und auch nach der Behandlung, durch die onkologische Station der Universitätsklinik Erlangen, geholfen werden.

Hilfe für Eltern und Kinder


Doch noch immer kämpfen die Ärzte oft vergeblich um das Leben ihrer kleinen Patienten. Und noch immer sind die psychischen Belastungen durch die Erkrankung für die Kinder und ihre Familien sehr oft ebenso schwerwiegend wie das körperliche Leid. Hierbei wird nicht nur den Kindern selbst, sondern auch den Eltern unterstützend unter die Arme gegriffen.
Der Verein versucht nicht nur in finanzieller Hinsicht zu helfen, sondern hilft besonders bei persönlichen Problemen der Kinder und Eltern. Die betroffenen Kinder dürfen oder können im Stadium ihrer Krankheit kein normales Leben führen. Dürfen nicht, was alle Kinder gerne tun, herumtoben und auch mal gerne das machen, was den Eltern nicht so gut gefällt.
Dass die Aktionen des Vereins, der sich ausschließlich aus Spenden finanziert, nicht nur für Ablenkung sorgen, ein Stück weit Normalität vermitteln, sondern auch den Heilungsprozess positiv beeinflussen können, bestätigten Habermann und Plendl.
Die unterschiedlichsten Aktionen des Vereins bringen die Augen der Kinder zum Leuchten und lassen sie, zumindest für ein paar Stunden, ihre Schmerzen und ihr Leid vergessen. "Uns wurde ein Schlagzeug gespendet, das ist in der Musiktherapie der Hit", berichtete Musiktherapeutin Plendl. Die Kinder können mal so richtig aus sich rausgehen, sich ihren Schmerz, aber auch Frust mal so richtig von der Seele trommeln.
Deswegen haben Bürgermeister German Hacker (SPD) und Judith Jochmann vom Amt für Stadtmarketing auch sofort ihre Unterstützung zugesagt. Am Freitag, 17. August, macht die "Tour der Hoffnung 2012" Station in Herzogenaurach. Prominente Mitradler aus Sport und Politik, Olympiasieger, Welt- und Europameister werden um 9.30 Uhr vor der "Alten Wache" von der zweiten Bürgermeisterin Renate Schroff (SPD) begrüßt.
Rund 185 Radler werden auf der World of Sports von Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, auf die kurze Strecke in die Innenstadt geschickt und von dort weiter nach Zirndorf und Schwabach.
Die Stadt Herzogenaurach, das Freizeitheim und das Amt für Stadtmarketing werden ein entsprechendes Rahmenprogramm auf die Beine stellen. "Es sollen viele Kinder mitwirken, dazu wird auch eine Sängerin auftreten", geben die Planer bekannt.

Hoffen auf Spenden


"Es ist doch selbstverständlich, dass wir diese Aktion unterstützen", erklärten Jochmann und Hacker. Grund der Tour ist, möglichst viel Geld für krebskranke Kinder zu sammeln. Das Geld, das in Herzogenaurach und bis nach Zirndorf und Schwabach gesammelt wird, kommt den Kindern zugute, die in Erlangen betreut und behandelt werden.
Dazu hat die Stadt bereits ein Spendenkonto eingerichtet. Die Kämmerei verwaltet das Konto treuhänderisch und am Ende gehen die Spenden, ohne Verwaltungskosten, an den Erlanger Verein. Deswegen würde sich Bürgermeister German Hacker freuen, wenn möglichst viele Spenden von Privatpersonen, Firmen und Geschäftsleuten eingehen. "Wir können und dürfen diese Kinder und Jugendlichen nicht allein lassen", appellierte auch Judith Jochmann beim Gespräch im Rathaus.

Spendenkonto:
Sparkasse Erlangen; BLZ 763 500 00; Kontonummer 600 439 28; Betreff: Nachname, Vorname und Adresse.