Die zwei geplanten Windkraftanlagen an der Landkreisgrenze im Wald bei Ebersbach sorgen schon im Vorfeld für Wind - und aufgebrachte Bürger. Von Trickserei, Profitgier, Frevel an der Natur und einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" sprachen Bewohner aus Oberalbach, Ebersbach, Tanzen haid und Oberreichenbach. "Die kamen am Freitag mit den großen Maschinen, arbeiteten Tag und Nacht und am Sonntag waren alle Bäume gefällt. Wir hatten wegen dem Wochenende keine Möglichkeit, dagegen etwas zu unternehmen. " Das erzählte eine sichtlich erregte Frau an der gerodeten Fläche im Gemeindegebiet "Bettelhüttlein. In der Tat, im Wald zwischen Tanzenhaid, Oberreichenbach und Oberalbach wurden rund zwei Hektar Wald gerodet.

Alte Bäume umgeschmissen


Der frühere zweite Bürgermeister aus Wilhelmsdorf, Martin Seibold, sprach von einem Frevel und einer Zerstörung der Natur, die in Jahrhunderten entstanden ist. Nicht nur Nadelbäume fielen der schnellen Fällaktion zum Opfer , sondern auch wertvolle Biotopbäume, wie eine über hundert Jahre alte Buche an einem Rastplatz und eine danebenstehende alte Eiche mit zahlreichen Spechthöhlen und Rindenpilzen. Die aufgebrachten Bewohner der umliegenden Ortsteile lehnen die geplanten Windräder nicht ab. Sie können aber nicht verstehen, dass die mitten im Wald, an einer uralten Wegkreuzung und direkt am angrenzenden Landschaftschutzgebiet aufgestellt werden sollen.
Der Oberreichenbacher Bürgermeister Klaus Hacker sagt: "Wir wurden im Rahmen der Anhörung über das Vorhaben informiert. Es gab ein Gespräch bei der mittelfränkischen Regierung und der Bescheid zur Rodung kam bei uns an, da gab es schon keinen Wald mehr."
Dass die Angelegenheit sauber abgelaufen sei, wurde bei dem Termin von den meisten Bürgern bezweifelt. So soll am Montag der Bescheid erlassen worden sein, der bereits am drauffolgenden Tag im Amtsblatt veröffentlicht wurde. "Die wussten was sie tun und wollten jeglichen Widerstand ausschalten, solche schnellen Genehmigungen gibt es normalerweise nicht", erklärte ein Spaziergänger, der jeden Tag den Wanderweg benutzt.
In den Ortsteilen wurden 197 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, was aber nichts mehr nutzt, denn den Wald gibt es nicht mehr. Was die Anwohner und Martin Seibold besonders wundert: "Weder der Naturschutz noch die untere Naturschutzbehörde reagierten - die sich doch um jeden Käfer oder Frosch kümmern." Bei der Verabschiedung der dritten Änderung des Flächennutzungsplanes zeigte sich wiederum Bürgermeister Friedrich verwundert über das Verhalten der Oberreichenbacher Gemeinde, wo inzwischen "vermutlich wegen des Drucks einiger weniger Bürger" erheblich Gegenwind erzeugt werde.
Dort werde jetzt auf ein Leitbild der Gemeinde Oberreichenbach mit dort dargestelltem Naherholungsbiet verwiesen, welches allerdings weit über die eigenen Flächen hinausreiche. Friedrich: "Dazu gibt es keinerlei Rechtsgrundlage. Demgegenüber erfüllt die Gemeinde Wilhelmsdorf alle gesetzlichen Auflagen." Über die Aussage des Politikers schütteln die Ortsteilbewohner nur den Kopf. "Wir gehen bewusst den Weg der natürlichen Erzeugung von Strom mit und achten dabei wenn irgend möglich auf die Belange von Mensch und Natur", so Friedrich im Gemeinderat. Als Beispiel nannte er, dass für die benötigten Zuwege die Wiederaufforstung in vollem Umfang erfolge.

Noch kein der Zerstörung in Sicht


Die betroffene Wegkreuzung aus dem Mittelalter ist ein Teil der alten Hochstraße Frankfurt-Prag, die ab dem 12. Jahrhundert auf diesem Streckenabschnitt befahren wurde. An der Stelle verliefen auch die Grenzen des ehemaligen Pücklerschen Jagdgebietes, das von 56 historischen und unter Denkmalschutz stehenden Grenzsteinen abgemarkt wurde. Mindestens einer dieser historischen Grenzsteine fiel wohl den Holzmaschinen zum Opfer.
Für die beim Termin anwesenden Fachleute ist die Rodung ein Verlust, der auch mit Aufforstungen nicht mehr wettgemacht werden kann. "Bevor der Bau der zwei Windkraftanlagen beginnt, müssen auf mehreren hundert Metern Zufahrten für den Kräne und Schwerlastverkehr gebaut werden. Damit wäre die Umweltzerstörung direkt am angrenzenden Landschaftsschutzgebiet komplett", so resümierte der resignierte Martin Seibold.